Freitag, 8. Dezember 2006

Manipulierte Haltbarkeitsangaben: Neuer Lebensmittelskandal in Ungarn aufgeflogen!

  • Mehrere hundert Tonnen verdorbene Ware entdeckt
  • Aufatmen: Österreich ist vom Skandal nicht betroffen

Mehrere 100 Tonnen Lebensmittel mit abgelaufener Mindesthaltbarkeit sind bei Kontrollen der zuständigen Behörde in Lagern in der Budapest nahen Ortschaft Törökbalint entdeckt worden. In den Lebensmittelskandal soll ein Österreicher verwickelt sein. Das involvierte Unternehmen soll abgelaufene Ware aus ganz Europa aufgekauft und neu etikettiert wieder in den Handel gebracht haben. Nach den Verantwortlichen wird nun gefahndet. Deshalb war eine Stellungnahme des Unternehmens nicht möglich.

Wie die ungarischen Medien berichteten, gehören die Lager, in denen die abgelaufenen Lebensmittel aufbewahrt worden waren, der M.E.G.A-Trade-Firmengruppe. Diese soll sich in österreichischem, israelischem, ukrainischem und ungarischem Besitz befinden. M.E.G.A.-Trade wurde laut der ungarischen Tageszeitung "Nepszabadsag" 1996 beim ungarischen Firmengericht eingetragen, wobei ein österreichischer Staatsbürger als Eigentümer genannt wird.

Bei den Kontrollen wurde ermittelt, dass die verfallenen Lebensmittel mit neuen Mindesthaltbarkeitsdaten versehen worden waren. Diese Produkte wurden an 1.200 Geschäfte, vor allem an Hypermärkte, geliefert. Es soll sich um mehrere 100 Tonnen handeln. In Törökbalint wurde eine Druckmaschine sichergestellt, mit der die neuen Etiketten gefertigt wurden.

Wie die Sprecherin des Polizeipräsidiums des Komitats Pest, Andrea Belicza, der APA gegenüber betonte, habe die Polizei zunächst ein Strafverfahren gegen Unbekannt wegen des Vertriebs von Lebensmitteln mit verfallenem Verbrauchsdatum eingeleitet. Bisher habe sich kein leitender Mitarbeiter von M.E.G.A-Trade gemeldet. Die Untersuchungen an Ort und Stelle seien abgeschlossen, so dass nun Polizei und beauftragte Experten die Dokumente, Akten und Lieferscheine der GmbH kontrollieren, um die persönliche Verantwortung bei der groß angelegten Fälschung feststellen zu können. Laut ungarischem Strafgesetzbuch kann für diese Tat eine Gefängnisstrafe bis zu drei Jahren verhängt werden.

Laut dem Leiter der Station für Tierhygiene und Lebensmittelkontrolle des Komitats Pest, György Virsinger, handelt es sich bei den Waren um Milchprodukte, Süßigkeiten, Müsli, Marmelade, Brot, tief gefrorenes Rindfleisch und eine Million Eier, die aus Deutschland stammten. Lieferungen sollen zum Beispiel an Auchan, Tesco, Spar und dm Drogeriemarkt gegangen sein. "Es wurde sofort etwas unternommen.

Die Manipulation mit dem Verfallsdatum wurde entdeckt, als Veterinäre und Polizei gemeinsam eine Nachkontrolle in den betroffenen Lagern durchführten, denen bereits früher die Betriebsgenehmigung entzogen worden war. Bisher konnten laut György Virsinger wegen des Verbrauchs dieser verfallenen Lebensmittel keine gesundheitlichen Schäden nachgewiesen werden, denn auch die Sicherheitskräfte der Lager hätten diese verzehrt.

Österreich nicht betroffen
Österreich ist von dem ungarischen Lebensmittelskandal nicht betroffen. Das bestätigte Nicole Berkmann, Sprecherin von Spar, im Gespräch mit der APA. Es seien ausschließlich ungarische Geschäfte betroffen. So haben die Spargeschäfte keine Produkte von M.E.G.A-Trade im Sortiment.

Ihre ungarischen Kollegen haben am vergangenen MIttwoch (6. Dezember) von dem Lebensmittelskandal erfahren und sofort alle betroffenen Produkte aus den Regalen genommen, sagte Berkmann. (apa/red)

8.12.2006 15:57