Freitag, 15. Dezember 2006

APA/OGM-Vertrauensindex: Gusenbauer & Strache legen nach der Wahl ordentlich zu!

  • Fischer bis Schüssel: Überraschend viele Verlierer
  • Auch Van der Bellen und Westenthaler mit Einbußen
    Infografik: Detailergebnisse der Politiker im Überblick

Die Veränderung der politischen Landschaft nach der Nationalratswahl hat im aktuellen APA/OGM-Vertrauensindex deutliche Spuren hinterlassen. Auffallend ist, dass es zahlreiche - zum Teil auch überraschende - "Verlierer" gibt: von Bundespräsident Heinz Fischer über Noch-Kanzler Wolfgang Schüssel und Grünen-Chef Alexander Van der Bellen bis zu den BZÖ-Politikern Peter Westenthaler und Ursula Haubner. Deutlich an Vertrauen zulegen konnten Wahlsieger Alfred Gusenbauer und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache.

"Vertrauen Sie xy oder vertrauen sie xy nicht oder kennen Sie xy nicht", lautete die Frage von OGM in 500 Telefoninterviews. Aus den beiden Werten wird dann der Saldo gebildet, der für das Ranking herangezogen wird.

Fischer genießt das meiste Vertrauen
Der Politiker mit dem höchsten Vertrauenswert ist und bleibt Bundespräsident Fischer. Im aktuellen Ranking werden ihm 65 Prozent ausgewiesen - gegenüber der letzten Befragung im September (zwei Wochen vor der Nationalratswahl) jedoch ein Minus von zehn Punkten. Für den OGM-Politologen Peter Hajek eine Überraschung. Als mögliche Ursache nennt er Fischers Festlegung auf eine große Koalition.

Gusenbauer hängt Schüssel ab
ÖVP-Chef Schüssel liegt mit drei Prozent noch knapp im Plus-Bereich. Innerhalb von drei Monaten musste er jedoch ein Minus von acht Punkten hinnehmen. "Wolfgang Schüssel bekommt die Niederlage seiner Partei und die bisherige Verhandlungsstrategie zu spüren", so Hajek. Der künftige Kanzler, SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer, kann auf ein Plus von sieben Punkten verweisen. Er liegt mit 13 Prozent nun - zum ersten Mal seit dem Juni 2005 - wieder vor Schüssel. Hajek: "Der Wahlsieg schlägt sich positiv nieder."

Van der Bellen verliert stark
"Überraschend deutlich" ist aus Sicht des OGM-Experten der Vertrauensverlust (minus acht Prozentpunkte) bei Van der Bellen: "Er verlor besonders bei ÖVP-Wählern an Vertrauen, vermutlich deshalb, weil er sich gegenüber der ÖVP besonders kritisch verhält." Mit plus 18 Prozent liegt Van der Bellen jedoch weiter im Spitzenfeld, und zwar auf Platz vier hinter Fischer und den ÖVP-Ministern Josef Pröll und Ursula Plassnik.

Totaler Verlust für Haubner und Westenthaler
Das größte Minus gibt es für Haubner (minus 18) und Westenthaler (minus 12). "Haubner bekommt die Rechnung für ihren Kindergeld-Erlass präsentiert", so Hajek. "Und Westenthaler hat seit der Wahl kaum mehr von sich hören lassen, außer im Zuge der 'Stadl-Affäre'."

Auf der Gewinnerseite findet sich FPÖ-Obmann Strache mit plus acht Punkten. "Strache gibt sich seit der Wahl staatstragend. Zudem hält er sich derzeit im Hintergrund", so Hajek. In Summe bleibt der FPÖ-Chef aber mit minus 40 Prozent am unteren Ende der Skala.

Josef Pröll hat sich im Gesamtranking mit 39 Prozent (plus fünf Punkte) den zweiten Platz hinter Fischer gesichert. "Seine Rolle als Kronprinz nützt ihm derzeit", so Hajek. "Zu lange sollte er diese Rolle aber nicht innehaben." (apa/red)

15.12.2006 11:05