Dienstag, 21. November 2006

"Roter Datenraum" der BAWAG offen: Bieter
können Bank nun genau durchleuchten!

  • Einsicht in vertrauliche Unterlagen und Verträge
  • Kommt vierter Bieter aus Frankreich oder Italien?

Die zur Auktion um die BAWAG eingeladenen "bevorzugten Bieter" können nun Einschau in die höchst vertraulichen Bankunterlagen und Verträge halten. Juristen, Bilanzexperten und Investmentbankvertreter der Kaufinteressenten können in einer vertieften Prüfung an die kundenrelevanten Kreditunterlagen heran, sehen Bewertungen und Risikopositionen ein, um sich gegen "Leichen" im Keller abzusichern.

Unterlagen aus dem Datenraum heraus schaffen dürfen die Prüfenden nicht, auch kopiert werden darf nichts. Für die Arbeit im Datenraum gilt noch einmal strikte Vertraulichkeit. Die "preferred bidder" müssen explizit zusichern, nach Durchsicht der sensiblen Dokumente das Bankgeheimnis strikt zu wahren.

Verkauf soll bis Weihnachten unter Dach und Fach sein
Nach diesem Durchgang im so genannten "Roten Datenraum" geht es an die Endverhandlungen. Die will der ÖGB für seine Bank bis vor Weihnachten abgeschlossen haben.

Bis Ende der Woche soll das Geheimnis um einen "möglichen vierten Bieter" auf der Käufer-Shortlist gelöst sein, verlautete heute zur APA.

Bei den Kaufinteressenten haben unscharfe Mitteilungen von Verkäuferseite über den Umfang der Liste der bevorzugten Bieter Unmut ausgelöst. Von "Chaos" am Beginn der Endrunde ist die Rede.

Vier Bieter auf "Shortlist"
Wie von mit dem Verkauf befassten Kreisen erklärt wurde, sind vier Bieter übrig geblieben, die nun am Versteigerungsprozess für die Bank teilnehmen können. Die so genannte "Shortlist" der Kandidaten der Endrunde besteht aus Bayrischer Landesbank (BayernLB), dem US-Fonds Cerberus (samt Wüstenrot und Generali) sowie dem ebenfalls amerikanischen Finanzinvestor Lone Star. Ein weiterer Bieter wolle aus "taktischen Gründen" nicht geoutet werden, hieß es.

Dieser Bieter soll einen Finanzhintergrund haben. Dem Vernehmen nach könnte sich ein strategischer Interessent - die Rede war zuletzt von Interesse seitens Großbanken aus Frankreich bzw. zuletzt auch Italien - noch an einen Fonds "dranhängen".

Allianz nicht dabei
Die deutsche Allianz Versicherung, die als einer der Favoriten gegolten hatte, ist nicht auf der "Shortlist". Hohe Chancen werden in Gewerkschaftskreisen weiterhin dem US-Fonds Cerberus eingeräumt. In der Gewerkschaft sah man aber auch das Angebot des einstigen BAWAG-Partners BayernLB ganz gern.

BAWAG-Aufsichtsräte für Erhalt der Bank als Ganzes
Die Erwartungen der amtierenden Aufsichtsräte an den neuen BAWAG-Eigentümer sind unmissverständlich. "Ich erwarte, dass wir einen Käufer finden, der in der Lage ist, die Bank in etwa so weiter zu führen wie sie jetzt ist - und mit einem österreichischen Akzent". Das sagte BAWAG-Aufsichtsrat Albert Hochleitner, ehemals Generaldirektor von Siemens Österreich, vor Beginn einer Sitzung der Kontrollorgane.

Auch für den Aufsichtsrat Richard Schenz, einst Generaldirektor der OMV, ist es "das Wichtigste, dass die BAWAG erhalten bleibt wie sie ist".

(apa/red)

21.11.2006 15:03