Mittwoch, 29. November 2006

Schmiergeld-Verdacht bei Siemens: Seit Wochen gesuchter Mitarbeiter stellt sich

  • System aus Briefkastenfirmen und schwarzen Kassen
  • Verdächtiger soll Blanko-Vollmacht ausgestellt haben

In der Siemens-Affäre um schwarze Kassen hat sich nach Informationen von "Spiegel Online" ein gesuchter Ex-Manager des Konzerns den Behörden gestellt. Gegen ihn liege seit 14 Tagen ein Haftbefehl vor, hieß es in dem Bericht. Die Ermittler interessiere vor allem, ob und was der Manager über das mutmaßliche System von Briefkastenfirmen sowie über schwarze Kassen.

Wegen des Verdachts auf Schmiergeldzahlungen bei Siemens ermitteln derzeit Behörden in sieben Ländern, die Finanzströme flossen dabei über Österreich, die Schweiz und die Karibik. Mehrere Gesellschaften auf den Virgin Islands waren Teil eines geheimen Finanzsystems, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Aus schwarzen Kassen erst in Östereich und später in der Schweiz flossen hohe Beträge in zahlreiche Länder. Die Ermittler gehen davon aus, dass unter anderem über eine österreichische Handelsfirma Scheinverträge mit karibischen Briefkastenfirmen abgeschlossen wurden. Der verhaftete Ex-Manager soll über dieses System zumindest Bescheid wissen. Weder die Staatsanwaltschaft noch Siemens selbst wollten sich allerdings zu dem Bericht äußern.

Der Verdächtige sei den ganzen Tag über von Beamten des Landeskriminalamts und der Staatsanwaltschaft vernommen worden, hieß es. Ihm werde unter anderem zur Last gelegt, am 16. Dezember 2002 zusammen mit einem weiteren Beschuldigten für zwei seiner Mitarbeiter eine auf neutralem Papier und ohne Siemens-Logo verfasste Vollmacht unterzeichnet zu haben. Damit und mit Hilfe eines Luganer Treuhänders sollen diese ein Netzwerk an Briefkastenfirmen aufgebaut haben. Sein Anwalt gehe unterdessen davon aus, dass der Haftbefehl gegen seinen Mandanten außer Vollzug gesetzt werde. (apa)

29.11.2006 18:44