Papst in der Türkei: Mahnung zu mehr religiöser Freiheit und Einheit der Kirchen!
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Ökumenischer Patriarch
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Ökumenischer Patriarch
von Konstantinopel

Mit einer überraschenden Geste hat Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch in der Blauen Moschee in Istanbul dem Islam seinen Respekt erwiesen. Wie türkische Fernsehsender zeigten, wendete sich das katholische Kirchenoberhaupt gen Mekka und verharrte einige Minuten leicht gebeugt mit geschlossenen Augen. Zuvor hatte der Papst gemeinsam mit dem ökumenischen Partriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., mehr religiöse Freiheiten in der Türkei angemahnt. Die Verständigung mit der orthodoxen Kirche ist eines der Hauptanliegen der Reise von Benedikt XVI.
Die Geste des Papstes in der Blauen Moschee folgte auf die Erläuterungen des Großmuftis Mustafa Cagrici, wie sich Muslime zum Gebet verneigen. Zum Abschluss des etwa 30-minütigen Besuchs tauschten der Papst und der Großmufti Geschenke aus. Kurz nachdem das katholische Kirchenoberhaupt die Moschee verlassen hatte, rief der Muezzin zum Abendgebet. Benedikt ist erst der zweite Papst nach Johannes Paul II., der ein muslimisches Gotteshaus betritt. Johannes Paul II. war im Jahr 2001 in einer Moschee in Damaskus. Vor der Blauen Moschee hatte Benedikt die einstmalige Kirche Hagia Sophia besucht, die später zur Moschee und dann zu einem Museum wurde.
Die Mahnung des Papstes zu mehr Religionsfreiheit in der Türkei kam zwei Tage nach seinen wohlwollenden Äußerungen zu einer EU-Mitgliedschaft des Landes. Die Beachtung der Religionsfreiheit sei ein notwendiges Kriterium für einen EU-Beitritt, erklärte der Papst gemeinsam mit Bartholomaios I.. Zudem betonte Benedikt die Bedeutung der christlichen Wurzeln für Europa. Zu Beginn seines Besuchs in der Türkei hatte er nach Angaben des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan erklärt, er unterstütze eine EU-Mitgliedschaft der Türkei. Noch als Kardinal hatte er sich dagegen ausgesprochen.
Alle christlichen Gemeinschaften seien aufgerufen, das Bewusstsein Europas für seine christlichen Wurzeln, Traditionen und Werte zu erneuern, um ihm neue Kraft zu geben, sagte Benedikt XVI. nach einer Messe, die er in Istanbul zusammen mit Bartholomaios I. gefeiert hatte. Der orthodoxe Patriarch hatte den Papst vor der Sankt-Georg-Kirche mit einer Umarmung in Empfang genommen, bevor die beiden Kirchenoberhäupter das Gotteshaus betraten.
Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche betonte die universelle Verantwortung des Papsttums und spielte damit auf den Haupststreitpunkt zwischen katholischer und orthodoxer Kirche an. Die katholische und die orthodoxe Kirche sind seit fast tausend Jahren durch ein Schisma getrennt. In Istanbul protestierten einige Dutzend Demonstranten gegen den Besuch des Papstes. Sie hielten Plakate mit Aufschriften wie "Die Türkei wird keine Kolonie werden" hoch. Besonders der Besuch des Papstes in der Hagia Sophia erregte den Zorn einiger Demonstranten.
Dementsprechend stark waren die Sicherheitsvorkehrungen beim Besuch Benedikts XVI. in der Hagia Sophia. Die Kirche wurde im sechsten Jahrhundert vom byzantinischen Kaiser Justinian geweiht und war jahrhundertelang religiöser Mittelpunkt der orthodoxen Christenheit. Nach der Eroberung der Stadt durch die türkischen Osmanen 1453 wurde sie in eine Moschee umgewandelt. 1934 zog ein Museum in den Prachtbau ein.
(apa/red)
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