Donnerstag, 30. November 2006

Streit um Goldmünzen: 21-jähriger Mann nach Sturz aus Wohnungsfenster gestorben

  • Todesopfer plante offenbar Raub an Münzhändler
  • 21-Jähriger gab vor, Golddukaten kaufen zu wollen

Der 21-jährige Mann, der in der Wiener Innenstadt durch einen Sturz aus dem vierten Stock eines Wohnhauses starb, hatte vermutlich die Absicht, den 51-jährigen Münzhändler, der sich mit ihm in der Wohnung aufgehalten hatte, zu berauben. Dabei kam es nach Darstellung des Älteren zu einer heftigen Rangelei, bei der vermutlich beide verletzt wurden. Der 21-jährige gebürtige Niederösterreicher stürzte - möglicherweise in benommenem Zustand - aus dem Fenster. Das gab die Polizei bekannt.

"Unsere bisherigen Erkenntnisse stützen sich auf die Darstellung des Münzhändlers. Was er berichtet, klingt sehr schlüssig", sagte Oberstleutnant Karl Kmoch vom Kriminalkommissariat Zentrum-Ost. Der 51-Jährige wurde am Abend in einem Spital verarztet, festgenommen und einvernommen. "Jetzt werden kriminaltechnische Untersuchungen durchgeführt und Zeugen befragt", erklärte der Kriminalist.

Nach Angaben des Münzhändlers hatte sich der 21-Jährige auf ein Inserat gemeldet und erklärt, als Firmeninhaber Golddukaten im Wert von 11.000 Euro als Weihnachtsgeschenke für Mitarbeiter kaufen zu wollen. Die Wohnung in der Dominikanerbastei schlug er als Treffpunkt vor, da er durch eine Fußverletzung behindert sei und deshalb nicht in das Geschäft des Händlers kommen könne. Die Wohnung werde von ihrer Besitzerin immer wieder auch kurzfristig vermietet, sagte Kmoch.

Das Kaufinteresse dürfte der junge Mann nur vorgetäuscht haben, der Händler kam aber tatsächlich mit den Golddukaten in die Wohnung, der Kauf wurde scheinbar abgewickelt. Der 21-Jährige erklärte schließlich, eine Tasche mit Geld aus einem Tresor in einem anderen Zimmer zu holen. Den Münzhändler habe er dann nach dessen Darstellung aufgefordert, sich das - in Wahrheit nicht vorhandene - Geld aus der Tasche zu nehmen und dabei attackiert.

Es kam zu einer Schlägerei, bei der, wie Kmoch unter Berufung auf Aussagen des 51-Jährigen berichtete, der vermeintliche Interessent mit dem Kopf gegen eine von mehreren großflächigen Fensterscheiben krachte und dann gegen eine weitere Scheibe "geschubst, gedrückt oder gestoßen" wurde. Möglicherweise benommen habe sich der 21-Jährige auf eine Fensterbank gesetzt und sei schließlich aus dem Fenster gestürzt.

Unter anderem wurde auch der Lebensgefährte des jungen Niederösterreichers aus dem Bezirk Neunkirchen befragt. Er erklärte, von einem beabsichtigten Raub nichts gewusst zu haben. Der 21-Jährige hatte offenbar erst vor zwei Monaten eine Wohnung in Wien gemietet. (apa/red)

30.11.2006 15:04