Mittwoch, 29. November 2006

Todesstrafe für Saddam Hussein: Iraks
Ex-Diktator droht der Gang zum Strang

  • Schuldspruch nach Massaker-Prozess - Kritik an Urteil
  • BILDER: So reagierte Saddam - Plus: Pressestimmen

Im Prozess gegen Saddam Hussein wurde der frühere irakische Präsident im Mai formell unter Mordanklage gestellt. Dieser lehnte es ab, auf schuldig oder nicht schuldig zu plädieren und erklärte, dass er das Gericht nicht anerkenne. Im November verurteilte ein Sondertribunal Hussein zum Tod durch Erhängen. Das Gericht machte den entmachteten früheren Diktator für ein Massaker an Schiiten in Dujail 1982 mit 148 Toten verantwortlich.

Sein Weg nach oben war stets vom Tod begleitet. Einstige Weggefährten, politische und Kriegsgegner, Kurden, Schiiten - Zehntausende ließ der Herrscher in Bagdad kaltblütig umbringen, wenn es seiner Macht und ihrem Erhalt diente. Als erster arabischer Führer wurde der irakische Ex-Staatschef Saddam Hussein nun vor Gericht im eigenen Land zur Verantwortung gezogen. Das Ende des 69-Jährigen, der sich einst als Held der arabischen Welt feiern ließ, scheint besiegelt.

US-Präsident George W. Bush begrüßte das Todesurteil, der Rest der Welt reagierte zurückhaltend und sprach sich überwiegend gegen die Vollstreckung aus.

Prozess: Aus Arroganz wurde Ignoranz
Saddam Husseins Sturz begann mit dem Einmarsch der US-Truppen am 9. April 2003 in Bagdad. Bis zuletzt hatte er sich als mutiger Kämpfer präsentiert, der notfalls im Alleingang der Weltmacht USA trotzen wolle. Während im ganzen Land seine Statuen stürzten, tauchte er unter - um acht Monate später mit verfilzten Haaren aus einem Erdloch nahe seiner Heimatstadt Tikrit wieder aufzutauchen und sich fast erleichtert den US-Truppen zu ergeben.

Während des rund einjährigen Prozess um die Ermordung schiitischer Dorfbewohner gelang es Saddam Hussein streckenweise, nochmals das Bild des "großen Führers" hervorzukehren: Mit unglaublicher Arroganz bügelte er die Richter ab, immer wieder provozierte er Unterbrechungen und nutzte den Gerichtssaal als Tribüne für seine Auftritte - stellenweise geriet das Verfahren zur Farce. Doch selbst seine Tobsuchtsanfälle konnten gegen die bewegenden Aussagen der Zeugen nichts ausrichten. Nach und nach wurde er ruhiger - und wurde es auch ruhig um den Prozess. Angesichts des alltäglichen Terrors auf den Straßen verloren die Iraker schlicht das Interesse.

Die Einsicht, keine Rolle mehr zu spielen, dürfte für Saddam Hussein wie ein vorweg genommenes Todesurteil gewesen sein. Über Jahrzehnte hinweg hatte sich der vaterlose Bub aus armen Verhältnissen hochgearbeitet, sich 1959 an einem ersten fehlgeschlagenen Umsturzversuch beteiligt, neun Jahre später erfolgreich am Putsch seiner Baath-Partei teilgenommen, um es 1979 an die Spitze von Staat, Partei und Armee zu schaffen. Sein Machthunger und Geltungsbedürfnis kannten keine Grenzen mehr. Ihm fielen zunächst hunderte Partei- und Regierungsfunktionäre zum Opfer, die er durch treue Gefolgsleute ersetzte.

Schreckensherrschaft dauerte mehr als 20 Jahre
1980 griff Saddam Hussein das Nachbarland Iran an; in dem achtjährigen Krieg kamen hunderttausende Iraker um. Zehntausende weitere starben bei seinen Verfolgungskampagnen gegen Kurden und Schiiten. Mit der Besetzung Kuwaits 1990 folgte der zweite Golfkrieg.

Dass seine Truppen nur wenige Monate später durch die USA aus dem Golfemirat vertrieben wurden, konnte ihm nichts anhaben: Er hielt sich an der Macht, obwohl sein Regime durch internationale Sanktionen isoliert, die Wirtschaft ruiniert wurde. 2003 führte der von den USA angeführte Feldzug zum Sturz des Regimes.

Gegen Saddam Hussein läuft seit August ein zweites Verfahren wegen des Völkermords an rund 180.000 Kurden in den Jahren 1987 und 1988. Auch hier droht ihm die Todesstrafe. Außerdem werden ihm zahlreiche weitere Verbrechen zur Last gelegt.

(apa/red)

29.11.2006 09:37