Österreich bei Frauen-Gleichstellung nur an 26. Stelle: Für SP Ergebnis "ernüchternd"
- Schweden, Norwegen, Finnland und Island voran

Nur an 26. Stelle liegt Österreich im "Global Gender Gap Report 2006" des Weltwirtschaftsforums, in dem die Gleichstellung von Frauen und Männern weltweit in 115 Ländern untersucht wird. Besonders schlecht schneidet Österreich bei wirtschaftlicher Teilnahme und Chancen ab, mit Platz 81 zwischen Paraguay und Argentinien. SPÖ-Frauen- und Gleichbehandlungssprecherin Gabriele Heinisch-Hosek nannte die Ergebnisse "ernüchternd".
Erstellt wurde der Report vorwiegend auf Basis öffentlich zugänglicher Daten, vor allem von Internationalen Organisationen. Vier Bereiche wurden bewertet - Wirtschaftliche Teilnahme und Chancen, Bildungsabschluss, Politische Teilhabe sowie Gesundheit und Überleben. Verfasst haben den Report Wissenschafter der Harvard University, der London Business School und des Weltwirtschaftsforums.
Bewertet wurde auf einer Skala von 0 bis 1 - wobei nicht einmal der Spitzenreiter Schweden eine 1 (völlige Gleichstellung), sondern nur 0,8133 erreichte. Österreich kam auf 0,6986. Die weiteren Spitzenplätze nach Schweden nehmen Norwegen, Finnland, Island und auf Platz 5 Deutschland ein. Die Philippinen (6) und Neuseeland (7) sind die einzigen nicht-europäischen Länder unter den ersten Zehn - gefolgt von Dänemark, England und Irland.
Die USA brachten es auf den 22. Rang, dahinter kommen Tansania, Jamaika, die Schweiz und dann Österreich. Österreich ist allerdings bei weitem nicht das letzte europäische Land auf der Liste. Das sind Italien, mit Platz 77, und knapp davor Frankreich (70).
Die Werte Österreichs in den vier Bereichen sind allerdings breit gestreut: Sehr schlecht bestellt ist es um die Gleichstellung im Bereich wirtschaftliche Teilhabe und Chancen, mit 0,5526 und Platz 81. Der Spitzenreiter ist hier Tansania mit einem Wert von 0,8087.
Weltweit noch weit entfernt ist man von der Gleichstellung im Bereich Politische Verantwortung: Schweden reichten hier 0,5501 Punkte für den ersten Platz - und Österreich 0,2821 für den 14. Rang. Wobei der Anteil der Frauen im Parlament und in der Regierung gar nicht so schlecht ist. Aber die Tatsache, dass es noch nie ein weibliches Staatsoberhaupt gab, ließ Österreich zurückfallen.
Österreich bei Bildung auf Platz 67
Weit besser als in der Politik fiel zwar Österreichs Wert bei den Bildungsabschlüssen aus - mit 0,980 Punkten. Das reicht weltweit aber nur für den 67. Rang. Dies ist nämlich der einzige Bereich, in dem bereits völlige Gleichstellung (also die "Note" 1) erreicht wurde - und das nicht nur in einzelnen, sondern gleich in 14 Ländern. Nicht nur europäische Staaten finden sich darunter, sondern auch Australien, die Dominikanische Republik, Honduras, Jamaika, Lesotho und die Philippinen. Österreich ist mit seinem 67. Platz in der Bildung das dritt-schlechteste europäische Land: Nur in Holland (Platz 73) und der Schweiz (78) gibt es noch weniger Gleichstellung im Bildungsbereich.
Einen 1. Rang gab es für Österreich in dem Report auch in Sachen Gesundheit und Überleben, mit 0,9796 Punkten. Das ist allerdings nichts besonders, Österreich teilt sich diesen Rang mit 33 anderen Ländern. Bewertet wurden hier vor allem die Geburtsrate nach Geschlecht und die Lebenserwartung.
Für Heinisch-Hosek beweist die Studie "einmal mehr den Handlungsbedarf: Wir brauchen jetzt rasch eine Regierung, die den Frauen mehr Chancen eröffnet und Frauenpolitik wieder in den Mittelpunkt rückt".
Weinzinger fordert Aktionsplan
Als "schlicht und einfach skandalös" und "beschämend" beurteilte des die Grüne Frauensprecherin Birgid Weinzinger, dass Österreich im Global Gender Gap Report 2006 nur an 26. Stelle liegt. Sie forderte einen "dringenden Aktionsplan zum Schließen der Einkommensschere".
Weinzinger ist überzeugt, dass die schwarz-blau-orange Politik der letzten Jahre, "Frauen verstärkt an den Herd zu drängen", dazu beigetragen hat, die Situation der Frauen zu verschlimmern. (apa)
