Umweltschützer mobilisieren: In Wiener Lobau herrscht weiter eine Pattsituation
- Keine Lösung im Konflikt Asfinag vs. Umweltschützer
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Grüne Bundesspitze fand sich bei Besetzern ein
·Stichwort: Wiener
Nordost-Umfahrung
Schnellstraße unter Lobau
& Donau kostet 1,6 Mrd

Die Pattsituation zwischen Umweltschützern und Asfinag bei der Blockade der Probebohrungen in der Wiener Lobau hat sich nach der ersten Nacht nicht gelöst. Die Aktivisten blockieren weiter die beiden Bohrfahrzeuge, die am Montag ihren Standort im Nationalpark erreicht hatten. Die Asfinag wurde von den Umweltschützern daran gehindert, die dritte Bohrmaschine in die Lobau zu bringen.
Die beiden Maschinen, die sich bereits an ihrem Standort befinden, seien in der Nacht von einem privaten Sicherheitsdienst bewacht worden, berichtete Projektleiter Christian Honeger der APA. Dabei betonte er, man bleibe auch weiterhin in der Lobau: "Es gibt keinen Rückzug von unserer Seite."
Gespräche mit den Blockierern hätten derzeit keinen Sinn. Mittlerweile würden die Mitarbeiter der Asfinag von den Aktivisten beim mittleren Bohrloch sogar am Betreten des Bauzaunes gehindert. Deren Aufenthalt dort widerspreche vollkommen dem Wegegebot im Nationalpark.
Während sich die Asfinag an die Auflagen halte, würden diese von der Gegenseite alle missachtet, ärgerte sich Honeger. Es sei nun an der Zeit, dass sich die Politik zu Wort melde, befand der Asfinag- Projektleiter - schließlich habe sein Unternehmen von dort die Verpflichtung übernommen, das Projekt umzusetzen.
Die Bürgerinitiative "Rettet die Lobau" hat unterdessen Unterstützer dazu aufgerufen, zumindest für einige Stunden in den Nationalpark zu kommen, bis die Asfinag das Bohrgerät wieder abgezogen habe. Die Umweltschützer wollen erst wieder verhandeln, wenn die Bohrmaschinen den Nationalpark wieder verlassen haben.
In der Lobau sollen insgesamt 18 Probebohrungen vorgenommen werden - als Vorarbeiten für die geplante Nordost-Umfahrung. Diese soll unter der Donau und der Lobau als Tunnel verlaufen.
Häupl will nicht mit "Berufsaktivisten" verhandeln
Wiens Bürgermeister Michael Häupl will sich nicht in die Pattsituation zwischen Asfinag und Umweltschützern im Nationalpark Lobau einschalten. Dort blockieren die Demonstranten die aufgefahrenen Bohrgeräte. Es handle sich dabei um eine "bunte Mischung international tätiger Berufsaktivisten", so Häupl in einer Pressekonferenz. Er verstehe nicht, weshalb er mit Hamburgern oder Londonern Verhandlungen über ein Wiener Bauprojekt führen solle.
Außerdem müsse er sich dann zum wiederholten Male die gleichen Argumente anhören: "Dazu ist mir meine Zeit zu schade." Zuletzt waren sowohl von Demonstrantenseite als auch von der Asfinag Forderungen nach einem Eingreifen der Politik in den Konflikt um die Probebohrungen für die Wiener Nordost-Umfahrung laut geworden.
Zugleich unterstrich Häupl erneut, dass er nicht bereit sei, die Exekutive in den Nationalpark zu schicken: "Ich bin striktest gegen den Polizeieinsatz." Mit ihm werde es kein zweites Hainburg geben. Allerdings könne es auch nicht sein, dass 35 Personen den Willen von Millionen verhindern würden. Sollte die Bohrerlaubnis der Asfinag im kommenden März ungenutzt auslaufen, könne diese auch verlängert werden: "Wir haben viel Zeit", so Häupl.
Allerdings müsse den Demonstranten klar sein: "Wer heute den Tunnel verhindert, wird morgen die Brücke bekommen." Zwar kenne er als Koalitionsverhandler die angespannte Finanzsituation der Asfinag, die derzeit den Bau einer Donau-Brücke nicht erlauben würde: "Momentan - fürchte ich - wird sie sich nicht einmal einen Holzsteg leisten können." Andererseits seien diese Finanzfragen im Zuge der Koalitionsverhandlungen zu klären.
Grüne plädieren für "Nachdenkpause"
Auch die Grüne Bundes-Spitze hatte sich in der Lobau eingefunden. Umweltaktivisten informierten Bundessprecher Alexander Van der Bellen und seine Stellvertreterin Eva Glawischnig über den Stand der Dinge. Die Grünen sprachen sich für eine "Nachdenkpause" in Sachen Nordost-Umfahrung aus.
"Die Lobau-Autobahn wird zusätzlich mindestens zwei Mrd. Euro kosten", warnte Glawischnig, die gemeinsam mit Ehemann Volker Piesczek und ihrem Sohn Benjamin erschienen war. Eine Autobahn sei aber sicher die falsche Lösung.
Glawischnig sprach sich einmal mehr für einen massiven Ausbau des öffentlichen Verkehrs aus. Die zuständigen Verantwortlichen, nämlich die Stadt Wien und Verkehrsminister Hubert Gorbach, sollten eine "Nachdenkpause" einlegen, forderte sie. Die Grünen würden das Thema auf alle Fälle "in irgendeiner Form" in die morgige Nationalratssitzung einbringen, versicherte Glawischnig.
"Wir sind hier auf speziellem Boden, um das Wort 'geheiligt' zu vermeiden" scherzte Van der Bellen. Der Nationalpark dürfe unter keinen Umständen durch ein Straßenprojekt gefährdet werden. Der Verkehr in Europa müsse dringend eingedämmt werden, ansonsten könnten die Kyoto-Klimaschutzziele nicht erreicht werden, so Van der Bellen, der sich im Anschluss bei den Umweltaktivisten für ihr Engagement bedankte.
(apa/red)
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