Freitag, 24. November 2006

Keine biologische Reaktion gemessen: Ist Elektro-Sensibilität nur psychisch bedingt?

  • Kein Nachweis für echte Empfindlichkeit gefunden
  • Individuelle Stressverarbeitung mögliche Ursache

So genannte Elektrosensibilität scheint nach einer neuen Studie eher ein rein psychologischer Effekt als eine tatsächlich erhöhte Empfindlichkeit für elektromagnetische Felder zu sein. Bei einer Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin reagierten vermeintlich elektrosensible Menschen jedenfalls nicht anders als eine Kontrollgruppe: Weder konnten sie solche Felder zuverlässig wahrnehmen noch zeigten sie auf deren An- und Ausschalten eine messbare biologische Reaktion, wie die Bundesanstalt in Dortmund berichtet.

Parallel zur wachsenden Bedeutung des Mobilfunks geben immer mehr Menschen an, gesundheitlich unter den Auswirkungen elektromagnetischer Felder zu leiden. Um diesem Phänomen auf den Grund zu gehen, setzten die Forscher Testpersonen sowohl einem durch herkömmlichen Wechselstrom erzeugten magnetischen Feld aus als auch einem so genannten gepulsten Feld des Mobilfunks.

Binnen einer Stunde wurden die Probanden drei Mal für jeweils zehn Minuten solchen Belastungen ausgesetzt. Dabei wussten sie nicht, wann und für wie lange das Feld eingeschaltet war. Anschließend wurden die Teilnehmer gefragt, ob sie ein Feld wahrgenommen hatten. Über die elektrische Leitfähigkeit der Haut wurden zugleich körperliche Wahrnehmungsreaktionen gemessen.

Ergebnis der Versuche: Bei keiner Testperson konnten die Wissenschafter eine Änderung der elektrischen Hautleitfähigkeit feststellen, die sich auf die Einwirkung eines elektromagnetischen Feldes zurückführen ließ. Ebenso konnten weder die Kontrollpersonen noch die so genannten Elektrosensiblen zuverlässig angeben, ob sie einem Feld ausgesetzt waren oder nicht. Beide Gruppen erreichten eine Zufallstreffsicherheit von lediglich 50 Prozent. Studienleiterin Gerlinde Kaul führt das Phänomen daher auf Bedingungen zurück, die eher in der psychischen Struktur oder in der individuellen Stressverarbeitung der Betroffenen liegen könnten.

(apa/red)

24.11.2006 13:51