Donnerstag, 30. November 2006

An Firmen & Behörden: Austro-Firmen zahlen 3,5 Mrd. € an Schmiergeldern pro Jahr

  • Im Ost-Geschäft spielt Bestechung besondere Rolle

Österreichischen Unternehmer zahlen jährlich ungefähr 3,5 Mrd. Euro an Schmiergeldern. Diese Zahl nannte der Österreich-Chef des weltweiten Antikorruptions-Verbandes, Maximilian Burger-Scheidlin.

Burger-Scheidlin vermutet, dass ungefähr 1,5 Mrd. Euro zwischen Firmen in Österreich laufen, vor allem an Einkäufer und Entscheidungs-Verantwortliche, und weitere rund 1,5 Mrd. Euro von Firmen an diverse Amtsträger in heimischen Behörden oder Genehmigungsstellen, berichtet das ORF-Wirtschaftsmagazin ECO.

Eine besondere Rolle spielten Schmiergelder im Ost-Geschäft. "Es gibt Vermutungen, dass es zum Beispiel in Aserbeidschan eine Art Korruptions-Steuer gibt", sagte Burger-Scheidlin in ECO. Firmen müssten dort rechnen, ungefähr 3 Prozent vom Umsatz zahlen zu müssen, in Russland wären es aber auch noch 1 bis 1,2 Prozent. Als besonders korrupte Geschäftsregion nannte der Experte Kirgisien, wo das Schmiergeld von jeder zweiten Firma als Problem dargestellt wird.

Positive Entwicklungen sieht Burger-Scheidlin im EU-Beitrittsland Rumänien. Allerdings würde auch dort noch eine von vier Firmen zu Schmiergeldzahlungen angehalten, erklärte er.

In vielen Ost-Staaten stelle auch die Gerichtsbarkeit noch ein Problem dar. Während sich Firmen in Westeuropa bei Problemen einen Anwalt nähmen, sei es in bestimmten Ländern der GUS-Staaten auch noch möglich, durch Schmiergeldzahlungen an Richter entsprechende Gerichtsurteile zu erwirken.

Insgesamt gehe laut Burger-Scheidlin die Korruption in Osteuropa leicht zurück. "Im Einzelfalle könne die abverlangte Schmiergeldzahlung für Exporteure oder Investoren aber höher als früher und sehr belastend sein", erklärte der Experte. (APA/red)

30.11.2006 20:08