Kein Pisten-Spaß mehr unter 2.000 Meter:
Klimawandel setzt dem Wintertourismus zu
- Bis 2050 wird es um bis zu sechs Grad wärmer
- Eine Schnee-Garantier anzubieten wird schwierig

·Klimawandel macht Ferien im Norden cool
Am Mittelmeer und im Norden war es gleich heiß
Schon jetzt wird es für einige österreichische Wintersportregionen knapp. Kitzbühel, Schladming und Nassfeld liegen alle unter 2.000 Meter Seehöhe und dürften deswegen schon bald unterhalb der Schneefallgrenze liegen. Nur noch über 2.000 Meter wird man bis zum Ende des Jahrhunderts Skifahren können, sagte Herbert Formayer vom Institut für Meteorologie an der Universität für Bodenkultur Wien im APA-Gespräch.
Seit 1850 ist es im Schnitt um zwei Grad wärmer geworden. In den kommenden 100 Jahren werden die Wintermittel-Temperaturen in den Alpen um vier bis sechs Grad steigen, prognostizierte der Wissenschafter. Statt Schneekristallen tanzen in niedrigeren Lagen immer häufiger Regentropfen vom Himmel.
Wo gibt es Schnee
Eine Schnee-Garantie anzubieten, werde für Skigebiete von Jahr zu Jahr schwieriger, so Formayer. Das Problem sei aber weniger der langfristige Temperaturanstieg als zwei bis drei warme Winter in Folge. Fällt eine komplette Saison aus, könnte das den finanziellen Ruin für einen Wintersportort bedeuten, meinte er. Kritisch werde ein winterlicher Ausreißer wie der überdurchschnittlich heiße Sommer 2003 vor allem für Skigebiete, die Talabfahrten bieten, meinte er. Das Wintermittel im Osten Österreichs liege heute bereits bei knapp über Null Grad.
Wasservorräte
Derzeit sind 400 bis 500 Quadratkilometer in Österreich Gletscherfläche. Schrumpft diese auf unter 100 Quadratkilometer, fällt damit auch ein wichtiger Wasserspeicher für heiße Sommer weg. Inn- und Salzach-Zubringer könnten austrocknen, inneralpine Trockentäler "verdursten". Auch für Schneekanonen wäre weniger Wasser da. Das "ewige Eis" vor der Sonne mit Planen zu schützen - was in Österreich derzeit auf vier bis fünf Hektar gemacht werde - sei zu kostspielig und könne lediglich über ein paar Jahre eine Lösung sein, meinte Formayer.
Kein Regen
Neben zu hohen Temperaturen gehört auch Niederschlagmangel zu den "natürlichen" Feinden der weißen Pracht. Statt im Sommer soll künftig der Großteil im Winter fallen. Damit werden die Schneemengen - dort wo es kalt genug ist - sogar noch ansteigen, sagte der Forscher. Trockene, sommerliche Schönwetterperioden sollen im Gegenzug länger anhalten. Für die Vegetation habe diese Verlagerung, mit der bereits in den kommenden Dekaden zu rechnen sei, dramatische Folgen. Problematisch könne es vor allem für den Osten Österreichs und Trockentäler werden.
Hobby für Reiche
Kalt genug dürfte es in Zukunft etwa in den kanadischen Rocky Mountains bleiben. Allerdings nehme dort der Niederschlag ab, sagte der Forscher. Heli-Skiing werde dort man aber noch länger anbieten können. Skifahren könnte sich also zu einer Sportart nur mehr für jene entwickeln, die auch das nötige Kleingeld dafür haben.
Im Skisport
ÖSV-Direktor für Springen und Kombination, Toni Innauer sieht die Diskussion um den Klimawandel nicht so dramatisch. "Vergangene Saison haben wir von November bis Saisonende eine geschlossene Schneedecke gehabt. Da hat niemand an den Klimawandel gedacht. Wenn es große Trends geben sollte, wird man sich drauf einstellen können und müssen." Grundsätzlich seien die Möglichkeiten für die Nordischen aber leichter als für die Alpinen. Auf den Schanzen und Loipen brauche man nicht so viel Schnee, außerdem könne man auch rechtzeitig Schneedepots anlegen. (Apa/red)
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