Fall Litwinenko: Drei Menschen werden
nun auf radioaktive Verseuchung untersucht
- An mehreren Orten in London Strahlung festgestellt
·Litwinenko-Tod: Druck auf Putin wächst
Geheimdienst: "Staatlich gefördertes Attentat"
·Spion vergiftet: Hilfe von Moskau gefordert
Russlands Medien glauben an Komplott gegen Putin
·Wortlaut: Abschieds- Brief von Litwinenko
Vergifteter Ex-Geheim-Agent klagt Putin an
·Polonium in kleinen Dosen extrem giftig
Seltenes radioaktives Material sehr energiereich
·Russland: Inlands- geheimdienst FSB
Nach Auflösung des KGB
wichtigste Organisation
Nach dem Tod des vergifteten russischen Ex-Agenten Alexander Litwinenko müssen sich drei Menschen in einer britischen Spezialklinik radiologischen Untersuchungen unterziehen. Zudem stießen die Behörden in London an weiteren Orten auf Anzeichen radioaktiver Strahlung, wie Innenminister John Reid sagte. Damit könnten potenziell wesentlich mehr Menschen radioaktiver Strahlung ausgesetzt gewesen sein als bisher befürchtet. Reid betonte allerdings, es gebe keinen Anlass zur Unruhe.
Im Körper des früheren KGB-Agenten waren Spuren der hoch radioaktiven Substanz Polonium 210 gefunden worden. Äußerst giftige Rückstände wurden zunächst nur in Litwinenkos Wohnung entdeckt sowie in einem Restaurant und einem Hotel, in dem er sich aufgehalten hatte. Die Behörden forderten daraufhin alle Bürger auf, eine eigens eingerichtete Notrufnummer zu wählen, falls sie ebenfalls an diesen Orten waren. Mehr als 450 meldeten sich nach Behördenangaben aus Angst um ihre Gesundheit. 18 davon werden genauer untersucht, drei von ihnen müssen in die Spezialklinik. Es handle sich um eine Vorsichtsmaßnahme, um eine Verstrahlung oder radioaktive Vergiftung der Betroffenen mit Sicherheit ausschließen zu können, sagte eine Sprecherin der Gesundheitsschutzbehörde HPA.
Unklar war, welche weiteren Orte radioaktive Rückstände aufwiesen. Reid machte dazu keine Angaben. In Medienberichten war von einem Bürokomplex in der Innenstadt die Rede sowie von einer Adresse im exklusiven Bezirk Mayfair.
Litwinenko war etwa drei Wochen nach seiner Vergiftung gestorben. In einem Abschiedsbrief hatte der einstige Spion, der im vergangenen Monat die britische Staatsbürgerschaft erhielt, Russlands Präsident Wladimir Putin des Mordes bezichtigt.
Ein Sprecher Tony Blairs warnte gleichwohl vor vorschnellen Rückschlüssen. "Der Premierminister und andere Minister haben wiederholt ihre Besorgnis über einige Menschenrechtsaspekte in Russland betont. Aber in diesem speziellen Fall müssen wir vorsichtig vorgehen. Polizeiermittlungen sind im Gange und wir müssen das Ergebnis abwarten."
Litwinenko hatte sich Anfang November in London mit einem ehemaligen Kollegen aus Moskau und einem italienischen Akademiker getroffen. Noch am gleichen Tag traten Vergiftungssymptome auf und Litwinenko begab sich in eine Klinik. Er recherchierte im Fall der regierungskritischen russischen Reporterin Anna Politkowskaja, die am 7. Oktober in Moskau erschossen worden war. Putin wies am Rande des EU-Russland-Gipfels in Helsinki die Vorwürfe einer Verwicklung in den mysteriösen Tod Litwinenkos zurück.
(apa)
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