Sport und Bewegung für Kinder in Maßen: Zu frühes Intensivtraining meist schädlich!
- Trainieren ohne Druck wichtig für die Entwicklung!
- Zu viel sportlicher Stress kann zu Burnout führen!

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Junge Sportler sollten selbst entscheiden, ob und wie intensiv sie in einer Disziplin trainieren wollen, mahnen US-amerikanische Forscher.
Dreizehnjährige, die Pferderennen gewinnen, junge Schwimmer, die dem Training zuliebe die Schule vernachlässigen, und Eisläuferinnen, die mehr Zeit in der kühlen Halle als mit befreundeten Mädchen verbringen: Spitzensport und tägliches Training prägen den Alltag von vielen Heranwachsenden.
Sehr frühe sportliche Förderung auf hohem Niveau findet häufig auf Initiative ehrgeiziger Eltern oder Trainer statt, die sich davon athletischen Erfolg der Kinder und Jugendlichen versprechen. Zu früher und vor allem einseitiger sportlicher Drill sei allerdings keine Garantie für spätere Spitzenleistungen und vor allem unter gesundheitlichen Gesichtspunkten nicht unbedenklich, warnen US-Forscher.
Kampfgeist vs. Freude an Bewegung?
Wenn Sport sehr früh und nur auf Wettkämpfe hin trainiert wird, kann dies den Heranwachsenden die Lust an der Bewegung regelrecht austreiben. "Wer mehrere unterschiedliche Sportarten ohne Druck betreibt, erwirbt körperliche Fähigkeiten, die sonst verborgen geblieben wären", plädiert Jennifer VanSickle von der Universität Indianapolis für eine fröhliche Vielfalt der Bewegungsformen.
Mentales Burnout
In den einzelnen Sportarten werden mentale Stärke, Schnelligkeit, Gleichgewicht, Sprungkraft und Reaktionsvermögen unterschiedlich beansprucht und trainiert. Diese Fähigkeiten fließen im späteren Leben in die körperliche und athletische Konstitution eines Menschen ein. Dagegen würden Eltern und Trainer die Kinder einseitiger Belastung aussetzen, sobald sie diese in ein intensives ganzjähriges Aktivprogramm zwingen. Dieses Training bereits in jungen Jahren könne zu körperlichem und mentalem Burnout bei den jungen Sportlern und Sportlerinnen führen, warnt die Expertin. Sozialkontakte könnten unter einem zu rigiden Trainingsplan leiden. Auch führe die einseitige Belastung oftmals zu Überbeanspruchung sowie frühzeitiger Abnützung von Gelenken oder Wirbeln.
Leistungsdruck lässt Psyche leiden
Außerdem ist die ständige Anspannung vor Wettkämpfen nicht gerade förderlich für die junge Psyche: VanSickle glaubt, dass die nervliche Strapaze sportlicher Wettkämpfe längerfristig sogar trauma-ähnliche Folgen haben kann. Zudem könne es sein, dass sich ehemalige jugendliche Leistungssportler im späteren Leben stets Spitzenleistungen abverlangen und mit Versagen nur schwer umgehen können.
Sportliche Vielfalt
Allzu frühes und intensives Training macht aber selbst dann wenig Sinn, wenn tatsächlich herausragende Leistungen angestrebt werden: So hat eine russische Untersuchung jüngst ergeben, dass Kinder, die mehrere Sportarten ohne Druck betreiben, bei späterer Spezialisierung auf eine Disziplin größere Erfolge erreichen als mit sehr frühem Intensivtraining in dieser Sportart.
Warteposition
Die Medizinerin empfiehlt daher allen ehrgeizigen Eltern, mit der sportlichen Intensivförderung des Kindes in jedem Fall zu warten, bis die Adoleszenz einsetzt. Bis zum Alter von etwa 13 Jahren sollten Kinder also ohne Druck eine Vielzahl von Sportarten betreiben können, die ihnen Spaß machen und ihr Bewegungsvermögen in vielerlei Hinsicht schulen. VanSickle: "Wenn so lange mit der sportlichen Spezialisierung gewartet wird, ist das Kind meist nicht nur emotional und körperlich reifer, sondern übt den Sport vor allem deshalb aus, weil es das selber möchte. Und nicht etwa, weil sich Eltern oder Trainer sportliche Erfolge wünschen." Die Entscheidung darüber, ob bzw. welchen Sport sie betreiben und wie intensiv sie trainieren möchten, sollte aber in jedem Alter den Heranwachsenden überlassen werden, so die Forscherin.
(netdoktor.at/red)
