Dienstag, 28. November 2006

Italien spekuliert: Zieht sich Medienzar
Silvio Berlusconi aus der Politik zurück?

  • Jüngster Schwächeanfall nährt Diskussionen
  • Mitarbeiter und Familie hingegen beschwichtigen

Italiens Ex-Ministerpräsident und nunmehriger Oppositionsführer Silvio Berlusconi ist nach seinem Schwächeanfall wieder wohlauf, muss jedoch noch in ärztlicher Behandlung bleiben. Er wird sich weiter im Krankenhaus aufhalten müssen, was in Italien wilde Spekulationen über einen baldigen Rückzug des 70-Jährigen aus der Politik schürt.

"Aus gesundheitlicher Sicht und seinen eigenen Andeutungen zufolge ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass er bei der nächsten Wahl die rechtsgerichtete Koalition führen wird", sagte ein Politikwissenschaftler. Dies bestritten Berlusconis Mitarbeiter vehement.

Der Chefredakteur der im Besitz der Familie Berlusconi stehenden rechten Tageszeitung "Giornale", warnte in einem Kommentar vor der Gefahr eines Rückzugs Berlusconis aus der Politik. "Im Moment gibt es keine Person, die wie Berlusconi Charisma und politisches Talent verbindet." Müsste er wegen Erschöpfung oder aus gesundheitlichen Gründen die politische Szene verlassen, würde Forza Italia verschwinden und mit der stärksten italienischen Partei würde sich auch die Mitte-Rechts-Allianz auflösen. Diese würde in den nächsten zehn bzw. 15 Jahren in der Opposition bleiben müssen, befürchtete der Journalist.

Mitarbeiter und Familie beschwichtigen
Berlusconis Sprecher versicherte indes, dass Berlusconi bald wieder fit sein werde. Der Medienmagnat werde wie geplant am kommenden Samstag an der Großdemonstration in Rom gegen die Regierungspolitik seines Amtsnachfolgers Prodi teilnehmen. "Berlusconi will nicht aufhören, er darf nicht aufhören, und er könnte auch gar nicht aufhören", so sein Sprecher.

Der Oppositionschef war kürzlich in die Mailänder Klinik San Raffaele eingeliefert worden, nachdem er bei einer Veranstaltung im toskanischen Kurort Montecatini Terme ohnmächtig zusammengebrochen war.

(apa/red)

28.11.2006 11:48