Sonntag, 10. Dezember 2006

Auch am Schlusstag Finale knapp verpasst:
Endläufe in Helsinki ohne Koll & Steinegger

  • 23-Jährige pulverisiert aber OSV-Uralt-Lagen-Rekord
  • 400 m: 4,43 Sek. unter fast 10 Jahre alter Top-Marke
    Finaltag brachte einen Welt- und zwei Europarekorde

Am Finaltag der Kurzbahn-Schwimm-Europameisterschaften in Helsinki hat das österreichische Team zwei weitere Male ein Finale knapp verpasst. Über 200 m Kraul wurde Dominik Koll in 1:46,43 Minuten 28/100 hinter dem Endlauf-Feld wie über 400 m Kraul Neunter, über 400 m Lagen belegte Jördis Steinegger mit dem tollen OSV-Rekord von 4:42,39 wie schon über 400 und 800 m Kraul Platz zehn. Die Final-Qualifikation verpasste die 23-Jährige um 59/100.

Kolls Scheitern am erwarteten Einzug unter die Top 8 war für ihn besonders bitter. Da das Abendessen im Hotel die ganze Woche über unter jeder Kritik und erst am späteren Abend war, genehmigte sich der 21-Jährige am Abend vor Abschlusstag zu früherer Stunde einen Restaurant-Besuch. "Mir ist es dann aber schon vor dem Einschlafen schlecht gegangen und bin in der Nacht zweimal aufgewacht", erklärte Koll nach dem verhängnisvollen "Genuss" von Huhn und Reis.

Bereits beim Aufwärmen vor dem Rennen fühlte sich der Linzer etwas kraftlos, was sich im Finish des Rennens wiederholte. Bei der 100-m-Marke war er sogar noch Schnellster des Heats der Besten gewesen. "Bis 150 m ging alles so leicht, aber auf dem letzten 50er dann gar nichts mehr", war Koll deprimiert. Trotz allem hatten ihm auf Rang 3 nur 61/100 gefehlt. Coach Helge Gödecke: "Fit wäre er da am Abend um die Medaillen mitgeschwommen."

Der Trainer stellte in der ersten Enttäuschung gar den Erfolg des Höhentrainings in Frage, nachdem vom Abflug in die Sierra Nevada am 29. Oktober bis sozusagen zum letzten Abendmahl alles gepasst hatte. "In Summe hat sich die Höhe aber sicher ausgezahlt", meinte Gödecke dann doch. Mit David Brandl wurde sein zweiter 200-m-Schützling in 1:48,07 Minuten 4/100 über seiner Bestzeit 26. "Er ist es viel zu schnell angegangen", analysierte der Betreuer.

Dinko Jukic hingegen fixierte auch in seinem 4. EM-Rennen persönliche Bestzeit, seine 200-m-Kraul-Marke drückte er in 1:49,93 um gleich 2,6 Sekunden. Das wurde aber von Steinegger getoppt, sie blieb in ihrem ersten 400-m-Lagen-Lauf seit beinahe zwei Jahren 4,43 Sekunden unter dem zehn Jahre alten Rekord von Martina Nemec. Steinegger: "Wäre ich in einem schnelleren Lauf gewesen, wäre ich im Finale." Nina Dittrich wurde in 4:53,17 entkräftet 18.

Auch am EM-Finaltag ein Welt- und zwei Europarekorde
Wie zu Beginn hat es bei der Kurzbahn-Schwimm-EM in Helsinki auch am Final-Tag einen Weltrekord und noch zwei Europarekorde gegeben. Die schwedische 4x50-m-Kraul-Staffel der Herren sorgte in 1:24,89 Minuten für die Weltbestzeit, die Französinnen Alena Popchanka in 1:54,25 über 200 m Kraul und Esther Baron in 2:04,08 über 200 m Rücken markierten neue Europa-Top-Marken. Damit gab es in Helsinki drei Welt- und in Summe acht Europarekorde.

Das schwedische Quartett Stefan Nystrand, Petter Stymne, Marcus Piehl und Jonas Tilly blieb etwas überraschend 14/100 Sekunden unter der bei der Vorjahres-EM von den Niederlanden fixierten Bestmarke. Popchanka lieferte sich ein tolles Duell mit Otylia Jedrzejczak - die Polin blieb in 1:54,39 ebenfalls unter dem bisherigen Europarekord von 1:54,53 - und sicherte mit der erst 19-jährigen Baron Frankreich Rang zwei in der Medaillen-Wertung hinter Deutschland.

Jugend-Europameisterin Baron jagte mit der russischen Titelverteidigerin Irina Amschennikowa lange sogar den Weltrekord von 2:03,62, doch die Marke von US-Ass Natalie Coughlin war dann doch zu stark. 15/100 waren es aber unter dem bisherigen Europarekord von Antje Buschschulte. Die 27-Jährige sorgte dafür über 100 m Delfin in 56,94 für den sechsten Gold-Gewinn der Deutschen und somit für deren abermaligen Gesamtsieg in der Edelmetall-Bilanz.

Ihren Titel erfolgreich verteidigt haben die Niederländerin Marleen Veldhuis im Kraul-Sprint mit dem nur 1/10 über dem Weltrekord gelegenen EM-Rekord von 23,69 Sekunden, Italiens Kraul-König Filippo Magnini über 200 m in ebenfalls beachtlichen 1:42,54 sowie der Slowene Peter Mankoc über 100 m Lagen in 53,05. In diesem Rennen wurde der stürmisch gefeierte Finne Janni Sievinen bei seinem Karriere-Abschied Fünfter.

200-m-Europarekordler Arakadij Wjatschanin gewann in 51,11 auch über 100 m Rücken, bester Delfin-Sprinter wurde der Kroate Alexei Puninski in 23,21 und die 200 m Brust holte sich mit nur 3/100 Vorsprung der Ungar Daniel Gyurta. Die Ukrainerin Anna Chlistunowa legte über 100 m Brust in 1:05,73 einen weiteren EM-Rekord ins Wasser. Und die 400 m Lagen gingen in 4:31,58 an Alessia Filippi, womit Italien noch Rang drei im Medaillen-Ranking ergatterte. (apa)

10.12.2006 20:11