Freitag, 15. Dezember 2006

Alarmierender Drogenbericht 2006: Wieder mehr Todesopfer durch Drogen in Österreich

  • "Problematischer Konsum" hat weiter zugenommen
  • Rauch-Kallat für neue Substitutionsverordnungen
    PLUS UMFRAGE: Haben Sie schon Drogen probiert?

Ein ernüchterndes Ergebnis brachte der Drogenbericht 2006: Der problematische Drogenkonsum - also vor allem der Gebrauch von Heroin oder die gleichzeitige Verwendung verschiedenster Suchtgifte - hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Bei etwas erhöhtem Konsum gegenüber der Vergangenheit ist die Verbreitung der Verwendung illegaler Drogen in etwa gleich geblieben. Gestiegen ist 2005 auch die Zahl der Drogenopfer. Das sind die Hauptaussagen des aktuellen "Berichts zur Drogensituation 2006" des Österreichischen Bundesinstituts für das Gesundheitswesen (ÖBIG).

Der problematische Drogenkonsum mit Beteiligung von Opiaten stieg 2004 auf rund 25.000 bis 32.000 betroffene Personen. Im Vergleich zu 2001 ist dies ein Anstieg von rund 10.000 Personen. "Besonders deutlich fällt dieser für die Altersgruppe 15 bis 24 Jahre aus", schreiben die ÖBIG-Experten unter Federführung von Sabine Haas.

Gefährlicher Mischkonsum
Schuld an der gestiegenen Zahl der Drogentoten von 185 im Jahr 2004 auf 191 im Jahr 2005 ist vor allem der Mischkonsum verschiedenster Mittel. "In 25 Prozent der Fälle wurde bei der Toxikologie ausschließlich illegale Drogen festgestellt. Zusätzlich wurden in 39 Prozent der Fälle auch psychoaktive Medikamente, in 15 Prozent der Fälle auch Alkohol und zu 20 Prozent beides nachgewiesen."

Alter der Drogentoten sinkt
Das Durchschnittsalter der Drogentoten in Österreich sinkt seit 2003 wieder, nachdem es bis 2002 gestiegen war. So betrug der Anteil der unter 20-jährigen Drogenopfer im Jahr 2002 13 Prozent, im Jahr 2004 hingegen 22 Prozent, 2005 dann 15 Prozent. Der größte Teil der Menschen mit dem gefährlichsten Drogenkonsum ist in den Großstädten zu finden.

Weniger HIV-Infektionen
Während Anfang der neunziger Jahre in Österreich noch rund 20 Prozent der Menschen, die sich Drogen intravenös spritzten, HIV- positiv waren, sind es jetzt nur noch drei bis sechs Prozent. Am häufigsten sind Hepatitis C-Infektionen mit einem Anteil von 50 bis 60 Prozent.

Rauch-Kallat für neue Substitutionsverordnungen
Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (V) betonte diesbezüglich die Notwendigkeit für die Neuregelung der Substitutionsbehandlung, wie sie über zwei neue Verordnungen mit 1. März 2007 in Kraft treten wird.

Die Ministerin: "Wichtig ist vor allem, dass wir mit den neuen Substitutionsverordnungen den Zugang zu Methadon usw. so geregelt haben, dass der Missbrauch so gering wie möglich gehalten wird und kein Schwarzhandel entstehen kann." Die beiden Verordnungen regeln die Drogenersatzbehandlung von Opiatabhängigen direkt und die Ausbildung der damit befassten Ärzte bindend und österreichweit.

(apa/red)

15.12.2006 15:41