Donnerstag, 30. November 2006

Neue US-Irak-Politik: Expertenausschuss schlägt offenbar Truppenabzug für 2007 vor

  • Abzug von 45.000 bis 75.000 Soldaten vorgesehen
  • Washington soll direkt mit Syrien & Iran verhandeln

Ein Expertenausschuss des US-Kongresses zur Irak-Politik hat den schrittweisen Abzug der amerikanischen Kampfeinheiten aus dem Zweistromland vorgeschlagen. Dies berichtete die "New York Times". Die Kommission unter Leitung von Ex-Außenminister James Baker werde aber keinen Zeitplan aufstellen, heißt es unter Berufung auf Kommissionsmitglieder. Offiziell soll der Bericht kommende Woche präsentiert werden.

Der Abzug solle bereits kommendes Jahr beginnen. Von der Nennung eines Zeitplans habe man abgesehen, weil dies die Aufständischen im Irak zur vermehrten Aktivitäten ermuntern könnte, schreibt die Zeitung. Konkret sollen 15 US-Brigaden mit einer Truppenstärke zwischen 45.000 und 75.000 Mann abgezogen werden. Unklar sei noch, ob sie in die USA zurückkehren oder in Militärbasen im Irak oder der Region stationiert werden sollen. Derzeit sind rund 150.000 US-Soldaten im Irak, darunter Spezialeinheiten und Ausbildner. "Jenen, die einen sofortigen Abzug wollen, wird das nicht gefallen. Aber (der Vorschlag) unterscheidet sich auch deutlich von der Strategie des Präsidenten", sagte ein Kommissionsmitglied der Zeitung. Statt des jetzigen Kampfauftrags solle die US-Armee künftig nur noch eine "unterstützende Rolle" haben, meldet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf mit der Arbeit der Kommission vertraute Kreise.

Die Kommission schlägt laut "NYT" auch eine neue Nahost-Initiative vor, die direkte Gespräche mit Syrien und dem Iran beinhalte. Die Regierung von US-Präsident George W. Bush solle ihre diplomatischen Bemühungen im Nahost-Konflikt massiv verstärken. Eine internationale Irak-Konferenz möge den Weg zu Verhandlungen mit dem Iran und Syrien ebnen. Bush sträubte sich bisher gegen solche Direktgespräche, ebenso wie er einen Truppenabzug ablehnte.

Die im März eingesetzte Kommission hatte bekannt gegeben, dass sie sich auf ein gemeinsames Papier geeinigt hat. Details wurden aber nicht genannt. Der Expertengruppe gehören jeweils fünf Demokraten und Republikaner an. Für Bush ist der Bericht nicht bindend, sondern nur eine Empfehlung. Zugleich bietet sie ihm eine Gelegenheit, seine offenkundig wenig erfolgreiche Irak-Strategie gesichtswahrend zu ändern. (apa/red)

30.11.2006 10:29