Neuer starker Mann: Südkoreaner Ban Ki
Moon als UNO-Generalsekretär vereidigt
- Demonstriert trotz leisem Auftreten Entschlossenheit
Der neue UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon (62) ist vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York vereidigt worden. Der 62-jährige frühere südkoreanische Außenminister tritt am 1. Jänner die Nachfolge von Kofi Annan an. Der Ghanese hatte das Amt zehn Jahre für zwei Perioden inne.
Die Präsidentin der Vollversammlung, Sheikha Haya Rashed al-Khalifa aus Bahrain, nahm Ban den Amtseid ab. Der neue Generalsekretär schwor, ausschließlich den Interessen der Vereinten Nationen zu dienen und keinen Anordnungen irgend einer Regierung oder anderen Institution zu folgen. Er werde sein Amt mit "Loyalität, Diskretion und Gewissen" ausüben, sagte Ban vor den Vertretern der 192 Mitgliedstaaten.
Mit viel Beifall und einer Resolution hatte die UNO-Vollversammlung vor der Zeremonie die Arbeit des scheidenden Generalsekretärs Kofi Annan (68) gewürdigt. In der von den afrikanischen Saaten beantragten Entschließung wurde sein "außergewöhnlicher Beitrag für Frieden und die internationale Sicherheit" gelobt sowie seine "mutigen Initiativen" etwa zur Verringerung der Armut. 2001 hatte Annan gemeinsam mit der UNO den Friedensnobelpreis erhalten.
Dem scheidenden Generalsekretär waren trotz seiner großen friedenspolitischen Verdienste Mängel bei der internen Amtsführung angekreidet worden. Vor allem Fälle von hauseigener Korruption und Misswirtschaft trugen ihm den Ruf ein, zu wenig durchzugreifen - etwa im Fall des 64 Milliarden Dollar (48,5 Mrd. Euro) schweren Öl-gegen-Nahrung-Programm für den Irak. Meinungsunterschiede zwischen dem Generalsekretär und der US-Regierung unter Präsident George W. Bush waren unter Annan häufig. Vertreter der Bush-Regierung sagten, die Vereinigten Staaten sollten die UNO nur dann zu Rate ziehen, wenn sie nationalen Interessen nutze. Annan kritisierte besonders den US-geführtem Einmarsch im Irak 2003, der ohne die Zustimmung des Weltsicherheitsrats erfolgte. Ein weiterer Streitpunkt war die geplante Erweiterung dieses mächtigsten UNO-Gremiums.
Annan übte zum Abschied erneut indirekt Kritik am Alleingang der USA im Irak: Frieden und Sicherheit könnten auf Dauer nicht gewahrt werden, wenn sie nicht im Respekt vor den Gesetzen und den Menschenrechten wurzelten. "Ich scheide mit der Sicherheit, dass die UNO heute mehr tut als je zuvor - und es besser tut als je zuvor, aber unsere Arbeit ist noch längst nicht abgeschlossen."
Der Nachfolger ließ in seiner abwechselnd auf Englisch und Französisch gehaltenen Rede auch Kritik an der Amtsführung seines Vorgängers anklingen. Ohne Annan zu nennen, sagte Ban: "Eine meiner Hauptaufgaben wird es sein, dem manchmal schwachen (General-)Sekretariat neues Leben einzuhauchen und neues Vertrauen zu geben." Zugleich werde er die höchsten ethischen Standards setzen. Er wolle als achter UNO-Generalsekretär als Brückenbauer wirken und eine dynamische und mutige Organisation führen. "In dem wir die drei Säulen der Vereinten Nationen stärken - Sicherheit, Entwicklung und Menschenrechte - können wir eine friedlichere, eine wohlhabendere und gerechtere Welt für die nachfolgenden Generationen aufbauen."
Ban gilt als erfahrener, aber eher farbloser Diplomat, dem das Charisma Annans fehlt. Er gilt er als jemand, er die Kunst beherrscht, sich keine Feinde zu machen. Der Südkoreaner war nach dem Rückzug mehrerer Mitbewerber im Oktober vom Sicherheitsrat einstimmig für den Posten nominiert worden. Er ist der erste Asiate in dem Spitzenamt seit 35 Jahren.
Der Südkoreaner hat angekündigt, sich für die Reform der Organisation stark zu machen. Die UNO müsse "effektiver, effizienter und relevanter" für die Lösung von Problemen wie Terrorismus, der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und der Umweltzerstörung werden, sagte er in einem Interview. Auch an Konfliktherden wie dem Nahen Osten will er der Weltorganisation zu einer sichtbareren Rolle verhelfen. "Ich mag als leise oder weich erscheinen, aber das bedeutet nicht, dass es mir an Führungsstärke oder Entschlossenheit fehlt."
Der 1944 während der japanischen Besatzung Koreas als Kind einer Bauernfamilie geborene Ban trat 1970 direkt nach seinem Universitätsabschluss in Internationalen Beziehungen in Seoul in den Dienst des Außenministeriums. Zu den Stationen seiner Karriere gehörten Posten in Neu-Delhi, Washington, am UNO-Sitz in New York und in Wien. An der Spitze des Ministeriums stand er seit Jänner 2004. Neben Englisch spricht er Französisch, Japanisch und Deutsch und hat einen Abschluss der US-Eliteuniversität Harvard. Ban hat zwei Töchter und einen Sohn.
(apa/red)
Deutsche Sklavin befreit14:01
Frau schildert ihr Leid19-Jährige nach acht Jahren gerettet - Mutter soll von Martyrium gewusst haben
Nachbeben in Italien20:01
Mehrere TodesopferErneut große Schäden und Tote nach schweren Erdstößen in Norditalien
