Samstag, 9. Dezember 2006

Alternativer Nobelpreis überreicht: Preis an Schöpfer des Weltsozialforums verliehen

  • Ferreira, US-Publizist & Frauenrechtlerin gewürdigt

Der Brasilianer Whitaker "Chico" Ferreira hat in Stockholm den Alternativen Nobelpreis für die Schaffung des Weltsozialforums sowie den Kampf gegen die Korruption in seiner Heimat überreicht bekommen. Die Stiftung "Right Livelihood Award" ("Preis für richtiges Leben") zeichnete den 1931 geborenen Katholiken mit dem nicht dotierten Ehrenpreis der Stiftung aus. Das Weltsozialforum, zu dem seit 2001 alljährlich bis zu hunderttausend Globalisierungskritiker zusammenkommen, versteht sich als Gegenveranstaltung zum Weltwirtschaftsforum, einem Treffen von Spitzenpolitikern und Wirtschaftsführern aus aller Welt.

Die mit insgesamt zwei Millionen Kronen (220 000 Euro) dotierten drei anderen Alternativen Nobelpreise gingen an den US-Publizisten Daniel Ellsberg, die indische Frauenrechtlerin Ruth Manorama und das kolumbianische Medellín-Lyrikfestival. Ellsberg (75) hatte als Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums die geheimen "Pentagon-Papiere" den Medien zugeschleust, mit denen unwahre Angaben der Regierung über den Vietnam-Krieg enthüllt werden konnten. Er rief vor der Stockholmer Preisverleihung zu schnellem internationalen Handeln gegen die Gefahr neuer Kriegsinitiativen durch die USA auf.

Die 1952 geborene Inderin Ruth Manorama erhielt einen Preis als Frauenrechtlerin und für die Bekämpfung des Kastensystems in ihrer Heimat. Das Poesiefestival im kolumbianischen Medellín wurde ausgezeichnet, weil es unter den Bedingungen stark verbreiteter Gewalt etwa durch Drogenhändler zeige, dass "Kreativität, Schönheit, freier Ausdruck und Kommunikation inmitten tiefer Angst und Gewalt blühen und beide überwinden können".

Die Alternativen Nobelpreise wurden 1980 vom Deutsch-Schweden Jakob von Uexküll gestiftet. Ausgezeichnet werden besondere Leistungen beim Schutz von Frieden, Menschenrechten und Umwelt sowie bei der Bekämpfung von Armut und sozialer Ungleichheit. Letzter deutscher Preisträger war 1999 der SPD-Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer als Pionier der Solarenergie. (apa)

9.12.2006 08:27