Wo bleibt der Winter? Skigebiete zittern, Chaos im Ski-Weltcup und Pflanzen blühen!
- NEWS: Nach Rekordherbst bleibt Schnee weiter aus
Bis zu 33,7°: Herbst '06 glänzte mit Wärmerekorden - PLUS: Schneemangel in Bildern und Wetter-Prognose
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·Herbst 2006 glänzte mit Wärmerekorden!
Spitzenreiter: 33,7 Grad in Villach im September
·Warmer Spätherbst:
Auswirkung auf Natur
Tiere sind am Schwitzen Pflanzen sind am Blühen
·Kein Pisten-Spaß unter 2.000 Meter
Der Klimawandel setzt dem Wintertourismus zu
·Val d'Isere-Rennen nun auf der Reiteralm
FIS: Ersatzort für Damenrennen noch offen
·Klimawandel auch im Skisport bemerkbar
Bei Verantwortlichen läuten die Alarmglocken
·WebCam: Alle Ski- Orte von Österreich
Gleich nachschauen, wo es schon Schnee hat!
·Ski-Openings starten trotz mildem Wetter
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Verrücktes Wetter: Nach dem Rekordherbst lässt der Schnee weiter auf sich warten. In den Skigebieten beginnt nun das große Zittern. Der Klimawandel setzt dem Wintertourismus nämlich gehörig zu: Ist künftig kein Pisten-Spaß unter 2.000 Metern mehr möglich? Der warme Spätherbst hat aber auch Auswirkung auf die Natur: Tiere sind am Schwitzen, Pflanzen sind am Blühen! PLUS: Die schneelosen Wintergebiete zum Durchklicken.
Christbaumschmuck, Girlanden, Glühwein. Es duftet nach Zimt, frisch gebackenen Keksen und gerösteten Mandeln. Und die Fensterchen am Adventkalender des Wiener Rathauses sind bereits dekoriert. Alles ist so, wie es immer war - am Christkindlmarkt in Wien und in Dutzenden anderen Städten des Landes.
Alles? Die Illusion wäre eine annähernd perfekte, wären da nicht all die Menschen, die bloß im Pullover herumspazieren. Die lieber Eis essen, anstatt sich am heißen Punsch zu wärmen. Die wirken, als würden sie die Vorweihnachtszeit irgendwo im frühsommerlichen Australien verbringen anstatt in der kalten Heimat.
Kalt?
Spätestens bei den Temperaturen wird aus Illusion Wirklichkeit und aus Australien Austria. 12 Grad zeigte das Thermometer am 28. November in Wien an. Und hätte nicht Nebel die Stadt in trübes Grau gehüllt, wären die Werte noch um einiges höher gewesen. So wie am letzten Novemberwochenende im Westen des Landes. Der Föhn trieb etwa in Feldkirch die Quecksilbersäule auf 22,7 Grad hoch. Keine Spur von klirrender Kälte, weder da noch dort. Und auch Schnee ist weit und breit keiner in Sicht.
Selbst dort nicht, wo er eigentlich längst liegen müsste, nämlich in den Bergen. Egal ob am Arlberg oder am Semmering, ob in den Ost- oder den Westalpen - die Hänge präsentieren sich beständig im gleichen Grün, das sich allmorgendlich auf den TW1-Wetterkameras aus der gesamten Republik (für Überblick hier klicken!) beobachten lässt.
Anstatt des Schnees liegen die Nerven der Tourismuschefs in den Skiregionen längst blank. Zahlreiche für das Wochenende geplante Ski-Openings mussten bereits abgesagt werden. So etwa "im absolut schneesicheren St. Anton", wie es noch auf der Homepage von PRO-7-Star Stefan Raab vollmundig heißt. Dieser hätte dort am 1. Dezemberwochenende seinen Promi-Parallel-Slalom veranstalten und live übertragen wollen. "Doch ohne Schnee und bei Temperaturen weit über null", erklärt Tourismusdirektor Martin Ebster, "lässt sich der Hang selbst künstlich nicht präparieren, da uns einfach alles davonschmilzt."
