Kirche in Hannover soll Synagoge werden:
Jüdische Gemeinde fordert Geld vom Land
- Angemietete Räume der Gemeinde viel zu klein
- "Wir wollen zum Kulturleben dieser Stadt beitragen"
Bei der deutschlandweit ersten Umwandlung einer Kirche in eine Synagoge beklagt die jüdische Gemeinde in Hannover eine mangelnde Unterstützung des Landes. Während andere deutsche Bundesländer Bauvorhaben jüdischer Gemeinden finanziell förderten, lehne Niedersachsen bisher jeglichen Zuschuss ab, sagte die Vorsitzende der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover, Ingrid Wettberg, in einem dpa-Gespräch. "Alle Fraktionen stehen hinter der Sache, das sind aber alles Lippenbekenntnisse." Aus der Staatskanzlei habe sie selbst den Tipp erhalten, doch nach jüdischen Vermächtnissen zur Finanzierung des Umbaus zu suchen.
Die Liberale jüdische Gemeinde will von der hannoverschen Landeskirche ein Gemeindezentrum mit Kirche übernehmen, das wegen der sinkenden Zahl von Gläubigen geschlossen wird. Die Kosten für einen Umbau belaufen sich auf 3,5 Millionen Euro. "Ich möchte vom Land zwei Millionen Euro Zuschuss haben", sagte Wettberg. "Es kann nicht sein, dass das Land den Bau einer Skihalle mit 5,5 Millionen Euro fördert und es für eine Synagoge nichts gibt."
Die 1995 mit 79 Mitgliedern neugegründete liberale Gemeinde habe dank des Zuzugs von Juden aus Osteuropa inzwischen mehr als 600 Mitglieder, sagte Wettberg. Die angemieteten Räume der Gemeinde platzten aus allen Nähten. Für den laufenden Betrieb erhalte die Gemeinde derzeit einen jährlichen Landeszuschuss von 30.000 Euro. Vor allem bei der Integration der Zuwanderer leiste die jüdische Gemeinde wertvolle Dienste.
Der Synagogenbau könne auch dazu dienen, die immer noch bestehende Kluft zwischen einem Großteil der Bevölkerung und der jüdischen Religion und Kultur zu überwinden, sagte Wettberg. "Wir wollen mit unserem Gemeindezentrum ein offenes Haus sein. Wir wollen ein Stück zum Kulturleben dieser Stadt beitragen."
(apa/red)
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