Mittwoch, 29. November 2006

Fußball-Legende Max Merkel gestorben: Österreicher im 88. Lebensjahr verschieden

  • Meistertrainer von Rapid, 1860, Nürnberg und Atletico
  • Als Zeitungskolumnist für markante Sprüche bekannt
    Plus: Merkels beste Sprüche zum Durchklicken

Max Merkel ist tot. Der legendäre Wiener Fußball-Trainer starb im Alter von 87 Jahren nach längerer Krankheit in seinem Haus in Putzbrunn bei München. Merkel hatte als Verteidiger mit seinem Stammverein SK Rapid vier Titel (1948, 1951, 1952, 1954) geholt, als Trainer avancierte er bei Rapid (1957), 1860 München (1966), 1. FC Nürnberg (1968) und Atletico Madrid (1973) zum "Meistermacher". Nach seiner Fußball-Karriere war Merkel als Zeitungs-Kolumnist tätig und für seine markanten Sprüche bekannt. Merkel hinterlässt seine Gattin und eine Tochter.

Der Simmeringer Merkel war ein echter Rapidler, der Grün-Weiß auch im Ausland zu Erfolgen verhalf. So u.a. 1953 beim 6:1 gegen Englands Meister Arsenal in London neben Ernst Happel ("Er war der Künstler, ich der Arbeiter") in der Abwehr. Merkel wurde je einmal in die deutsche (1939) und die österreichische Nationalelf (1952) berufen.

Groß geworden bei Rapid
Rapid-Präsident Rudolf Edlinger hat Merkel, der nach seiner Sport-Laufbahn in Deutschland gelebt hat, nicht persönlich gekannt. "Aber er ist natürlich im Fußball ein Begriff, er war eine starke Persönlichkeit", erklärte Edlinger. Man werde sich stets an den großen Rapid-Spieler und Trainer Merkel erinnern, der bei den Grün-Weißen groß geworden sei. Vor dem Meisterschaftsspiel am Samstag gegen Sturm Graz wird des Verstorbenen in einer Trauerminute gedacht.

Pokalsieger mit Nürnberg
Der 1. FC Nürnberg, der unter dem Wiener 1968 seinen bisher letzten DFB-Titel geholt hatte, wird am Sonntag gegen Schalke mit Trauerflor antreten. DFB-Ehrenkapitän Uwe Seeler bezeichnete Merkel als "tollen Trainer, wirklich netten Menschen und Spaßvogel, der bis ins hohe Alter immer einen Spruch auf den Lippen hatte".

In letzten Jahren zurückgezogen gelebt
Wie kaum ein anderer hatte Merkel den Fußball in seiner Trainerzeit und später als Kolumnist als manchmal zynischer, aber auch humorvoller Kritiker verkauft. Doch in den letzten zwei Jahren scheute er die Öffentlichkeit. "Er hat sich nicht mehr vor die Tür getraut", sagten Bekannte. Zuletzt sei der Kontakt abgerissen, erzählte Paul Breitner, der wie Merkel beißende Kommentare für die "Bild"-Zeitung schreibt. "Er war unbezahlbar für dieses Geschäft und quasi der Obertrommler", erinnerte sich der ehemalige Kapitän des FC Bayern München.

Erfolge auch mit 1860
Auch als Trainer kannte Merkel keine Gnade. "Mit ihm hatten wir bei 1860 die erfolgreichsten Jahre", sagte Torwart-Legende Petar Radenkovic, "aber wir Spieler hatten kein gutes Verhältnis zu ihm. Er war ein rücksichtsloser Mann." Mit "Zuckerbrot und Peitsche" gewann Merkel als damals bestbezahlter Bundesligatrainer (17.000 Mark monatlich) neben der Meisterschaft auch den Cup (1964) und erreichte das Europacupfinale der Pokalsieger gegeb West Ham United (1965/0:2-Niederlage in London).

Der oft umstrittene "MM" verkörperte nahezu perfekt den Typus des Erfolgstrainers und war ein Markenzeichen im internationalen Fußball. Mit den Münchner "Löwen" holte er den Titel, wurde aber später entlassen. Danach ging der gelernte Maschinenbau-Ingenieur zum Nürnberger "Club", den er vor dem Abstieg rettete, mit dem er anschließend Meister wurde und danach abstieg. Merkel musste daraufhin seinen Hut nehmen.

Zwei Titel mit Atletico
Der Wiener war sechs Jahre in Spanien bei FC Sevilla und Atletico Madrid tätig (Meister 1973, Cupsieg 1972). Zurück in Deutschland folgten drei weitere Stationen (1860, Schalke, Augsburg), doch das gewünschte Engagement bei Bayern München kam nicht zu Stande. Es scheiterte an einer von Sepp Maier und Breitner geführten "Spielerrevolte" gegen den damaligen Präsidenten Wilhelm Neudecker. Mit einer zweimonatigen Tätigkeit beim FC Zürich beendete Merkel im Sommer 1983 seine Trainer-Karriere.

"Im ÖFB klappt nix außer der Mittagspause"
"Deutscher oder spanischer Meister wird man nicht alle Tage, schlechte Erinnerungen sind keine zurückgeblieben", blickte Merkel anlässlich seines 85. Geburtstages auf seine Trainer-Ära zurück. Nach dieser arbeitete er in der Tabakbranche, als Autor und Kolumnist. Da war niemand vor seinen beißenden Kommentaren gefeit. Auch nicht der österreichische Verband, für den er in der Ära von Sekanina und Senekowitsch 1977/78 als Technischer Berater fungierte. "Im ÖFB klappt nix außer der Mittagspause", hatte Merkel einst gespottet.

(apa/red)

29.11.2006 15:26