Mittwoch, 29. November 2006

Geruch eines Menschen so typisch wie Fingerabdruck: Jeder hat eigene Duftnote

  • Interdisziplinäre Untersuchung in einem Alpendorf

Der Geruch eines Menschen ist möglicherweise genau so typisch wie ein Fingerabdruck. Diese Vermutung legt eine veröffentlichte Studie des Konrad Lorenz-Instituts für vergleichende Verhaltensforschung (KLIVV) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Ein interdisziplinäres Team von Biologen, Chemikern und Statistikern nahm über einen Zeitraum von mehreren Wochen Achselschweißproben von beinahe 200 Personen in einem Dorf in den österreichischen Alpen unter die Lupe.

Dass die Proben in einem Alpendorf gezogen wurden, hat nichts damit zu tun, dass die Bewohner etwa als besondere Stinker gelten. Vielmehr wurde ein eher abgeschiedenes Dorf gewählt, um kulturelle oder ernährungsbedingte Einflüsse auf die Körperausdünstung möglichst gering zu halten. Auch die genetischen und familiären Zusammenhänge waren überschaubar.

In der ersten Veröffentlichung der Studie ging es vor allem um die chemische Zusammensetzung der Schweißproben. "Es fanden sich tausende verschiedene und teilweise sehr flüchtige Substanzen", erklärte dazu Alexandra Katzer vom KLIVV gegenüber der APA. Was die Forscher nach den 200 Probanden sagen können, ist die Zusammensetzung dieser Substanzen - also wieviel wovon - individuell höchst unterschiedlich. Es fanden sich auch exotische Stoffe, die nur ein oder zwei Mal während der Analysen vorkamen.

Sollte sich bestätigen, dass jeder Mensch eine ganz typische Duftmischung verströmt, wären verschiedene Anwendungen denkbar. So denkt Institutsleiter Dustin Penn etwa an elektronische Sensoren, sozusagen "E-Nasen", für biometrische Auswertungen, für die Gerichtsmedizin oder für die Diagnose von Krankheiten.

Nun wollen die Wissenschafter einen Schritt weiter gehen und untersuchen, ob nicht nur die Analyse-Maschinerie, sondern auch der Mensch in der Lage ist, andere Menschen am Geruch zu erkennen. Entsprechende Versuche seien im Laufen, berichtete Katzer. Eine weitere Frage ist die genetische Komponente, also wie sich genetische Verwandtschaft auf die Duftkomposition des Körpers auswirkt. Da Mikroorganismen durch die Zersetzung des Schweißes bekanntermaßen eine bedeutende Rolle spielen, werden auch Mikrobiologen hinzugezogen.

(apa/red)

29.11.2006 15:14