Neues zu BAWAG-Favoriten: Aufsichtsrats-präsident Sellitsch erwartet höhere Preise!
- Kommunalkredit soll ins "Lone-Star-"Konsortium
- Cerberus plant BAWAG als GM-Bank-Europazentrum
·BAWAG-Kauf: "Roter Datenraum" nun offen
Bieter können Bank auf Herz und Nieren prüfen
·BAWAG-Kauf: Vier Bewerber im "Finale"!
Darunter BayernLB, Cerberus & Lone Star
·NEWS: ÖGB soll an BAWAG beteiligt sein
BAWAG-Bieter wollen ÖGB weiterhin als Partner
·BAWAG: Preis nicht einziges Kriterium
Rudolf Hundstorfer: Auch Arbeitsplätze Hauptpunkt
·BAWAG: "Mehr als
drei" Kaufangebote
Offerte werden bewertet und gehen an den ÖGB
·Bankenverkäufe sind immer ein Aufreger!
CA-Übernahme führte zu großer Regierungskrise
Der amtierende Aufsichtsrat der vorm Verkauf stehenden Gewerkschaftsbank BAWAG P.S.K. will die Bank unter neuem Eigentümer als Ganzes erhalten wissen. Klar, dass umgebaut würde, heißt es, doch die Bank solle unter neuer Eigentümerschaft wieder expandieren können. Nun wurden weitere Details um die Konzepte der BAWAG-Finalisten bekannt. So soll die österreichische Kommunalkredit - die sich ja um das von BAWAG P.S.K. abgewickelte Geschäft mit öffentlichen Darlehen bemüht - Teil eines Bieter-Konsortiums um den US-Fonds Lone Star werden. Nach APA-Informationen hatte es zuvor ähnliche Gespräche der Kommunalkredit mit Cerberus gegeben.
Der US-Fonds Cerberus wiederum, der Wüstenrot und Generali als Konsorten mit an Bord hat, will die BAWAG im Fall des Zuschlags mit eigenen internationalen Bank-Geschäfts-Assets verbinden und zur Europa-Zentrale für die vor kurzem mehrheitlich erworbene "GM Bank" (die einstige Finanzierungstochter von General Motors, GMAC) machen.
Vier Bieter sind übrig geblieben, die am Versteigerungsprozess für die Bank teilnehmen können. Die "Shortlist" besteht aus Bayrischer Landesbank (BayernLB), dem US-Fonds Cerberus sowie dem ebenfalls amerikanischen Finanzinvestor Lone Star. Ein weiterer Bieter will aus taktischen Gründen weiter nicht geoutet werden. Bis Freitag dieser Woche hofft man aber auch hier auf Klärungen. Der Bieter sei ernsthaft und kein Unbekannter, wird betont. Im Aufsichtsrat hat man Verständnis dafür, dass er im jetzigen Stadium der Verhandlungen nicht benannt werden möchte.
BAWAG-Aufsichtsratspräsident Siegfried Sellitsch spricht von professionellen und durchwegs seriösen, ordentlichen Unternehmen. "Alle sind sehr interessante künftige Eigentümer". Favoriten habe er zwar, sagte Sellitsch heute nach einer mehr als vierstündigen Aufsichtsratssitzung zur APA. "Aber derartiges Liebesgeflüster muss man schon persönlich austauschen".
Der BAWAG-Verkauf, der jetzt in die Endphase gekommen ist, sei auf guter Schiene. Auch der BAWAG-Präsident hält die Entscheidung über den Käufer noch vor Weihnachten möglich.
Eine Zerschlagung oder Zerteilung nach dem Eigentümerwechsel beziehungsweise Verkäufe der Bank in ihren Einzelteilen befürchtet Sellitsch nach wie vor nicht: "Wenn jemand doch irgendwie drei Milliarden in die Hand nimmt, macht er was Vernünftiges draus", meinte Sellitsch.
In den Augen von Sellitsch sind die bisher gebotenen Preise sicher nicht die endgültigen. Auf kolportierte Summen geht er nicht ein. Sinn einer Auktion sei ja, dass es mehr werden kann. "Das ist das Wesen eines solchen Prozesses."
Cerberus hatte wie berichtet bis vor kurzem als Favorit für die BAWAG gegolten. Insider hielten dies heute für nicht "gegessen". Während in Gewerkschaftskreisen weiter gehofft wird, dass der "Darling" Bayerische Landesbank genug hinlegt, um den Zuschlag zu bekommen, bilden sich neue Konstellationen heraus - wie eben um Lone Star. Das muss aber noch nicht der Endpunkt künftiger Kooperationen sein, heißt es.
Spannend könnte das Rennen auch noch in allerletzter Minute im Dezember werden. Dem Vernehmen nach hat sich die Gewerkschaft die technische Möglichkeit offen gelassen, ein teures "Last minute"-Angebot akzeptieren zu können, das finanziell alle anderen Bieter aus dem Feld schlagen könnte. Solche Überraschungscoups auch durch Investoren, die innerhalb der Annahmefrist gar nicht verbindlich geboten hatten, sind als "knock out"-Bids bei großen Übernahmen vor allem ein Revier großer Hedgefonds in den USA.
Seit heute Vormittag können die "bevorzugten Bieter" Einschau halten in die höchst vertraulichen Bankunterlagen und Verträge. Juristen, Bilanzexperten und Investmentbankvertreter der Kaufinteressenten können dabei in vertiefter Prüfung an die kundenrelevanten Kreditunterlagen heran, sehen geheime Verträge, Bewertungen und Risikopositionen ein, um verborgene Risiken zu kennen und sich gegen "Leichen" im Keller abzusichern. Die "preferred bidder" müssen zusichern, nach Durchsicht der sensiblen Dokumente das Bankgeheimnis strikt zu wahren.
Nach diesem Durchgang im so genannten "Roten Datenraum" geht es an die Endverhandlungen. Die will der ÖGB für seine Bank bis vor Weihnachten abgeschlossen haben.
(apa/red)
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