Mittwoch, 29. November 2006

Auftragsmorde in Russland: Journalistin Politkowskaja und Spion Litwinenko getötet

  • Weltweite Empörung nach Tod der Regime-Kritiker
  • Ex-Spitzel wurde mit radioaktivem Material vergiftet

Zwei Auftragsmorde in Russland sorgten im Herbst 2006 für weltweite Empörung: Regierungskritikerin Anna Politkowskaja wurde im Oktober liquidiert, nur wenig später stirbt der russische Ex-Spion Alexander Litwinenko. Er wurde mit radioaktivem Material vergiftet.

Die russische Journalistin Anna Politkowskaja ist in Moskau einem Auftragsmord zum Opfer gefallen. Eine Nachbarin hat sie neben dem Lift ihres Wohnhauses im Zentrum erschossen aufgefunden. Die Journalistin war gerade vom Einkaufen zurückgekehrt.

In der russischen Öffentlichkeit löste der Mord an der prominenten Publizistin tiefe Bestürzung aus. Politkowskaja hatte sich durch ihre kritischen Reportagen über den Tschetschenien-Krieg weltweit einen Namen gemacht. Als Mordmotiv vermuteten Ermittler Politkowskajas "öffentliche Aufgabe" als Journalistin. Auch kremltreue Politiker würdigten die Reporterin trotz aller Gegnerschaft.

Bereits als sie 2004 in den Nordkaukasus zu der Geiselnahme von Beslan fliegen wollte, erlitt sie eine rätselhafte Vergiftung, für die sie den russischen Geheimdienst verantwortlich machte.

Im Herbst 2001 suchte sie wegen der Drohungen Zuflucht in Wien, wo sie als Stipendiatin am Institut für die Wissenschaften vom Menschen ein Buch über das Verhältnis zwischen Tschetschenien und Russland nach dem Krieg schrieb.

Ex-Spion Litwinenko vergiftet
Wenige Wochen später wurde der russische Ex-Spion Alexander Litwinenko mit radioaktivem Material vergiftet. Ermittler haben mehrere Stunden vor dem Tod des Ex-Spions in einem Londoner Krankenhaus "hohe Konzentrationen" von Polonium 210 entdeckt.

Litwinenko hatte Präsident Putin kurz vor einem Ableben für seinen Tod verantwortlich gemacht. Dieser sprach von einer "politischen Provokation" und wies alle Anschuldigungen zurück, wonach er die Ermordung des Regimegegners angeordnet haben soll.

Der Ex-Spion lebte seit 2000 in London im Exil. Erst vor kurzem hatte er die britische Staatsbürgerschaft bekommen. Er machte zuerst 1998 Schlagzeilen, als er behauptete, vom FSB, dessen Chef damals Putin war, den Befehl zur Ermordung des russischen Milliardärs Boris Beresowski bekommen zu haben.

Später behauptete er, es sei der FSB gewesen, der 1999 mehrere Bombenanschläge auf Wohnhäuser in Russland verübt habe, um einen Vorwand für den zweiten Tschetschenien-Krieg zu haben. Zuletzt beschäftigte sich Litwinenko mit Recherchen zur Ermordung der ebenfalls regimekritischen Journalistin Politkowskaja.

(apa/red)

29.11.2006 11:45