"Wiedervereinigung Tirols nicht aktuell" : Zusammengehen für Van Staa unrealistisch
- Nord- und Südtirol sollen weiterhin getrennt bleiben
- Nur 21 Prozent der Südtiroler für Wiedervereinigung
Die Wiedervereinigung von Nord- und Südtirol sei nicht realistisch, meint der Nordtiroler Landeshauptmann Herwig van Staa. Da Italien das Südtirol-Paket in allen Punkten erfüllt, gelte die Südtirol-Autonomie europaweit als vorbildlich. Nur die wirtschaftliche Zusammenarbeit will Van Staa weiter vorantreiben.
"Solange Italien das Südtirol-Paket erfüllt, sind alle Initiativen für eine Wiedervereinigung Tirols unrealistisch", erklärte Herwig van Staa in einem Interview für die Montagausgabe der Tiroler Tageszeitung.
Van Staa: "Wirtschaftliche Zusammenarbeit verstärken"
Eine Wiedervereinigung der beiden Landesteile sei nicht aktuell und mache aus heutiger Sicht keinen Sinn, meinte der Landeshauptmann. "Nord- und Südtirol sind in der Europaregion hervorragend verankert. Wir müssen die wirtschaftliche Zusammenarbeit noch verstärken", sagte er. Neben der Nord-Süd-Achse forciere Tirol aber auch Ost-West-Kooperationen etwa Richtung Oberösterreich.
Europaweites Vorbild
Initiativen zur Wiedervereinigung etwa von Schützen oder Heimatbund halte er nicht für realistisch. Italien erfülle das Südtirol-Paket in allen Punkten. Die Südtirol-Autonomie gelte europaweit als vorbildlich. Daher wäre es sinnlos, jetzt eine politische Diskussion darüber vom Zaun zu brechen. Stattdessen solle man die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Landesteilen weiter vorantreiben.
Nur 21 Prozent der Südtiroler für Wiedervereinigung
Im Hinblick auf die kürzlich veröffentlichte Umfrage, wonach 54 Prozent der Nord- und Osttiroler eine Wiedervereinigung begrüßen würden, 21 Prozent der befragten Südtiroler die Wiedervereinigung wollten, meinte Van Staa, er orte keine gesteigerte Befindlichkeit von Menschen in Nord- und Südtirol für eine Wiedervereinigung: "Ich spüre nicht, dass ein Mehr an Zusammengehörigkeitsgefühl da wäre".
Südtirol nicht auf Minderheitsrechte herunterstufen
Tirol bemühe sich im Rahmen der Europaregion intensiv um eine Zusammenarbeit mit Südtirol. Bei der Präambel zum Thema Südtirol in der Bundesverfassung werde man genau darauf achten, dass Südtirol nicht auf das Thema Minderheitsrechte allein heruntergestuft werde.
Schützenbund "sehr enttäuscht"
Der Südtiroler Schützenbund hat sich über die Aussagen von van Staa "sehr enttäuscht" gezeigt. Van Staa brüskiere "viele Menschen diesseits und jenseits des Brenners, die sich mit friedlichen Mitteln, ehrenamtlich für die Landeseinheit einsetzen".
Wirtschaftlicher Wohlstand sei keine Ausrede dafür, Tirol seine Landeseinheit vorzuenthalten. Vielmehr könne der erreichte Wohlstand die Grundlage der Landeseinheit bilden. Die Position mancher Politiker erwecke aber den Anschein, dass in den Köpfen die Angst vor persönlichen und innerparteilichen Nachteilen - die mit Erreichen der Landseinheit auf sie zukommen - überwiegen würden, hieß es in der Aussendung des Schützenbundes.
Der Wille der Bevölkerung beiderseits des Brenners sei in den zwei Umfragen des Innsbrucker Sofi-Institutes "ganz klar" zum Ausdruck gekommen. Die Mehrheit der Südtiroler sei für eine Zukunft ohne Italien und im gleichen Moment bevorzuge die Bevölkerung in Nord- und Osttiroler mehrheitlich die Wiedervereinigung Tirols.
(apa/red)
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