Freitag, 8. Dezember 2006

Die Dollar-Zwickmühle: FORMAT über den aktuen Schwächeanfall der US-Währung!

  • Dollar wird für Weltwirtschaft zu ernstem Problem
  • Ursachen für Abwertung: Konjuktureller Hintergrund

Der Dollar erleidet einen akuten Schwächeanfall. Die angeschlagene US-Währung wird für die Weltwirtschaft zu einem ernsten Problem.

Der US-Dollar fällt und fällt - derzeit bekommt man für einen Euro bereits 1,33 Dollar. Mit der Talfahrt des Greenbacks sinken nun auch die Hoffnungen auf eine Jahresendrally in Europa. Die Gründe dafür liegen in einer Abkühlung der US-Konjunktur. Experten machen sich nun Sorgen, dass 2007 eine Abkühlung der US-Konjunktur zu einem Problem werden könnte.

Die Ursachen für die Dollarabwertung haben einen konjunkturellen Hintergrund. Schon vor kurzem zeichnete sich ab, dass die Immobilienblase in den USA platzt. Im Oktober sank die Zahl der Spatenstiche für neue Wohnhäuser um 15 Prozent und ging auf 1,49 Millionen zurück. Gleichzeitig ist die Zahl der zum Verkauf stehenden Wohnhäuser rasant auf mehr als drei Millionen gestiegen, und das hat wiederum die Verkaufpreise in den Keller gedrückt - ein massives Problem für die hoch verschuldeten Eigenheimbesitzer. Peter Brezinschek, Chefvolkswirt der RZB: "Das Konsumwachstum wird deshalb sicherlich zurückgehen." Doch die US-Unternehmen sind mittlerweile breit aufgestellt und können einen Rückgang des Inlandskonsums sicherlich noch abfangen. "Wir gehen aber trotzdem von einem Gewinnwachstum der US-Unternehmen von 13 bis 14 Prozent aus."

Notenbanken schichten um
Eine weitere Ursache für den Dollareinbruch sehen die Experten auch in einer Umschichtung der Devisendepots. Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank: "Staaten wie China und Indien, aber auch die arabischen Staaten haben ihre Devisenreserven auf eine breitere Basis gestellt und dadurch eine Dollarabwertung ausgelöst". Bedingt durch den regen Handel mit Europa, haben viele Notenbanken auch große Euroreserven in ihre Depots gepackt und dadurch einen Kursrutsch der US-Währung mitbewirkt. Doch es ist weniger die konjunkturelle Abkühlung, die viele fürchten, noch stärker ist die Angst vor einer ausufernden Inflation. Jens Ehrhardt, Vermögensverwalter aus München: "Der Dollar ist die Achillesferse der expansiven Schuldenpolitik von Ex-Notenbanker Alan Greenspan. Im Verlauf seiner achtzehnjährigen Amtszeit als Chef der US-Notenbank hat er eine ungesunde Wirtschaftsentwicklung der USA verursacht."

Das Kernproblem dabei ist, dass ein schwacher Dollar die US-Inflation nach oben treibt und damit auch langfristig die US-Zinsen. Ehrhardt: "Damit hätte man in den USA das Gegenteil der bis vor kurzem gepriesenen 'Goldilocks-Situation', nämlich einer guten Konjunktur und einer gebremsten Preissteigerung. Jetzt droht schwaches Wachstum bei steigender Inflation." Wie schon einmal 1987, als ein schwacher Dollar auf eine markttechnisch verletzliche Börse traf, würde heute eine kräftige Dollarabwertung das labile Gleichgewicht auf den Märkten empfindlich stören. Außerdem käme die US-Notenbank in die Zwickmühle. Einerseits müsste sie, um die Inflation einzudämmen, die Zinsen anheben, aber das wäre eine Vollbremsung für die sich abkühlende Konjunktur. Andererseits werden die Rufe in den USA lauter, die Zinsen wieder etwas zu senken, weil sie die Wachstumsprognose der Notenbanker mit 3,25 Prozent für 2007 als viel zu optimistisch halten. Doch eine Zinssenkung in den USA würde den Dollarverfall beschleunigen, denn die Europäische Zentralbank hat bereits angekündigt, dass sie trotz erstarktem Euro an der Zinsschraube drehen will.

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8.12.2006 20:51