OECD optimistisch: Wachstum der Welt-
wirtschaft ungebrochen - Mehr Jobs in Sicht
- Österreichs BIP-Prognose kräftig nach oben korrigiert
- '06 Plus von 3,2%, '07 +2,5% - Kaum Inflationsdruck
Das dynamische Wachstum in China und den Ölländern hält die Weltwirtschaft nach Ansicht der OECD in Schwung. Dabei gehen die Industrieländer nach einer sanften Abschwächung in den USA und einer sich zunehmend selbst tragenden Belebung im Euro-Raum weitgehend im Gleichschritt voran. Für die kommenden zwei Jahre erwartet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ein Wirtschaftswachstum im OECD-Raum von 2,5 und 2,7 Prozent. Eine Triebfeder bleibe die Expansion des Welthandels mit 7,7 und 8,4 Prozent, erklärte die Organisation in ihrem "Economic Outlook" in Paris .
Die OECD-Wachstumsprognosen für Österreich wurden deutlich nach oben revidiert. Für 2006 wird unter dem Einfluss starker Investitionen und Exporte ein reales Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 3,2 Prozent erwartet, bevor sich die Konjunktur 2007 auf 2,5 Prozent verlangsamt, um dann auch 2008 mit +2,4 Prozent auf niedrigerem Niveau weiter zu wachsen. In ihrer letzten Prognose vom Mai war die OECD von einem BIP-Plus von 2,5 Prozent für 2006 und von 2,2 Prozent für 2007 ausgegangen. Zum Vergleich: Das österreichische Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) und das Institut für Höhere Studien (IHS) sind zuletzt (im September) von einem realen BIP-Wachstum von 3,1 Prozent für 2006 und von 2,5 Prozent (Wifo) bzw. 2,3 Prozent (IHS) für 2007 ausgegangen.
Die Prognose für die Inflationsrate hat die OECD für heuer auf 1,3 Prozent zurückgenommen, 2007 wird eine Rate von 1,7 Prozent und 2008 von 1,9 Prozent erwartet. Inflationsgefahr sieht die OECD nicht. Die Arbeitslosigkeit in Österreich werde für die drei Jahre (2006 bis 2008) stabil bei 5,5 Prozent bleiben.
Bartenstein erfreut
Allgemein seien die aktuellen OECD-Projektionen für Österreich "mit größeren Unsicherheitsfaktoren behaftet" als sonst, "da im Anschluss an die Oktoberwahlen noch keine neue Regierung gebildet worden ist und die Wirtschaftsziele für den Betrachtungszeitraum erst noch formuliert werden müssen". Wirtschaftsminister Martin Bartenstein zeigte sich erfreut. "Die Zeichen stehen auf Wachstum", so Bartenstein in einer Aussendung. Jetzt gelte es, auf dieser Basis aufzubauen und im Zuge der Regierungsverhandlungen dafür Sorge zu tragen, dass der bisherige Weg fortgeführt werde.
Besonders dynamisch entwickeln sich weiterhin die "jungen Industrieländer" vor: So expandiert Chinas Wirtschaft bis 2008 weiter mit Jahresraten zwischen zehn und elf Prozent. In Indien schwächt sich das Wachstum bis 2008 leicht von 8,0 auf 7,0 Prozent ab. Die reichen Ölstaaten treten zwar etwas weniger aggressiv als Käufer auf als erwartet, ihre höhere Sparquote drückt aber die Zinsen und verbilligt die Investitionen, stellt die OECD fest.
Im Euro-Raum wird das Wachstum im kommenden Jahr etwas von der gewichtigen deutschen Wirtschaft verlangsamt, wo die Erhöhung der Mehrwertsteuer um drei Prozentpunkte den Konsum abbremst. Dennoch reicht der Schwung für ein Wachstum auf breiter Basis von 2,2 Prozent. 2008 werden 2,3 Prozent angepeilt. Das drückt die Arbeitslosigkeit, die in diesem Jahr mit 7,9 Prozent erstmals seit 2001 unter acht Prozent bleibt, im kommenden Jahr auf 7,4 Prozent und 2008 sogar bis auf 7,1 Prozent. Allerdings werden mit dem Wachstum langsam die Kapazitäten knapper. Die Europäische Zentralbank dürfte daher "vorausschauend den monetären Stimulus abbauen" und ihre Zinsen bis 2008 von 3,25 auf vier Prozent erhöhen, meint die OECD.
Deutschland unter Durchschnitt
Deutschland bleibt mit 1,8 und 2,1 Prozent Wachstum in beiden Jahren unter dem Durchschnitt der Euro-Partner. Die Steuererhöhung kostet dabei im kommenden Jahr einen Viertel Prozentpunkt Wachstum. Der Aufschwung sei aber auch in Deutschland robust und werde ab 2008 auch vom privaten Konsum gestützt, meint die OECD. Die Arbeitslosigkeit werde binnen zwei Jahren von 8,0 auf 7,2 Prozent sinken.
In der weltgrößten Volkswirtschaft USA wird sich das Wachstum dem Ausblick zufolge wegen des schleppenden Wohnungsbaus im kommenden Jahr von 3,3 auf 2,4 Prozent abbremsen. 2008 werde sich der Konjunkturmotor aber wieder um 2,7 Prozent schneller drehen. Die Arbeitslosigkeit habe mit 4,6 Prozent ihren Tiefpunkt erreicht und werde bis 2008 wieder auf 5,1 Prozent steigen. Die Kerninflation sei zwar noch "unerwünscht hoch", sinke aber und lasse bis Ende 2008 eine schrittweise Senkung der US-Leitzinsen auf weniger als fünf Prozent zu. Das US-Leistungsbilanzdefizit verharre über die Jahre stabil bei 6,6 Prozent des BIP.
Auch in Japan wird das Wachstum laut OECD mit jeweils 2,0 Prozent in den beiden kommenden Jahren recht ordentlich ausfallen. Die Überschüsse der japanischen Leistungsbilanz dürften von 3,8 auf 5,3 Prozent des BIP steigen. Gleichzeitig dürfte die Arbeitslosigkeit von 4,2 auf 3,6 Prozent zurückgehen.
(apa/red)
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