6 Rennen, 6 Sieger: Herren-Ski-Weltcup ist heuer ausgewogen wie schon lange nicht
- Giger: "Keine Panik. Wir kommen schon wieder"
- Svindal: "Das taugt jedem. Außer den Österreichern"
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Sechs Rennen, sechs verschiedene Sieger aus sechs Nationen. Das Bild, das der Herren-Ski-Weltcup nach dem Riesentorlauf in Beaver Creek bot, wird wird in erster Linie FIS-Präsident Gian-Franco Kasper freuen. Österreichs Herrenchef Toni Giger bereitet die Situation freilich kurze Nächte. Nicht weil der Salzburger wegen der fünf sieglosen Nordamerika-Rennen in Serie Schlafstörungen hat. "Die Siegläufe musst du nur einmal am Video analysieren. Jetzt aber brauche ich am Abend viel länger, um schlauer zu werden."
Zum Schauen bekommt der Herren-Chef derzeit alle Facetten, denn seine Burschen liefern ihm dutzende Ansätze. Zu aggressiv, zu brav, nichts riskiert, zu viel riskiert, falsche Ski .... die ganze Palette an Ursachen, die Giger schon nach der dritten Abfahrt in Folge ohne ÖSV-Podestplatz durchgekaut hatte, musste er auch nach der Pleite im Riesentorlauf abklappern.
"Nachdem wir alle Rennen gewinnen wollen, ist das, was bisher heraus geschaut hat, sicher eine Enttäuschung", gestand Giger vor dem abschließenden Slalom in Beaver Creek. Ein Kardinalfehler war aber ebenso nicht zu orten wie Fehler in der Vorbereitung. Dafür ein einheitliches Problembild. "Wir sind in Teilbereichen schnell, individuelle Fehler machen es aber unmöglich, vorne zu sein. Die Burschen sind schnell, aber zu fehlerhaft."
Vielleicht liegt es ja auch am aggressiven nordamerikanischen Schnee, "denn schon im Vorjahr haben wir uns teilweise erstaunlich schwer getan." Wie gerufen daher die kommende Super-Kombi auf der heimischen Reiteralm. Die Brechstange, die vor allem Hermann Maier in Beaver Creek auffällig stark eingesetzt hat, soll aber in den USA blieben.
"Wir dürfen zu Hause nicht den Fehler machen, zu glauben, dass wir etwas gutmachen müssen", so Giger. "Lassen wir die Kirche im Dorf. Wir hatten drei Rennen, in denen der führende Österreicher ausgeschieden ist. Leider dürfen wir die starken Teilzeiten nicht zu einer Siegerfahrt zusammen setzen, diese Regel gibt es noch nicht", sagte Giger. "Aber keine Panik. Wir kommen schon wieder."
Offensichtlich sei aber das Aufkommenen der anderen Nationen. Giger: "Die Schweizer rücken uns in der Abfahrt auf den Pelz, die Schweden werden im Slalom immer gefährlicher, im Riesentorlauf ist Italien vorne und die Kanadier fordern uns im Super G."
Dass Benni Raich und Co. im abschließenden Slalom wegen der momentanen Erfolgslosigkeit besonders unter Druck seien, lehnten alle ÖSV-Coaches ab. "Das ist egal. Wir wollen sowieso jedes Rennen gewinnen", winkte auch Slalom-Chef Gert Ehn ab.
Laut Weltcupwertung habe man trotz des Fehlens von Reinfried Herbst noch immer die beste Slalom-Mannschaft der Welt, beharrte Ehn. Selbst wenn mit Raich derzeit nur noch ein Fahrer in den Top-7 und insgesamt nur 3 in den ersten 15 sind. Ehn: "In keiner anderen Disziplin ist die Dichte so groß. Von den ersten 15 können 10 gewinnen und da fehlen noch die Außenseiter, von denen immer einer zuschlägt."
Einer davon ist der talentierte Norweger Aksel Lund Svindal, der die Weltcup-Gesamtführung an sich riss. "Sechs verschieden Sieger, das macht den Skisport auf der ganzen Welt bekannt", sagte Svindal, vergangene Saison Gesamt-Zweiter hinter Raich. Svindal: "Die Situation taugt doch jedem derzeit. Außer man ist Österreicher."
Dem finalen Slalom drückte auch der Kostelic-Clan seinen Stempel auf. Vater Ante setzte einen "hochinteressanten", sprich super-engen und raffinierten, auf Sohn Ivica zugeschnittenen, zweiten Durchgang. Zudem gab Schwesterherz Janica in Colorado ihr Comeback im Schnee. Die pausierende und deutlich erschlankte Weltcup-Siegerin fungierte in Beaver Creek allerdings nur als Daumendrückerin für Bruder Ivica.
(apa/red)
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