Mittwoch, 29. November 2006

13 Jahre nach Ende: Wirtschaftsforscher spricht sich für neue Vermögenssteuer aus

  • Schulmeister legt Contramodell zu Wifo-Weißbuch vor

Der Sozial- und Wirtschaftsforscher Stephan Schulmeister hat ein neues Konzept der Vermögensbesteuerung präsentiert. Demnach soll in Österreich die Grundsteuer abgeschafft und die Vermögenssteuer wieder eingeführt werden. Das würde knapp vier Milliarden Euro an Einnahmen bringen, sagte Schulmeister im "Ö1 Morgenjournal".

Schulmeister untersucht die Entwicklung der Finanzmärkte und des Welthandels am Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo). Das Wifo hatte sich in seinem im Oktober präsentierten Weißbuch zuletzt gegen eine Wiedereinführung der Vermögenssteuer ausgesprochen und will stattdessen die Grundsteuer drastisch erhöhen.

Schulmeister möchte mit der Vermögenssteuer in Zukunft nicht nur Grundvermögen sondern auch das Finanzvermögen besteuern. Den Steuersatz will Schulmeister mit 0,5 Prozent festsetzen, pro Person soll ein Freibetrag von 100.000 Euro gelten. Der Experte will damit den Mittelstand weitgehend verschonen und zielt vor allem auf jene Spitzenverdiener ab, die ihr Geld bisher Steuer schonend in Privatstiftungen geparkt hat.

Derzeit liegen in 2.700 heimischen Privatstiftungen rund 60 Mrd. Euro Vermögen. Dass Privatstiftungen bei einem solchen Modell ihr Geld ins Ausland abziehen würden, glaubt Schulmeister nicht. Das sei zu teuer, weil dann auf einen Schlag das Vermögen einmalig mit 25 Prozent besteuert würde. "Da kommen Sie billiger weg, wenn Sie 0,5 Prozent zahlen pro Jahr", so der Experte.

Die Vermögenssteuer ist in Österreich 1993 abgeschafft worden und war eine Steuer auf das Gesamtvermögen, das zu einem bestimmten Stichtag vorhanden war. Auch das Wifo hat in seinem Weißbuch eingestanden, dass Vermögen seither in Österreich zu niedrig besteuert ist. (APA)

29.11.2006 11:39