Montag, 4. Dezember 2006

Gezerre um Unabhängigkeit des Kosovo: Russland droht mit Veto im Sicherheitsrat

  • Botschafter: Beide Seiten müssen Lösung annehmen
  • Busek: "Unabhängigkeit des Kosovo alternativlos"

Russland werde sein Veto im UNO-Sicherheitsrat einlegen, sollte die Entscheidung über den Kosovo-Status nicht von Pristina und Belgrad angenommen werden. Dies sagte der russische Botschafter in Belgrad, Aleksejev, dem Belgrader Sender B-92. "Wenn die Lösung für den Status nicht für beide Seiten annehmbar ist, dann wird Russland von seinem Veto-Recht Gebrauch machen", betonte Aleksejev.

Bisher sei im Rahmen der Wiener Verhandlungen nur etwa zwei Stunden konkret über den Status der von der UNO verwalteten südserbischen Provinz gesprochen worden. Daraus den Schluss zu ziehen, dass die Status-Gespräche gescheitert seien, sei "naiv".

Damit kritisierte der Botschafter den UNO-Kosovo- Sonderbeauftragten Ahtisaari, der erklärt hatte, dass ein Kompromiss zwischen Pristina und Belgrad nicht möglich sei. Die Lösung der Kosovo-Frage müsse jedenfalls in Einklang mit internationalem Recht erfolgen, betonte Aleksejev.

Der Sonderkoordinator des Stabilitätspakts für Südosteuropa, Busek, erklärte indes gegenüber den "Oberösterreichischen Nachrichten", die Unabhängigkeit für den Kosovo sei "alternativlos". Es sei aber zweierlei zu beachten: "Wie kann man den Serben das Gefühl geben, dass sie eine Perspektive haben? Da stehen sie sich momentan selbst im Weg. Und: Wie kann man verhindern, dass die Russen zu viel Gewinn aus der Sache ziehen? Die halten den Konfliktherd am Leben", so Busek.

Der Kosovo wird seit Juni 1999 von der UNO-Mission UNMIK verwaltet. Pristina sieht in der Unabhängigkeit die einzig mögliche Lösung, Belgrad ist um den Verbleib des Provinz in den Staatsgrenzen Serbiens bemüht. Ahtisaari wird Belgrad und Pristina seinen Lösungsvorschlag unmittelbar nach der Parlamentswahl in Serbien am 21. Jänner zustellen. Laut diplomatischen Kreisen soll eine Status- Lösung dem UNO-Sicherheitsrat im März präsentiert werden.

(apa)

4.12.2006 16:34