Donnerstag, 30. November 2006

Offener Brief an USA: Ahmadinejad ruft Amerikaner zu Widerstand gegen Krieg auf

  • Bush regiere mit "Zwang, Gewalt & Ungerechtigkeit"
  • US-Regierung spielt den Offenen Brief herunter

Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad hat die amerikanische Bevölkerung in einem offenen Brief zum Widerstand gegen den Krieg im Irak aufgerufen. Die Militärpräsenz der Vereinigten Staaten habe hunderttausende Iraker das Leben gekostet, schrieb Ahmadinejad in einer in New York vorliegenden "Botschaft an das amerikanische Volk". "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie, das amerikanische Volk, den jährlichen Milliardenausgaben aus ihrem Staatsbudget für dieses militärische Abenteuer zustimmen."

Scharf attackierte er den US-Präsidenten George W. Bush, der mit "Zwang, Gewalt und Ungerechtigkeit" regiere. Ahmadinejad hatte zuvor eine Botschaft an das amerikanische Volk angekündigt. Er hatte offen gelassen, auf welchem Weg er die Botschaft übermitteln will.

Der iranische Präsident betonte in dem offenen Brief, der Irak habe jetzt eine Verfassung und eine unabhängige Regierung und Gesetzgebung. Deshalb sei es Zeit, die US-Präsenz zu beenden. Er bot der Regierung in Bagdad seine Hilfe im Kampf gegen den Terrorismus an. "Es wäre nutzbringender, die amerikanischen Offiziere und Soldaten heimzuholen und die astronomischen US-Militärausgaben für die soziale Sicherheit und das Wohlergehen des amerikanischen Volkes zu nutzen", schrieb er in seinem sechsseitigen Brief.

Ausdrücklich wandte sich Ahmadinejad an die Demokratische Partei, die bei den Wahlen die Mehrheit im Kongress gewonnen hatte. "Jetzt, wo Sie einen wichtigen Teil der US-Regierung kontrollieren, werden Sie vom Volk und von der Geschichte mit zur Verantwortung gezogen." Sollten die Demokraten nicht versuchen, Fehler der Vergangenheit zu korrigieren, würden sie bei den nächsten Wahlen verlieren, warnte er.

Sein Vorgänger Mohammed Khatami hatte sich Anfang 1998 über den Sender CNN an das amerikanische Volk gewandt, ohne das dies zu einer Verbesserung der Beziehungen beider Länder führte. Der direkte Kontakt ist zwischen beiden Staaten seit 1979 unterbrochen. Derzeit sucht Washington nach einer neuen Strategie für den Nahen Osten.

US-Regierung spielt Brief herunter
Die US-Regierung hat den neuen Brief des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinejad an die amerikanische Bevölkerung heruntergespielt. Der Brief sei ein PR-Trick und enthalte nicht viel Neues, sagte Außenamtssprecher Tom Casey am Mittwoch in Washington.

Casey warf der Führung in Teheran im Gegenzug die Unterstützung von Terroristen im Irak vor. Außerdem missachte der Iran im Atomstreit die internationale Gemeinschaft. "Leider haben wir keinerlei Veränderung im Verhalten gesehen, das darauf hindeutet, dass sie anders an die Dinge herangehen wollen", sagte Casey.

(apa/red)

30.11.2006 09:05