Ohrfeige für ÖSV auch im Beaver-Slalom: Myhrer lässt Pranger & Co. ganz alt aussehen
- Slalom-Superstar Raich schon im 1. Durchgang out
- Österreicher kehren ohne Podestplatz aus USA zurück
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Nun ist es traurige Gewissheit: Österreichs erfolgsverwöhnte Ski-Herren müssen Beaver Creek erstmals ohne Sieg verlassen und sind in allen sechs Nordamerika-Renen sieglos geblieben. Im abschließenden Slalom war Platz sieben durch Manfred Pranger das höchste der Gefühle, nachdem Topfavorit und Levi-Sieger Benjamin Raich schon nach zwei Toren des ersten Laufs ausgeschieden war. Der Sieg ging an den 23-jährigen Schweden Andre Myhrer, der vor Michael Janyk (CAN) und dem Deutschen Felix Neureuther seinen ersten Weltcupsieg feierte.
Für alle drei Burschen auf dem Podium waren es persönliche Bestmarken und damit wurde auch in Beaver Creek offensichtlich, dass sich im Slalom die Kraftverhältnisse deutlich verschoben haben. Speziell Myhrer ist ein Vertreter jenes Landes, dass im Slalom immer mehr zu dominieren beginnt. Auch den letzten Slalom der vergangenen Saison hatte in Aare mit Markus Larsson ein Schwede gewonnen.
Der zweite Saisonslalom wurde wegen der Höhenlage, der eisglatten Piste und zweier trickreicher Kurse zu einem wahren KO-Bewerb. Alleine im ersten Durchgang schieden 31 Läufer aus, darunter neben Raich auch noch Larsson, Giorgio Rocca und Bode Miller. Mit Raich, Larsson und Rocca schieden übrigens die Top-Drei des Auftakt-Slaloms in Levi geschlossen aus.
Auch Rainer Schönfelder blieb ein gutes Ende einer starken Woche - der Kärntner hatte als Dritter der Superkombi für den einzigen ÖSV-Podestplatz gesorgt - verwehrt. Als Halbzeit-Siebenter schied Schönfelder im zweiten Lauf aus. "Macht nichts, es war trotzdem eine starke Woche. Dieser Slalom war einfach brutal schwer", sagte der Kärntner, der die Gesamtsituation nicht anheizen wollte. "Ich kann nur über mich sprechen, nicht für die anderen."
Im Slalom blieben die Plätze sieben, 14 und 16 durch Pranger, Mario Matt und Andreas Omminger die bescheidene ÖSV-Ausbeute. "Ein Krampf von oben bis unten", sagte der enttäuschte Ex-Weltmeister Matt, während der nach seiner Seuchen-Saison aus der ersten Gruppe gefallene Pranger mit seinem besten Ergebnis seit seinem letzten Sieg im Jänner 2005 in Schladming hochzufrieden war. "Ein Top-Ten-Platz war mein Ziel, deshalb bin ich happy. Ich muss mich Schritt für Schritt zurückarbeiten", sagte der Tiroler.
Dass er die rot-weiß-rote Ehre wenigstens ein wenig gerettet hatte, spielte für den Gschnitzer keine Rolle. "Das ist an sich Aufgabe der Gruppe-eins-Fahrer. Ich muss in meiner Situation auf mich selbst schauen", sagte Pranger und meinte zur allgemeinen Slalom-Situation: "Man muss zur Kenntnis nehmen, dass es nicht mehr geschätzt wurde, was wir in den vergangene Jahren im Slalom geleistet haben. Wir waren ja drei Jahre zu viert unter den Top-Sieben. Jetzt sieht man, dass die anderen auch Gas geben. In Österreich zählt halt nur das Stockerl oder der Sieg. Aber diese Zeiten sind vorbei."
Der Jubel war auch am letzten Tag auf der Seite der österreichischen Konkurrenten. Etwa beim Norweger Aksel Lund Svindal, dem Platz 17 genügte, um wie im Vorjahr Beaver Creek als Weltcup-Führender zu verlassen. Aber auch bei den Deutschen, die den ersten Podiumsplatz des 22-jährigen Neureuther bejubelten.
