Die unfreiwillige "Rettung" des Skisports: Schwache ÖSV-Herren motivieren Konkurrenz
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Die US-Olympiasieger Julia Mancuso und Ted Ligety wollen das Skifahren retten und engagieren sich deshalb für den WWF und gegen die globale Erderwärmung. Österreichs erfolgsverwöhnte Ski-Herren betreiben ihre "Rettung des Skisports" derzeit eher unfreiwillig, sind nach ihren sechs Nordamerika-Rennen ohne Sieg aber das Thema der Szene. Schon lange war der Herren-Weltcup nicht so ausgeglichen wie nach den ersten sieben Rennen der Saison 2006/2007.
Sieben verschiedene Läufer aus ebenso vielen Ländern stehen nach fast einem Fünftel der Weltcuprennen in den Siegerlisten. Der Österreicher Benni Raich gewann den Auftakt-Slalom in Levi, der Liechtensteiner Marco Büchel und der Kanadier John Kucera waren in Lake Louise Erste in Abfahrt bzw. Super G und in Beaver Creek gewannen der Norweger Aksel Lund Svindal (Super-Kombi), der US-Amerikaner Bode Miller (Abfahrt), Massimiliano Blardone aus Italien (Riesentorlauf) und am Ende der junge Schwede Andre Myhrer (Slalom).
Was die Weltcup-Szene belebt, sorgt bei den ÖSV-Verantwortlichen für Sorgenfalten, nachdem man nicht nur erstmals seit 2003 sechs Rennen ohne Sieg ist, sondern selbst in der Königs-Disziplin - drei Abfahrten in Folge ohne Podestplatz gab es zuletzt vor rund 20 Jahren - einen Tiefpunkt erreicht hat.
"Mit Schneeverhältnissen nicht zurecht gekommen"
"Keine Frage, wir sind mit den Schneeverhältnissen in Beaver Creek einfach nicht zurecht gekommen", geriet selbst ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel mit Vermutungen, viele ÖSV-Fahrer wären dem aggressiven Schnee in Colorado zu aggressiv entgegen getreten, nicht in Widerspruch. "Aber das ist dort nicht nur uns passiert. Die Amerikaner sind eben mit ihrem Schnee aufgewachsen wie wir mit unserem", so der ÖSV-Chef.
Dass seine Läufer zunächst den Weltcup fast kaputt gesiegt hätten und nun unfreiwillig zu dessen Rettung beitragen würden, ließ Schröcksnadel aber nicht gelten. "Wir machen den Weltcup auch nicht kaputt, wenn wir gewinnen. Unser Aufgabe ist und bleibt, so viel wie möglich zu gewinnen", blickte der Tiroler schon wieder in die Zukunft, die für den Rest des Winters ohnehin ausschließlich in Europa stattfindet.
"Damit müssen wir jetzt einfach leben"
Die - für viele Fahrer ungewohnte - Medien-Kritik sieht der Präsident eher als Ansporn. "Damit müssen wir jetzt einfach leben, das gehört dazu", so Schröcksnadel, der beim Heimflug einen Schlussstrich zog. "Wir wollten bei den Herren in Beaver Creek besser sein als im Vorjahr, das ist nicht gelungen. Dafür haben uns die Damen rausgerissen", gab es Lob für die so erfolgreiche Mädchen-Truppe von Herbert Mandl, die derzeit den ÖSV-Herren klar das Nachsehen gibt.
Während man sich im ÖSV-Lager trotz allem in Zuversicht übt, wittert die Konkurrenz ganz offensichtlich erstmals seit langem echte Morgenluft und sieht ein Imperium wanken. Und die Vielzahl der neuen Sieger - im Beaver-Slalom standen mit Myhrer (Jahrgang 1983), dem Kanadier Michael Janyk (1982) und dem Deutschen Felix Neureuther (1984) zudem drei Jungspunde auf dem Podest - sowie die durch alle Disziplinen gehenden Probleme der Österreicher scheinen ihnen Recht zu geben.
"Nimbus der Unbesiegbarkeit angekratzt"
"Der Nimbus der Unbesiegbarkeit hat sicher einen Kratzer bekommen", ist auch der ehemalige ÖSV-Alpinchef Werner Margreiter, jetzt Chef von Deutschlands Herren, überzeugt. "Die anderen riechen Lunte!"
ÖSV-Herrenchef Toni Giger ist überzeugt, dass - "obwohl wir von den Rennen in Beaver Creek natürlich enttäuscht sind" - in der Vorbereitung nichts falsch gemacht wurde. Also könnte der Saisonaufbau auf den WM-Höhepunkt im Februar ausgerichtet sein. Oder es rächt sich, dass viele starke Läufer jahrelang das Nachstoßen Junger erschwert haben. Oder es gilt die Tatsache, dass viele gegnerische Teams nicht zuletzt mit rot-weiß-rotem Know How ehemaliger ÖSV-Trainer stark aufgeholt haben. (apa/red)
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