Samstag, 2. Dezember 2006

Papst Benedikt XVI. beendet Türkei-Reise: Botschaft der Versöhnung zum Abschluss

  • "Teil des Herzens bleibt" - Religionsfreiheit gefordert
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Papst Benedikt XVI. hat seinen viertägigen Besuch in der Türkei beendet und ist von Istanbul aus nach Rom abgeflogen. "Ein Teil meines Herzens bleibt in Istanbul", sagte das katholische Kirchenoberhaupt bei der Verabschiedung im internationalen Atatürk-Flughafen. Er freue sich, wenn sein Besuch zu einem "besseren Verständnis" zwischen den Religionen und Kulturen, "besonders zwischen dem Islam und dem Christentum, beigetragen" habe. Der Papst bedankte sich bei den türkischen Behörden und bei der Bevölkerung, die unter den Sicherheitsmaßnahmen "ein bisschen zu leiden" gehabt habe.

Am Morgen hatte der Papst als Symbol für den Frieden vier Tauben in den Himmel der Bosporus-Metropole auffliegen lassen. Außerdem enthüllte er eine Statue von Papst Johannes XXIII. (1958-1963), der von 1935 bis 1944 als Angelo Giuseppe Roncalli Vatikandiplomat in der Türkei gewesen war.

Anschließend führte Benedikt XVI. den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I., das Oberhaupt der Weltorthodoxie, zu dessen Ehrenplatz in der katholischen Istanbuler Kathedrale vom Heiligen Geist, wo der Papst eine Messe zelebrierte. Am Vortag hatten die beiden Kirchenoberhäupter im Phanar eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet, um den Willen zur Einheit von West- und Ostkirche kundzutun.

In seiner Predigt forderte der Papst unmissverständlich mehr Freiheiten für die christlichen Minderheiten in der Türkei. "Die Kirche möchte niemanden etwas aufzwingen, sie verlangt lediglich, dass sie in Freiheit existieren kann", sagte Benedikt XVI.

Positive Reaktionen aus Österreich
Positiv haben die großen Glaubensgemeinschaften in Österreich den Besuch des Papstes in der Türkei bewertet. Er hoffe nun auf einen neuen Beginn eines sachlichen und ernsthaften Dialoges, sagte der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Anas Schakfeh. Die Wichtigkeit der gemeinsamen Erklärung des Papstes und des Ökumenischen Patriarchen unterstrich der griechisch-orthodoxe Metropolit Michael Staikos. Besonders bedeutsam sei die Erwähnung der Menschen- und Minderheitenrechte, "die heute in der Türkei sehr wenig beachtet werden."

Der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), der evangelisch-lutherische Bischof Herwig Sturm, zeigte sich "dankbar", dass die Signale der Dialogpartnerschaft zwischen Christentum und Islam gut angekommen seien. Dass die Annäherung zwischen katholischer und orthodoxer Kirche die evangelische Kirche ausgrenzen könnte, befürchtet Sturm nicht. Im Gespräch mit der Orthodoxie habe "die katholische Kirche einen größeren Nachholbedarf als mit uns." Abgesehen von einer "eindrucksvollen Annäherung zwischen katholischer und orthodoxer Kirche" bringe die Reise einen neuen Impuls für den Dialog zwischen Christentum und Islam, sagte auch Erich Leitenberger, der Sprecher von Kardinal Christoph Schönborn.

(apa/red)

2.12.2006 11:44