Noch mehr Betroffene im Fall Litwinenko: Rund 250 Hotelgäste in London verstrahlt?
- Britische Behörden riefen Betroffene zu Test auf
- Strahlenkrankheit bei Kontaktmann schreitet fort
·Litwinenko: Moskau ermittelt in Mordfall
Vergifteter Ex-Agent
in London beigesetzt
·Litwinenko: Freund beschuldigt Ex-Spione
"Pensionierte" russische Agenten Schuld an Tod?
·Europa über Fall Litwinenko beunruhigt
Merkel, Kaczynski und Chirac fordern Aufklärung
·Litwinenko: Früherer Kollege will auspacken
Ebenfalls vergifteter Scaramella kennt Täter
·"Schattenmann"
im Fall Litwinenko
KLICKEN: Ein Porträt
von Mario Scaramella
·Der Fall Litwinenko - eine Chronologie!
Ex-Spion vom russischen Geheimdienst vergiftet?
·Litwinenko wurde
in London obduziert
Verdacht gegen russische
Agenten erhärtet sich
·Wortlaut: Abschieds- Brief von Litwinenko
Vergifteter Ex-Geheim-Agent klagt Putin an
·Polonium in kleinen Dosen extrem giftig
Seltenes radioaktives Material sehr energiereich
Die britische Polizei konzentriert ihre Ermittlungen im Fall des mit einer radioaktiven Substanz vergifteten russischen Ex-Agenten Alexander Litwinenko auf das Londoner Hotel Millennium. Gesundheitsbehörden riefen die rund 250 Menschen, die sich zwischen dem 31. Oktober und dem 2. November in der Bar des Hotels aufgehalten hatten, dazu auf, sich auf Polonium 210 testen zu lassen.
In dem Hotel hatte Litwinenko russische Kontaktmänner getroffen. Alle sieben Angestellten der Bar sind durch Polonium 210 leicht verstrahlt. Russische Medien bezeichneten den Gesundheitszustand des ebenfalls radioaktiv vergifteten Dimitri Kowtun, ein weiterer Kontaktmann Litwinenkos, als ernst.
Hotelbar im Zentrum der Ermittlungen
Ein ranghoher Polizeibeamter erklärte nach Angaben des Senders Channel 4, die Bar des Millennium-Hotels stehe derzeit im Zentrum der Ermittlungen. Die Verstrahlung der Angestellten deute auf eine massive Dosis Polonium in dem Lokal hin. Auch die beiden Kontaktmänner Andrej Lugowoi und Kowtun, die Litwinenko dort traf, sind betroffen. Beide stehen in Moskau unter medizinischer Beobachtung. Bei Kowtun sei eine hohe innere Vergiftung durch Radioaktivität festgestellt worden, meldete die russische Nachrichtenagentur Interfax. Er leide an Versagen der inneren Organe Leber, Nieren und Magen durch die radioaktive Substanz Polonium 210, sagten Ärzte der russischen Nachrichtenagentur Interfax. Lugowoj hinterließ an all seinen Aufenthaltsorten Spuren von Polonium. Litwinenko hatte sich am 1. November in der Bar des Fünf-Sterne-Hotels mit Kowtun und Lugowoj getroffen. Kurz danach traten bei ihm erste Vergiftungserscheinungen auf.
Russische Behörden bieten Tests an
Pat Troop, die Chefin der britischen Gesundheitsschutzbehörde, vermutete, dass eine Verstrahlung auch durch das Einatmen von Polonium verursacht worden sein könnte. Die Strahlung von Polonium reiche nur einige Zentimeter weit, sagte sie auf einer Pressekonferenz in London. Wenn die Substanz jedoch inhaliert werde, reichten sehr kleine Mengen für eine Vergiftung aus. Die russischen Behörden boten unterdessen ebenfalls Tests für Betroffene an.
Ex-KGB-Offizier bezeichnet Litwinenko als "Verräter"
Der ehemalige Offizier des sowjetischen Geheimdienstes KGB, Valentin Welischkow, bezeichnete Litwinenko in einem Interview des "Daily Telegraph" als "Verräter". Er erklärte zugleich, dass er "gegen die Eliminierung von Verrätern" sei und bestritt, irgendetwas mit Litwinenkos Tod zu tun zu haben. Laut Medienberichten hatte die von Welischkow geleitete KGB-Veteranengruppe "Würde und Ehre" eine Todesliste von "Feinden Russlands" erstellt, auf der neben dem im Londoner Exil lebenden Milliardär Boris Beresowski auch dessen Verbündeter Litwinenko stand.
Besonders Lugowois Rolle in der Affäre ist unklar. Der frühere KGB-Mann und jetzige Unternehmer war laut eigenen Angaben am 25. Oktober von Moskau nach London geflogen. Auch am 12. Oktober hielt er sich in London auf, wie die BBC unter Berufung auf einen Lugowoj-Vertrauten berichtete. In Lugowois Privatflugzeug und seinem Londoner Hotelzimmer waren Spuren von Polonium 210 gefunden worden. Litwinenko war am 23. November an einer Vergiftung mit dieser Substanz gestorben. Auf seinem Sterbebett hatte er den russischen Präsidenten Wladimir Putin für seinen Tod verantwortlich gemacht. In Russland sind in dem Fall ebenfalls Ermittlungen im Gange. Mitarbeiter von Scotland Yard führen Ermittlungen in Moskau durch. (apa/red)
Deutsche Sklavin befreit14:01
Frau schildert ihr Leid19-Jährige nach acht Jahren gerettet - Mutter soll von Martyrium gewusst haben
Nachbeben in Italien20:01
Mehrere TodesopferErneut große Schäden und Tote nach schweren Erdstößen in Norditalien