"Seit sieben Jahren bin ich erstmals beschwerdefrei", lachte der Sohn von Christian Neureuther und Rosi Mittermaier und meinte schelmisch in Richtung seiner österreichischen Nachbarn: "Sie gewinnen derzeit nicht jedes Rennen. Das passt schon, sonst wird es eh langweilig."
Durchgang eins hatte Neureuthers Landsmann Alois Vogl sogar auf Platz zwei beendet. Der Deutsche wurde nach langem Hin und Her aber disqualifiziert. "Ich hätte gerne auf das Stockerl verzichtet, wenn Lois noch dabei sein hätte können", sagte Neureuther und der österreichische Ex-Rennläufer Mario Reiter ulkte: "Zwei Deutsche vor dem besten Österreicher, das wäre ja wie in der Formel 1 gewesen."
| 1. | Andre Myhrer | SWE | 1:48,60 Min. | 52,59 | 56,01 | |
| 2. | Michael Janyk | CAN | 1:49,33 | +0,73 | 53,61 | 55,72 |
| 3. | Felix Neureuther | GER | 1:50,00 | +1,40 | 53,45 | 56,55 |
| 4. | Daniel Albrecht | SUI | 1:50,37 | +1,77 | 54,25 | 56,12 |
| 5. | Jens Byggmark | SWE | 1:50,65 | +2,05 | 54,16 | 56,49 |
| 5. | Thomas Grandi | CAN | 1:50,65 | +2,05 | 54,10 | 56,55 |
| 7. | Alexandre Anselmet | FRA | 1:50,70 | +2,10 | 55,23 | 55,47 |
| 7. | Manfred Pranger | AUT | 1:50,70 | +2,10 | 53,49 | 57,21 |
| 9. | Anton Lahdenperae | SWE | 1:50,84 | +2,24 | 54,66 | 56,18 |
| 10. | Marc Gini | SUI | 1:50,86 | +2,26 | 54,84 | 56,02 |
| 11. | Cristian Deville | ITA | 1:50,96 | +2,36 | 54,94 | 56,02 |
| 12. | Kalle Palander | FIN | 1:51,00 | +2,40 | 53,90 | 57,10 |
| 13. | Jean-Baptiste Grange | FRA | 1:51,03 | +2,43 | 54,78 | 56,25 |
| 14. | Mario Matt | AUT | 1:51,07 | +2,47 | 54,08 | 56,99 |
| 15. | Silvan Zurbriggen | SUI | 1:51,17 | +2,57 | 54,09 | 57,08 |
| 16. | Andreas Omminger | AUT | 1:51,35 | +2,75 | 54,65 | 56,70 |
| 17. | Aksel Lund Svindal | NOR | 1:51,45 | +2,85 | 54,29 | 57,16 |
| 18. | Truls Ove Karlsen | NOR | 1:51,94 | +3,34 | 54,66 | 57,28 |
| 19. | Filip Trejbal | CZE | 1:52,26 | +3,66 | 54,82 | 57,44 |
| 20. | Paul Stutz | CAN | 1:52,44 | +3,84 | 55,18 | 57,26 |
| 21. | Bernard Vajdic | SLO | 1:52,53 | +3,93 | 54,69 | 57,84 |
| 22. | Jimmy Cochran | USA | 1:53,29 | +4,69 | 55,23 | 58,06 |
Ausgeschieden im 1. Durchgang u.a.:
Akira Sasaki (JPN) , Alexander Koll (AUT) , Benjamin Raich (AUT) , Christoph Dreier (AUT), Giorgio Rocca (ITA) , Kentaro Minagawa (JPN) , Kurt Engl (AUT) , Markus Larsson (SWE) , Martin Hansson (SWE) , Romed Baumann (AUT)
Disqualifiziert nach 1. Durchgang: Alois Vogl (GER)
Ausgeschieden im 2. Durchgang u.a.:
Ivica Kostelic (CRO), Patrick Thaler (ITA) , Pierrick Bourgeat (FRA) ,
Rainer Schönfelder (AUT) , Ryan Semple (CAN) , Stephane Tissot (FRA),
Ted Ligety (USA), Mitja Dragsic (SLO)
(apa/red)
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