Montag, 4. Dezember 2006

Österreicher sind "Realisten" bei Pension:
Dennoch werden 5 Mrd. € pro Jahr verspart

  • Nur Franzosen noch risikoaverser als Österreicher
  • Informationskampagne soll Österreicher aufklären

Österreicher sind "Realisten", was die Höhe der Pensionen in Zukunft betrifft. Sie wissen, dass diese in Zukunft sinken wird und drei Viertel haben auch schon eine private Altersvorsorge abgeschlossen. Jedoch sind sie dabei überdurchschnittlich risikoscheu und "versparen" dabei ungefähr 5 Milliarden Euro im Jahr.

Österreicher lässt die Altersvorsorge nicht kalt: Drei Viertel aller Österreicher haben sich um das Thema bereits "gekümmert" und eine Altersvorsorge abgeschlossen, so das Ergebnis einer im Auftrag des Fondsanbieters Fidelity durchgeführten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Sofres in acht europäischen Ländern. Österreich liege damit auf dem vergleichsweise guten dritten Platz, knapp hinter Deutschland und dem Spitzenreiter Schweden.

Jährlicher Ertrag von sechs Prozent sinnvoll
Der Fidelity-Chef in Österreich, Dirk Herrmann, spricht aber von einer "trügerischen Sicherheit" angesichts der oftmals geringen Ertragskraft der Absicherungsprodukte. "Eine sinnvolle Vorsorge sollte einen durchschnittlichen jährlichen Ertrag von inflationsbereinigt sechs Prozent abwerfen", sagte Herrmann bei einer Pressekonferenz in Wien. Das sei nur über eine deutlich höhere Aktienquote zu erreichen.

Informationskampagne soll aufklären
Österreicher verfügten zwar pro Kopf über mehr Finanzvermögen als die Deutschen, wegen der vergleichsweise konservative Veranlagung - knapp 50 Prozent des privaten Geldvermögens entfallen auf Bargeld und Einlagen (Sparbücher), würden Österreicher jährlich 5 Mrd. Euro "versparen". Hier ortet auch Börse-Vorstand Heinrich Schaller Nachholbedarf. Mit einer Informationskampagne soll die heimische Aktienspar-Kultur angehoben werden.

Nur Franzosen noch risikoaverser
Noch mehr als andere Länder ziehen Österreicher bei der Altersvorsorge risikoarme - und damit auch weniger ertragreiche - Veranlagungen vor, das gaben 79 Prozent der Befragten an. Noch riskoaverser sind die Franzosen (82 Prozent). Vergleichsweise "risikofreudig" geben sich die Schweden, wo sich 27 Prozent für einen hohen Ertrag bei hohem finanziellen Risiko aussprechen und 62 Prozent für eine möglichst risikoarme Veranlagung aussprechen.

Gefälle zwischen Nord- und Südeuropa
Das "Fidelity Vorsorge-Barometer Europa" zeigt ein gravierendes Gefälle im Vorsorgeverhalten zwischen dem Norden und Süden Europas. Während die nord- und mitteleuropäischen Länder mehrheitlich mit privater Vorsorge begonnen haben, hinken die Südländer noch hinterher. Mit 12 Prozent ist die Zahl derer, die sich dem Thema komplett verschließen, in Österreich relativ gering. Anders in Frankreich oder Spanien, wo 34 bzw. 42 Prozent angaben, sich auch in Zukunft nicht mit der privaten Altersvorsorge beschäftigen zu wollen.

Deutsche noch pessimistischer als Österreicher
In Bezug auf die staatliche Pension seien die Österreicher "Realisten", sagte Herrmann. 86 Prozent gehen davon aus, dass die Höhe der Pensionen in Zukunft sinken wird. Noch pessimistischer sind die Deutschen, wo 92 Prozent der Befragten mit geringeren Pensionen rechnen. Optimisten sind die Italiener und Spanier, wo lediglich 54 bzw. 38 Prozent von geringeren Pensionen ausgehen.

Altersvorsorge so einfach wie Pass beantragen
In den acht befragten europäischen Ländern herrscht weitgehende Übereinstimmung, dass sich jeder um seine Altersvorsorge kümmern müsse (86 Prozent). Die Österreicher stehen dem Thema im internationalen Vergleich äußerst gelassen gegenüber: 41 Prozent meinen, Planung und Aufbau der Altersvorsorge sei "so einfach wie einen Pass zu beantragen". Der Durchschnittswert liegt hier bei 27 Prozent.

Österreicher fühlen sich gut informiert
Österreicher fühlen sich über das Thema mehrheitlich "gut informiert", das gaben 73 Prozent der Befragten an. Besser informiert sind nach Eigeneinschätzung nur die Deutschen und die Schweizer. Vergleichsweise schlecht informiert kommen sich demnach Spanier (42) und Italiener (39 Prozent) vor.

(apa/red)

4.12.2006 17:42