Reihenweise Rennausfälle
Mittlerweile bringen die allzu hohen Temperaturen auch die Profi-Skifahrer ins Schwitzen. War bereits der Weltcup-Auftakt am Söldener Gletscher Ende Oktober erstmals ins Wasser gefallen, ereilt die Damen-Disziplinen, welche am 9. und 10. Dezember im schweizerischen St. Moritz geplant waren, ein ähnliches Schicksal - Absage aufgrund Schneemangels. Das Gleiche gilt für das französische Val d'Isère, wo es für die Herren nicht besser aussieht.
"Wenn in Europa nicht bald die Temperaturen sinken, bekommen wir ein ganz großes Problem", weiß auch FIS-Damen-Renndirektor Atle Skaardal. Vorerst bleiben die Rennläufer also im klirrend kalten Nordamerika.
Leere Hänge, leere Hotels und ruhende Lifte auf den Bergen sowie Täler, in denen trotz perfekter Inszenierung kaum Weihnachtsstimmung aufkommen will: Spielt das Wetter nun verrückt?
Subtropische Luft im Winter
Zuerst bescherte es uns einen Herbst so golden wie noch nie zuvor. Seit Beginn der Aufzeichnungen - in Wien etwa bereits seit dem Jahre 1775 - wurden keine höheren Temperaturen gemessen. Und nun scheint es zu Beginn des meteorologischen Winters ähnlich weiterzugehen.
Ursache ist eine überdurchschnittlich warme Nordsee, über der Tiefs hängen bleiben. "Diese drehen sich gegen den Uhrzeigersinn", erklärt Meteorologe Manfred Spatzierer von meteomedia, "und schaufeln an ihrer Vorderseite warme, subtropische Luft zu den Alpen".
Und selbst die folgenden Wochen versprechen kaum eine radikale Änderung. Zwar prophezeien Meteorologen allmählich niedrigere Temperaturen, doch allzu kalt wird es kaum werden. "Müsste es auch gar nicht", erklärt Erich Schabus, Tourismusdirektor am Semmering, "es würden schon ein paar Grad unter null reichen, dann könnten wir beginnen, künstlich zu beschneien." Die Zeit drängt allerdings, denn schon nach Weihnachten macht der Damen-Skizirkus dort Station. Weihnachten ist auch der kritische Punkt in den Planungen der Tourismusverantwortlichen. "Alles zuvor", so Johann Schenner, Spartenobmann in der Wirtschaftskammer, "ist für die Hoteliers die Butter aufs Brot. Aber wenn wir bis zum Heiligen Abend keinen Schnee bekommen, haben wir wirklich ein massives Problem."
Das Ende des Schnees
Dass dieses ohnedies auf Österreichs Wintertourismus zukommt, ist für Helga Kromp-Kolb längst klar. Die Klimaexpertin von der Universität für Bodenkultur hat in Studien die Folgen der Klimaveränderung auf Österreich untersucht und zieht ein alarmierendes Fazit: "Unter 1.500 Meter Seehöhe wird es in rund 15 Jahren keine durchgehende Schneedecke mehr geben. Und in 30 bis 40 Jahren werden auch Skigebiete unter 2.000 Meter massive Probleme haben." Die Wintersportorte täten daher gut daran, die Klimaveränderungen ernst zu nehmen. "Es genügt nicht, einfach nur blöd in Beschneiungsanlagen sowie die Erschließung immer höher gelegener Gebiete zu investieren", warnt Kromp-Kolb und fordert die Politiker zum Handeln auf: "Denn derzeit steuern wir blind in die Zukunft."
Ursache Klimawandel?
Tatsächlich nehmen noch die wenigsten die Signale des sich verändernden Wetters ernst. In Tirol etwa wurden heuer erneut 55 Millionen in neue Schneekanonen investiert, Projekte für Lifte in noch höhere Lagen liegen bereits zur Genehmigung auf. In den hohen Temperaturen will kaum einer ein weiteres Indiz für den sich abzeichnenden Klimawandel sehen. "Voriges Jahr hatten wir um diese Zeit bereits ausreichend Schnee, und heuer soll es schon der Klimawandel sein", fragt etwa Jakob Falkner, Chef der Söldener Bergbahnen, stellvertretend für viele.
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