Donnerstag, 30. November 2006

Raucherinnen sind weniger fruchtbar: Nichtraucherschutzgesetze gefordert

  • Bei Raucherinnen gibt es 30% mehr Fehlgeburten
  • Auch Passivrauch vermindert Schwangerschaften

Ein starkes Argument für strikte Nichtraucherschutzgesetze wie zum Beispiel in Irland, Lettland, Italien oder Frankreich: Die Fruchtbarkeit von Raucherinnen entspricht jener von bis zu zehn Jahre älteren Nichtraucherinnen. Das hat laut dem Ärztlichen Leiter der Welser Kinderwunsch-Klinik, Dr. Leonhard Loimer, eine niederländische Studie gezeigt. Auch Beobachtungen der an der oberösterreichischen IVF-Klinik sprächen dafür, sagte der Reproduktionsmediziner.

Nikotin ist nicht nur für das ungeborene Kind und die Zeugungsfähigkeit des Mannes schädlich, sondern auch für die Fruchtbarkeit der Frau. "Die Fruchtbarkeit von Raucherinnen kann der von bis zu zehn Jahre älteren Nichtraucherinnen entsprechen. Die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt ist bei Raucherinnen zudem um etwa 30 Prozent höher als bei Nichtraucherinnen. Ebenso steigt die Rate von Mehrlingsschwangerschaften um die Hälfte an", sagte Loimer.

Eine Verbindung zwischen dem Rauchen der Patientinnen und einem schlechten Ergebnis bei der assistierten Reproduktion konnte eine Untersuchung der Universitätsklinik Nijmegen in den Niederlanden nachweisen: Rauchen verringert die Chancen auf eine Geburt nach einer künstlichen Befruchtung, weil die Eierstöcke in vielen Fällen weniger auf die Medikamente ansprechen.

Der Reproduktionsmediziner: "Die Studie stellt eine Verminderung der Schwangerschaftsrate rauchender Frauen um 28 Prozent gegenüber ihren nicht rauchenden Geschlechtsgenossinnen fest. Dies beweist eindeutig, dass Rauchen deutlich die Erfolgsrate einer künstlichen Befruchtung verringert." Darüber hinaus zeige die niederländische Studie, dass das Rauchen die Gefahr einer Fehlgeburt von 16 auf 21 Prozent erhöhe.

Der schädigende Effekt gelte auch für das Passivrauchen. Wenn eine Patientin regelmäßig Zigarettenrauch ausgesetzt sei, halbiere sich die Erfolgsquote, hätte laut Loimer eine weitere Studie ergeben. Der Experte: "Sowohl bei aktiven Raucherinnen als auch bei Passivraucherinnen liegt die Erfolgsquote der Schwangerschaften nach Anwendung einer reproduktiven Methode bei knapp 20 Prozent. Ohne Nikotineinwirkung kommt es hingegen in fast 50 Prozent der Fälle zu einer Schwangerschaft."

Der Fachmann erhärtete dies auch mit einer Beobachtungsreihe an Frauen, die sich mit unerfülltem Kinderwunsch an seine Institution gewandt hatten. In diese retrospektive Studie aus den Jahren 2005 und 2006 wurden insgesamt 522 Patientinnen eingebunden. Davon waren 245 Nichtraucherinnen und 277 Raucherinnen, die mehr als zehn Zigaretten pro Tag rauchten. Alle Frauen unterzogen sich einer künstlichen Befruchtung, wobei keine Differenzierung nach den Ursachen der Unfruchtbarkeit vorgenommen wurde.

Das Ergebnis: Während 32-jährige nicht rauchende Patientinnen über eine Schwangerschaftsrate von 44 Prozent verfügen, erreichen gleichaltrige rauchende Patientinnen nur mehr eine Schwangerschaftsrate von 37 Prozent. Damit befinden sich die 32-jährigen Raucherinnen ungefähr auf dem Niveau von 36-jährigen Nichtraucherinnen mit 38 Prozent Schwangerschaftsrate. Durch das Rauchen haben die 32-jährigen Raucherinnen vier Jahre gegenüber ihren gleichaltrigen Nichtrauchergenossinnen im Hinblick auf ihre Fruchtbarkeit eingebüßt." Gleiches gelte auch für jüngere Patientinnen.

Die größte Abweichung der Schwangerschaftsraten von rauchenden und nicht rauchenden IVF-Patientinnen ergibt sich laut den Beobachtungen um die 40. Zu diesem Zeitpunkt haben Nichtraucherinnen gegenüber Raucherinnen eine 18 Prozent höhere Schwangerschaftsrate. Während nicht rauchende Patientinnen auf 27 Prozent Schwangerschaftsrate kommen, erreichen rauchende Patientinnen nur noch neun Prozent.

(apa/red)

30.11.2006 10:51