Montag, 11. Dezember 2006

Kommt Pflicht-Vorschuljahr für alle Kinder? ÖVP freundet sich mit alter SPÖ-Forderung an

  • Kostenlose Vorschule soll im Kindergarten stattfinden
  • Geschätzte Mehrkosten: 90 Mio. Euro für 8.000 Kinder

Sollte die Große Koalition zustande kommen, dürfte es ein verpflichtendes Vorschuljahr für alle Kinder geben. Die ÖVP scheint sich langsam mit dieser jahrelangen Forderung der SPÖ anzufreunden. Die Sozialdemokraten wollen aber, dass Österreichs Kinder das kostenlose Vorschuljahr nicht in einer Schule, sondern im Kindergarten absolvieren.

Rund 8.000 Kinder meist aus sozial unterprivilegierten Schichten wären dann zusätzlich zu betreuten, berichtet das ORF-Morgenjournal. Dazu würde man etwa 700 Kindergärtnerinnen brauchen, die auch besser ausgebildet werden sollen. Die geschätzten Mehrkosten liegen bei 90 Millionen Euro. Unklar ist noch die Finanzierung einer solchen Maßnahme.

Die SPÖ will außerdem, dass die aufgewertete Ausbildung der Kindergartenpädagogen in die neuen Pädagogischen Hochschulen (PH) eingegliedert werden soll.

Haubner erfreut
BZÖ-Bildungssprecherin Sozialministerin Ursula Haubner begrüßt die Anzeichen für eine Einigung auf ein verpflichtendes Vorschuljahr. "Es ist immer positiv, wenn SPÖ und ÖVP die Positionen des BZÖ übernehmen".

Ein verpflichtendes Vorschuljahr sei, unabhängig von einer noch stärkeren Frühförderung in den Kindergärten, im Sinne der Integration und der rechtzeitigen Förderung von Kindern ein positiver Schritt hin zu mehr Chancengleichheit, so Haubner in einer Aussendung. Sie verwies gleichzeitig darauf, dass die Vorschule Ende der 90er Jahre von der SPÖ abgeschafft worden ist.

Finz: Verpflichtendes Vorschuljahr "nicht ausgemacht"
Für den ÖVP-Verhandler und Staatssekretär Alfred Finz ist das verpflichtende Vorschuljahr im Kindergarten in den Koalitionsverhandlungen mit der SPÖ noch "überhaupt nicht ausgemacht". "Die Verhandlungen darüber finden ja erst am 20. Dezember statt." Außerdem sei offen, "wie die Sozialdemokraten das finanzieren wollen", sagte Finz in einem Interview mit der Tageszeitung "Kurier". (apa/red)

11.12.2006 13:18