Gigantische Fusion am Energiemarkt:
Neuer europäischer Stromriese entsteht
- Iberdrola kauft Scottish Power für 17 Mrd. Euro
Der zweitgrößte spanische Energiekonzern Iberdrola ist bei der geplanten Übernahme des britischen Stromkonzerns Scottish Power kurz vor dem Ziel. Der Vorstand von Scottish Power stimmte der Übernahme einstimmig zu, wie beide Unternehmen in London mitteilten. Die Spanier wollen insgesamt rund 11,6 Mrd. Pfund (knapp 17,2 Mrd. Euro) bezahlen. Falls die Übernahme Erfolg hat, wird das neue Unternehmen zum drittgrößten Stromanbieter in Europa.
Der gemeinsame pro forma Unternehmenswert wird mit rund 64 Mrd. Euro angegeben, die installierte Leistung mit rund 36.600 MW, davon rund 5.700 MW Windenergie und 333 MW Wasserkraft. Die jährliche Ersparnis bei den operativen Kosten vor Steuern soll bei 130 Mio. Euro liegen.
Scottish Power hat allein in Großbritannien mehr als 5,2 Millionen Kunden und ist auch in den USA und Westkanada aktiv. An dem Unternehmen war im vergangenen Jahr auch der deutsche Energieriese E.ON interessiert, kam jedoch nicht zu Zuge. Die Aktionäre von Scottish Power und Iberdrola sowie die Kartellbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen. Außerdem wird es in der Branche auch für möglich gehalten, dass noch ein anderer Energiekonzern ein Angebot für Scottish Power abgibt.
Iberdrola bietet pro Scottish-Power-Aktie 4,00 Pfund in bar sowie 0,1646 eigene Anteile. Damit ergäbe sich pro Aktie ein Wert von 7,77 Pfund. Der Kaufpreis läge dann unter der Summe von rund 18 Mrd. Euro, über die bisher spekuliert wurde. Der Chef von Scottish Power, Philip Bowman, verwies jedoch darauf, dass bei den meisten anderen Übernahme-Szenarien für die Angestellten "nachteilige soziale Konsequenzen" wahrscheinlich seien.
Im vergangenen Jahr hatte E.ON bereits den Erwerb des in Glasgow angesiedelten Energiekonzerns geprüft, war allerdings am Widerstand der Schotten gescheitert. E.ON bot 5,70 Pfund pro Aktie und damit insgesamt 2,07 Pfund weniger als nun Iberdrola.
Auf dem europäischen Energiemarkt zeichnen sich derzeit auch andere neue Allianzen ab. So hat E.ON ein Übernahmeangebot über 37 Mrd. Euro für den spanischen Versorger Endesa unterbreitet. Vor der Fusion stehen zudem Suez und Gaz de France.
Die vor mehr als 100 Jahren gegründete Iberdrola kam im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 11,7 Mrd. Euro und einen operativen Gewinn von 2,3 Mrd. Euro. Das Unternehmen ist in 28 Ländern aktiv. Scottish Power setzte im Geschäftsjahr 2005/06 (per Ende März) rund 8 Mrd. Euro um und erwirtschaftete einen operativen Gewinn von 1,3 Mrd. Euro. Der Nettogewinn des gemeinsamen Unternehmen für 2005 betrage rund 2,1 Mrd. Euro, bis 2009 soll er um 14 Prozent jährlich steigen.
(apa/red)
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