Meisen zwitschern in der Stadt anders:
Anpassung der Lieder an den urbanen Lärm
- Kohlmeisen passen ihre Lieder der Umgebung an
- Helleres, schnelleres und kürzeres Singen in Stadt
Zwei niederländische Biologen haben mit Tonaufnahmen in zehn verschiedenen Städten belegt, dass Kohlmeisen in der Stadt anders singen als im Wald. Um sich von dem urbanen Grundlärm abzuheben, zwitschern die Meisen heller, schneller und kürzer als ihre Artgenossen im Wald. Dies könnte eventuell sogar zur Abspaltung einer neuen Art führen.
Die Kohlmeisen in der Stadt singen anders als ihre Verwandten im Wald. Das haben zwei niederländische Biologen mit Tonaufnahmen in Berlin, London, Paris und sieben anderen europäischen Städten belegt. Die Stadtvögel haben etwa ihre Liebeslieder zur Partnersuche und die Gesänge zur Revierverteidigung an den Stadtlärm angepasst, berichten Hans Slabbekoorn und Ardie den Boer-Visser von der Universität Leiden im Fachjournal "Current Biology" (Bd. 16, S. 2326).
Eventuell Abspaltung neuer biologischer Art
In allen zehn Städten beobachteten die Forscher dasselbe: Um sich von den tiefen Tönen des urbanen Grundrauschens besser abzuheben, trällerten die Kohlmeisen (Parus major) in höheren Tonlagen als ihre Vettern in nahe gelegenen Wäldern. Abgesehen von den kürzeren und schneller gesungenen Liedern benutzten sie öfter auch atypische Tonfolgen. Diese Anpassung, die eine frühere Studie bereits vermuten ließ, könnte nach Meinung der Forscher sogar auf die Abspaltung einer neuen biologischen Art hindeuten - allerdings sei noch völlig unklar, ob sich Kohlmeisen aus der Stadt und dem Wald auf einem solchen Pfad bewegten.
Handy-Klingeltöne nachzwitschern
Erst wenige Studien hätten die Folgen von Zivilisationsgeräuschen auf Vogelgesänge untersucht, heißt es in einem Begleitkommentar von "Current Biology". Und meistens seien diese Untersuchungen regional begrenzt. So haben Forscher etwa beobachtet, dass Nachtigallen (Luscinia megarhynchos) umso lauter singen, je stärker der Verkehrslärm ist. Und deutsche Vogelkundler berichteten, dass manche Vögel sogar einfache Klingeltöne von Mobiltelefonen nachahmen. Nicht immer muss der Lärm allerdings menschengemacht sein. Auch in der Nähe natürlicher Geräuschquellen können die Vögel ihre Lieder anpassen. So trällern Buchfinken (Fringilla coelebs) auch in der Nähe lauter Wasserfälle anders.
(apa/red)
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