"Armen-Banker" mit Friedensnobelpreis geehrt: Yunus nahm Preis in Oslo entgegen
- Half mit Kleinstkrediten Millionen aus der Armut
- Alle übrigen Preise wurden in Stockholm verliehen

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Organisierte Bankkredite gegen Bangladeshs Armut
Der Bankier Mohammed Yunus aus Bangladesch hat in Oslo den diesjährigen Friedensnobelpreis in Empfang genommen. Das norwegische Nobelkomitee begründete die Vergabe an den 66-jährigen Ökonomen und die von im gegründete Grameen Bank mit der erfolgreichen Vergabe von Kleinstkrediten an Arme. Dadurch hätten Millionen Menschen einen Ausweg aus akuter Armut gefunden, sagte Nobelkomitee-Chef Ole Danbolt Mjös.
Bei der Zeremonie im Osloer Rathaus in Anwesenheit von Norwegens König Harald V. bezeichnete Yunus Armut als "Bedrohung für den Frieden". Die Dotierung des Preises in Höhe von umgerechnet 1,1 Millionen Euro (10 Millionen schwedische Kronen) soll zur Finanzierung von neuen geschäftlichen Aktivitäten der Grameen Bank für Arme verwendet werden.
Yunus fordert mehr Armutsbekämpfung
Muhammad Yunus hat die internationale Gemeinschaft zu stärkeren Bemühungen im Kampf gegen die Armut in der Welt aufgefordert. Richtschnur müsse dabei das von den Vereinten Nationen ausgerufene Ziel einer Halbierung der Armut bis 2015 sein, sagte Yunus in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters.
Yunus sagte, er schenke Bettlern auf der Straße nur ungern Geld. "Das gibt mir so eine Art Gefühl, dass ich das Problem gelöst habe", erläuterte er. "Aber das habe ich in Wirklichkeit gar nicht. Indem ich Geld nur einfach schenke, schiebe ich das Problem nur beiseite." Dagegen unterstütze seine Bank etwa 85.000 Bettler bei der Existenzgründung. Mit Hilfe von Krediten von gewöhnlich rund zwölf Dollar versuche das Institut, ihnen den Schritt zu einer Arbeit als Hausierer zu ermöglichen. "Mindestens 5000 von ihnen haben das Betteln völlig aufgegeben", sagte Yunus. Viele tausend weitere seien Teilzeit-Bettler und Teilzeit-Hausierer geworden.
"Nur dass sie Bettler sind, heißt noch nicht, dass sie nicht fähig sind, für sich selbst zu sorgen", sagte der Ökonom. "Sie haben nur nicht genug Chancen." Deshalb gehe es darum, solchen Menschen bessere Möglichkeiten zu verschaffen, selbst wenn es nur geringe Möglichkeiten seien. "Es macht mich sehr glücklich, dass ich etwas getan habe, das jemandem aus der Bettelei herausgeholfen hat", sagte Yunus. "Das gibt der Person ihre ganze Würde als Mensch zurück."
Autor Pamuk und sechs US-Wissenschaftler nahmen Nobelpreise entgegen
Der schwedische König Carl XVI. Gustaf hat die diesjährigen Nobelpreise an den türkischen Schriftsteller Orhan Pamuk (54) und sechs männliche Wissenschafter aus den USA vergeben. Bei der feierlichen Zeremonie im Stockholmer Konzerthaus in Anwesenheit von Königin Silvia und allen drei Königskindern wurde Pamuk als erster Autor aus der Türkei ausgezeichnet, weil er "bei der Suche nach der melancholischen Seele seiner Heimatstadt Istanbul neue Sinnbilder für Streit und Verflechtung der Kulturen gefunden hat".
Pamuk erhielt neben Diplom und Medaille eine Dotierung von zehn Millionen Kronen (1,1 Millionen Euro). Bei den wissenschaftlichen Preisen für Medizin, Physik, Chemie und Wirtschaftswissenschaften setzte sich die Dominanz der Vereinigten Staaten in den letzten Jahren erneut massiv fort. Für eine bahnbrechende Methode zum gezielten Stummschalten von Genen teilten sich die US-Forscher Andrew Z. Fire (47) von der Stanford University in Kalifornien und Craig C. Mello (46) von der Massachusetts Medical School in Worcester den Medizinpreis sowie dessen Dotierung.
Der Nobelpreis für Physik wurde den US-Astrophysikern John C. Mather (60) und George F. Smoot (61) für die präzise Untersuchung des Urknall-Echos überreicht. Ihre Arbeit habe unter anderem Bilder des neu geborenen Universums geliefert, erklärte die Schwedische Wissenschaftsakademie. Alleiniger Preisträger für Chemie wurde Roger D. Kornberg (59) von der Universität Stanford in Kalifornien. Er bekam die Auszeichnung für die erste detailgenaue Beschreibung der lebenswichtigen Erbgut-Kopiermaschine in der Zelle.
Den Wirtschafts-Preis nahm der New Yorker Ökonom Edmund S. Phelps (73) für seine "Analyse vom Verhältnis kurz- und langfristiger Effekte in der Wirtschaftspolitik" entgegen. Diese Auszeichnung wurde erst 1969 von der Stockholmer Reichsbank gestiftet, während alle anderen Nobelpreise nach der Stiftung durch den schwedischen Ingenieur und Unternehmer Alfred Nobel (1833-1896) seit 1901 vergeben werden. (apa/red)
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