Hochsaison für Langfinger im Advent: Diebstähle steigen in Vorweihnachtszeit
- Sowohl Einzeltäter als auch gewerbsmäßige Banden
- PLUS: Verübte Delikte sind aber insgesamt rückläufig

Im vorweihnachtlichen Shopping-Getümmel gibt es auch dieses Jahr wieder einige, bei denen das Beschenken bereits im Geschäft beginnt. So werden wegen Ladendiebstählen sowohl Polizisten als auch Detektive vermehrt in Geschäftsstraßen und Shopping-Centern in ganz Österreich unterwegs sein. Im Vergleich zum Vorjahr sind Ladendiebstähle aber rückläufig, sagte Rupert Spritzl vom Bundeskriminalamt (BK).
"Wir haben einige Jahre der steigenden Kriminalität hinter uns, eine Trendwende hat eingesetzt", freute sich Spritzl im Gespräch mit der APA. Während zwischen Jänner und November des vergangenen Jahres 25.029 Fälle angezeigt wurden, waren es im Vergleichszeitraum 2006 nur 22.008 Fälle. Gezielte Bekämpfung von gewerbsmäßigen Banden aus Georgien und Moldawien ließ auch die Anzahl der ermittelten Tatverdächtigen von 19.914 auf 17.832 Personen sinken, so Spritzl. Allerdings: "2005 wurden die angezeigten Diebstähle Richtung Weihnachten kontinuierlich höher, im Dezember sogar massiv", zitierte Spritzl die BK-Statistik. Er erwartet auch für dieses Jahr eine ähnliche Entwicklung.
Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 41,5 Milliarden Euro im Einzelhandel umgesetzt, so Roman Seeliger von der Bundessparte Handel der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), davon entfallen nach Schätzungen 623 Millionen oder 1,5 Prozent auf Ladendiebstahl. Diese Summe teilt sich unter Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter zu jeweils 0,5 Prozent auf. Seeliger: "Während Diebstahl bei Kunden viel häufiger passiert, stehlen Mitarbeiter wertvollere Dinge."
"Zu Weihnachten steigen nicht nur Umsatz, sondern auch Ladendiebstähle", weiß auch Walter Machacek, Präsident des österreichischen Detektiv-Verbands. Vom kleinen Supermarkt bis zu großen Shopping-Hallen werden die Detektive in ganz Österreich auf 25 bis 50 Prozent aufgestockt. Besonders in Wien heißt es wieder "Augen auf" für die Überwacher. Im vergangenen Jahr wurden über das Jahr verteilt 10.396 Diebstähle angezeigt, davon alleine 940 vor Weihnachten.
"Mehr als die Hälfte der Ladendiebe sind Einzeltäter", sagte Spritzl. Machacek kann sowohl von vielen "Stammkunden" berichten, die "täglich ihren 'Bonus' mitnehmen" als auch von "gewerbsmäßigen Banden, die auf Bestellung 'einkaufen' gehen". Entwendet werde "alles was klein und wertvoll ist". Meist suchen sich die Diebe hochpreisige Kosmetika, CDs, elektronische Geräte sowie Schmuck und Uhren aus. "Zehn Semmeln hat noch selten jemand gestohlen", bestätigte Machacek. "Es geht meist um Dinge, die sich die Leute so nicht kaufen würden." Ladendiebstahl mache keine Unterschiede bei Alter oder sozialer Schicht: "Es gibt keine Berufsschicht, in der ich das noch nicht erlebt habe - egal ob Priester, Nonnen, Richter, Staatsanwälte, inklusive Detektive."
So unterschiedlich die Menschen, so unterschiedlich auch ihre Vorgehensweise: "Professionelle Banden arbeiten mit Ablenkungsmanövern", erzählte Spritzl. So beschäftigt sich ein Täter mit dem Verkäufer, während der andere zum Beispiel Schmuck aus der Vitrine entwendet. Genauso gebe es aber auch jene, die einfach "die Gelegenheit nützen", Gegenstände in der Tasche und unter dicken Pullis verstecken oder mit mehreren Kleidungsschichten aus einer Umkleidekabine marschieren. Der Trick, mit einer durch Alu ausgekleideten Tasche durch die Detektoren zu gehen, sei aber bei den neuen Sicherheitssystemen bereits nicht mehr möglich. Aber auch mit Taschendieben in Geschäften ist die Exekutive zu Weihnachten beschäftigt. "Sie sind aber durchwegs Profis", sagte Spritzl, "man braucht eine hohe Hemmschwelle, um jemandem etwas aus der Tasche zu ziehen."
Beim Diebstahl ertappt, fallen öfters auch mehr als nur ein paar unfreundliche Worte, Fäuste, Hände, Messer und Schraubenzieher werden laut Machacek besonders in den vergangenen Jahren immer häufiger eingesetzt. "Ich kenne keinen Kollegen, der nicht schon mindestens einmal wegen einer Auseinandersetzung in Krankenstand war", erzählte der Detektiv. So wurde ein Mitarbeiter von einem flüchtenden Dieb am Parkplatz niedergefahren, auf Kaufhausdetektive wurde auch schon geschossen.
(apa/red)
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