Montag, 20. November 2006

Stets ein Aufreger: Die spektakulären Bankenverkäufe der jüngeren Geschichte

  • CA-Übernahme bescherte veritable Regierungskrise

2006 wird für seine Bankenkrimis im öffentlichen Gedächtnis verhaftet bleiben. Hatten im Jahr 2005 schon größere Banken-Übernahmen, Fusionen und Börsetransaktionen die heimische Finanzbranche in Atem gehalten, so muss heuer mit dem spektakulären Verkauf der angeschlagenen Gewerkschaftsbank BAWAG P.S.K. - fünftgrößte Bank Österreichs - die größte Banken- und Gewerkschaftskrise der Nachkriegszeit ihrem Ende zugeführt werden.

Der BAWAG-Verkauf ist kein normaler Bankverkauf, sondern ein reiner Notverkauf. Dass ausgerechnet einstige Spitzengewerkschafter erst ihre Bank verzockten und jetzt die neue ÖGB-Spitze mit "Heuschrecken"-Kapitalsammelstellen aus Übersee um den erlösenden Verkauf endverhandeln muss, gilt als Tabubruch.

In mit dem Prozess vertrauten Kreisen ist von der BAWAG-Versteigerung unter ausländischen Investoren von einer gesellschaftspolitischen Ausnahme-Transaktion die Rede.

Nach mehreren Jahren steht jetzt im Dezember wieder ein klassischer Verkauf einer system-relevanten Großbank bevor. Dies gerade einmal sechs Jahre, nachdem die BAWAG dem österreichischen Staat die Postsparkasse (P.S.K.) abgekauft hat. Für den Noch-Eigentümer ÖGB ist ein Verkauf der im Vorjahr voll fusionierten BAWAG P.S.K., noch dazu voraussichtlich an einen amerikanischen Fonds, ein Paradigmenwechsel. Aufregung gab es aber fast immer, wenn bei Kreditinstituten Eigentümerwechsel bevorstanden.

Ein mehrjähriges politisches Hick-Hack hatte zuletzt auch der - nach mehreren Anläufen heuer doch noch abgewickelte - Verkauf der nach einem Kreditskandal mit Landesgarantien aufgefangenen Bank Burgenland beschert. Die Bank Burgenland ging mit Beschluss vom März 2006 an die Grazer Wechselseitige Versicherung (GraWe).

Recht schnell und vergleichsweise ruhig ging der vorjährige Verkauf der größten Bank in Österreich, der Bank Austria Creditanstalt, an die Italiener (UniCredit) über die Bühne. Bankinterne Debatten brachte der rigorose Konzernumbau. Fünf Jahre zuvor, Ende 2000, hatte der Verkauf der Bank Austria an die deutsche HypoVereinsbank (HVB) da politisch weitaus höhere Wellen geschlagen. Die Münchner HVB stellte sich bald als brustschwach heraus, musste sich selber auf Partnersuche machen und begab sich und die Tochter BA-CA schließlich in die Hände der UniCredit.

Zur echten Regierungskrise war zum Jahreswechsel 1996/97 der Verkauf der Creditanstalt geraten. Das Angebot der Bank Austria (sie selber entstand 1991 aus der Fusion von Zentralsparkasse und Länderbank) für die Staatsanteile an der CA - immerhin nach fast sechsjährigem Privatisierungspoker - brachte die damalige Koalition von SPÖ und ÖVP fast ans Ende.

Die österreichische Raiffeisen Zentralbank (RZB) hat für den Teilverkauf ihrer Ostbankenholding Raiffeisen International (RI) im April 2005 den Weg über die Börse gewählt. Damit kann sich diese Bank ebenso wie bisher BA-CA und Erste Bank Kapital über die Emission junger Aktien beschaffen - Geld, das für die milliardenschwere Osteuropa-Expansion gebraucht wird.

Im Spätherbst 2005 hat die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) nach kühnem Übernahmepoker gegen die heimische Konkurrenz ihr Ziel der Totalübernahme der Spezialbank Investkredit erreicht. Im Gegenzug wird die niederösterreichische Hypobank bis Mitte 2007 gerade wieder "verländert", zumindest vorübergehend. Auch bei der Hypo Niederösterreich krachte es zuvor gehörig im Aktionärsgefüge.

In der fast zeitgleich mit der BAWAG heuer von früheren Spekulationsschäden geschüttelten Kärntner Hypo Alpe Adria Bank ändern sich die Eigentumsverhältnisse eher sukzessive. Die zwei großen Aktionäre (Land Kärnten, Grazer Wechselseitige) ziehen sich schrittweise auf geringere Anteile zurück. An einem Börsegang wird allen Zweifeln zum Trotz immer noch fest gehalten.

Milliardenschwere Zukäufe von Banken in Osteuropa gehören bei den österreichischen Kreditinstituten seit Jahren zum "Tagesgeschäft". Vor allem bei Erste Bank, Raiffeisen und auch BA-CA.

Bei der Erste Bank - die sich in den vergangenen Jahren auch an großen Bundesländersparkassen in Österreich eingekauft hat - liegt der letzte wirklich spektakuläre Bankaktien-Deal im Inland rund zehn Jahre zurück - als sie ebenfalls nach jahrelangem Streit im Sparkassensektor 1997 das damalige Sparkassen-Spitzeninstitut GiroCredit (einst Girozentrale) durch Fusion in sich aufnahm.

(apa/red)

20.11.2006 15:22