Samstag, 9. Dezember 2006

USA arbeiten an neuer Irak-Strategie: Drei Optionen stehen Regierung Bush offen

  • Kurzfristige Aufstockung der Truppen ist denkbar
  • Mindestens acht Tote bei Selbstmordanschlag

In ihren Überlegungen für eine neue Irak-Strategie konzentriert sich die US-Regierung laut einem Bericht der "Washington Post" auf drei Handlungsoptionen. Unterdessen ging das Blutvergießen im Irak weiter. Bei einem Selbstmordanschlag in der den Schiiten heiligen Stadt Kerbela wurden mindestens acht Menschen getötet und 36 verwundet. Wie die Polizei mitteilte, explodierte die Autobombe vor dem Al-Abbas-Schrein in Kerbela, das rund 80 Kilometer südlich von Bagdad liegt.

Bezüglich der künftigen Strategien hieß es in der Washington Post: Eine Möglichkeit sei das Heraushalten der US-Armee aus den innerirakischen Konflikten und eine Konzentration auf die Verfolgung von Terroristen aus dem Umfeld des El-Kaida-Netzwerks, wie die US-Zeitung "Washington Post" berichtete. Eine zweite Variante wäre demnach eine kurzfristige Aufstockung der US-Truppen um 15.000 bis 30.000 Soldaten, um die Sicherheitslage in Bagdad zu verbessern und die Ausbildung irakischer Sicherheitskräfte zu beschleunigen. Die dritte Option sehe vor, die schiitische Bevölkerungsmehrheit stärker zu unterstützen und im Gegenzug die Bemühungen um eine Einbindung sunnitischer Aufständischer in den politischen Prozess zu beenden.

Dem Bericht will die US-Regierung vor allem die irakischen Sicherheitskräfte in die Lage versetzen, die Kontrolle im eigenen Land zu übernehmen. Ein Schwerpunkt der Diskussion sei, die Ausbildung von Einsatzkräften voranzutreiben und so den Abzug der US-Truppen vorzubereiten. Offenbar setze sich in Washington die Ansicht durch, dass die Probleme der Iraker von den Irakern selbst gelöst werden sollten, heißt es in dem Zeitungsbericht. Im Hinblick auf die Option, die US-Truppen für kurze Zeit aufzustocken, gibt es laut "Washington Post" keine Klarheit, wie die zusätzlichen Soldaten eingesetzt werden sollen. Der Zeitung zufolge will die Regierung in den kommenden zwei Wochen eine Entscheidung über die neue Irak-Strategie treffen.

Anschläge auf Schiiten-Heiligtümer
Mit Anschlägen auf Heiligtümer der Schiiten haben Extremisten und Mitglieder der Terrororganisation Al Kaida schon wiederholt versucht, die Gewalt zwischen den Glaubensrichtung anzufachen. Im Februar wurden 136 Menschen bei einem Anschlag auf einen schiitischen Schrein in Samarra getötet, im März 2004 starben bei einer Serie von Anschlägen auf schiitische Schreine in Kerbela und Bagdad mindestens 181 Iraker. Kerbela ist für Schiiten der zweitheiligste Ort nach Najaf, das 70 Kilometer südöstlich liegt.

Führende sunnitische Organisationen habeneinen Angriff der US-Streitkräfte in der Provinz Salahuddin verurteilt, bei dem 20 Menschen getötet wurden. Während die US-Streitkräfte erklärten, es habe sich bei den Opfern um Aufständische gehandelt, berichteten Bewohner der angegriffenen Ortschaft, es seien 19 Zivilisten getötet worden, darunter auch sieben Frauen und acht Kinder. Ihrer Darstellung schlossen sich auch die einflussreiche sunnitische Vereinigung der muslimischen Gelehrten und die größte politische Partei der Sunniten an, die beide den Angriff verurteilten. (apa/red)

9.12.2006 12:55