Montag, 11. Dezember 2006

Kontaktmann Lugowoi wird vernommen: Schlüsselzeuge in Fall Litwinenko soll aussagen

  • Zeitung: Britische Ermittler in Moskau in Sackgasse
  • Scotland Yard unterstützt Hamburger Ermittler

Im Fall des vergifteten russischen Ex- Agenten Litwinenko wollen britische Ermittler in Moskau offenbar dessen ehemaligen Kontaktmann Lugowoi vernehmen. Dies deutete Lugowoi selbst an. Der Ex-Spion Lugowoi gilt in dem rätselhaften Fall als Schlüsselzeuge. Ein bereits in der vergangenen Woche geplantes Gespräch sei aus "technischen Gründen" verschoben worden, sagte Lugowois Anwalt.

Nach Angaben von "The Times" befinden sich die britischen Ermittlungen in Moskau in einer Sackgasse. Die russischen Behörden fordern demnach, im Gegenzug für ihre Kooperation eigene Befragungen in London machen zu können. Die britischen Behörden haben jedoch nach Diplomatenangaben keine Möglichkeit, Dissidenten wie den Millionär und Litwinenko-Bekannten Boris Berezowski oder den tschetschenischen Separatisten Achmed Sakajew zur Zusammenarbeit mit russischen Polizisten zu zwingen.

Für die Ermittlungen um den Polonium-Fund in Hamburg und den Kontaktmann des ermordeten russischen Exspions Alexander Litwinenko (Litvinenko) haben die deutschen Behörden Unterstützung von Scotland-Yard erhalten. Ein Beamter der britischen Polizei sei in der Früh in Hamburg gelandet und werde zunächst im Polizeipräsidium von der Sonderkommission über den Stand der Ermittlungen informiert, teilte die Hamburger Polizei mit.

Scotland Yard unterstützt deutsche Ermittler
Gut zwei Wochen nach Litwinenkos Tod waren am Wochenende in Hamburg im Umfeld des russischen Geschäftsmanns und Litwinenko-Kontaktmanns, Dimitrij Kowtun, Spuren des Strahlengiftes Polonium 210 nachgewiesen worden. Auch in dem BMW, den Kowtun während seines Aufenthaltes in Hamburg genutzt hatte, wurde Strahlung gemessen. "Es ist definitiv Polonium", sagte Polizeisprecher Andreas Schöpflin. Damit bestätigten sich Vermutungen von Experten vom Wochenende.

Währenddessen gingen die Untersuchungen der kontaminierten Objekte in Hamburg und dem angrenzenden Kreis Pinneberg weiter. In der Früh trafen Mitarbeiter des deutschen Bundesamts für Strahlenschutz und das Technische Hilfswerk auf dem Gelände der ehemaligen Schwiegermutter Kowtuns in Haselau ein, wo an diesem Tag ein so genannter Feinscan fortgesetzt werden sollte.

Nach den bisherigen Ermittlungen war Kowtun am 28. Oktober von Moskau nach Hamburg geflogen. Am 1. November flog er zu dem Treffen mit Litwinenko nach London, an dem auch der Ex- Geheimdienstler und Geschäftsmann Andrej Lugowoi teilnahm. Kowtun und Lugowoi leiden nach russischen Medienberichten inzwischen an Strahlenerkrankung und werden in Moskauer Kliniken behandelt.

Der russische Botschafter Waldimir Kotenew wies indes die Ermahnung der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zur besseren Unterstützung der Ermittlungen im Fall Litwinenko zurück. "Die Mitarbeit ist da und unsere Behörden kooperieren auch mit Scotland Yard", sagte Kotenew am Sonntagabend in der ARD-Sendung "Sabine Christiansen". Die russische Staatsanwaltschaft habe auch ein eigenes Verfahren eingeleitet. Der Botschafter versicherte: "Wir sind nicht minder interessiert, die Wahrheit zu erfahren." Merkel hatte zuvor in einer ARD-Sendung eine enge Zusammenarbeit der russischen und britischen Behörden gefordert. Es sei für die Akzeptanz und das Ansehen Russlands im Ausland wichtig, dass solche Fälle geklärt würden.

Nach dem Polonium-Fund in Hamburg hatte am Sonntag auch der leitende deutsche Oberstaatsanwalt Martin Köhnke eine mangelnde Zusammenarbeit russischer Stellen beklagt. Er bemängelte, dass von russischer Seite nichts über den Zustand von Litwinenkos Kontaktmann Kowtun zu erfahren sei. Auch die Polizei bemängelte die Zusammenarbeit mit den russischen Behörden: "Wir haben auf unsere Anfragen keine Antworten bekommen", sagte Einsatzleiter Thomas Menzel.

Ein Busticket in der Jacke von Litwinenko weist nach Angaben der britischen Zeitung "Daily Mirror" darauf hin, dass dieser tatsächlich in einer Londoner Hotelbar mit Polonium vergiftet wurde. Die Fahrkarte sei am 1. November in der Nähe von Litwinenkos Wohnung gekauft worden, schrieb die Zeitung am Montag unter Berufung auf ungenannte Polizeiquellen. Der Bus, den Litwinenko genommen habe, sei nicht mit Polonium verseucht gewesen, hieß es in dem Bericht weiter. In dem Hotel wurden dann aber Spuren dieses radioaktiven Stoffs entdeckt.

(apa/red)

11.12.2006 11:13