Ackermann darf jubeln: Mannesmann-Verfahren gegen Geldauflage eingestellt
- 5,8 Mio. Geldauflage für die sechs Angeklagten
- Allein 3,2 Mio. für Deutsche-Bank-Chef Ackermann
Das Verfahren wegen millionenschwerer Prämienzahlungen bei der Mannesmann-Übernahme ist eingestellt. Für die sechs Angeklagten, darunter Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, endet der spektakulärste Wirtschaftsprozess Deutschlands mit einer Geldauflage von insgesamt 5,8 Mio. Euro.
Das Landgericht Düsseldorf folge mit der Entscheidung dem Antrag der Verteidigung und der Anklage, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Drees in Düsseldorf. Die Angeklagten hätten sich nicht freigekauft, betonte er. Tausende von Verfahren würden in Deutschland jährlich ähnlich dem Mannesmann-Verfahren gegen Geldauflagen beendet. Auch Ackermanns Verteidiger Klaus Volk betonte, es handle sich nicht um einen Freispruch zweiter Klasse für den Deutsche-Bank-Chef.
Ackermann übernimmt mit 3,2 Mio. Euro den Löwenanteil der Zahlungen, die in die Staatskasse und an Wohltätigkeitsorganisationen fließen sollen. 1,5 Mio. Euro zahlt Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser. Ackermann wäre bei einem Schuldspruch nicht an der Spitze der Deutschen Bank zu halten gewesen. Sein Anwalt Eberhard Kempf sagte, der Banker, der das Gebäude sofort nach der Verkündung ohne eine Stellungnahme verließ, sei erleichtert. "Das Verfahren ist vorbei", habe er ihm nach dem Richterspruch zugeflüstert. Im ersten Mannesmann-Verfahren hatte er mit der zum Victory-Zeichen gespreizten Hand - angeblich eine spaßige Geste - für einen Sturm der Entrüstung gesorgt.
Auch der Aufsichtsrat des Instituts begrüßte das Ende des Prozesses. Ackermann könne sich nun mit voller Kraft auf seine Arbeit konzentrieren, erklärte er. Richter Drees zufolge wurde das Verfahren abgebrochen, da kein öffentliches Interesse an einer weiteren Verfolgung bestehe und auch keine Schwere der Schuld auf Seiten der Angeklagten einer Einstellung entgegenstehe: "Das ist gegeben." Zudem seien die Angeklagten durch das sich über Jahre hinziehende Verfahren "überdurchschnittlich" belastet worden.
Bereits zu Ackermanns Amtsantritt an der Spitze der Deutschen Bank vor vier Jahren hatte die Staatsanwaltschaft ermittelt, die Anklage war im Herbst 2003 vom Gericht zugelassen worden. Ackermann, Esser, der frühere IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel sowie drei weitere Angeklagte mussten sich seit Ende Oktober wegen des Verdachts der Untreue beziehungsweise der Beihilfe dazu zum zweiten Mal vor Gericht verantworten. Im Kern ging es um die knapp 60 Mio. Prämien und Abfindungen, die Anfang 2000 bei der Übernahme von Mannesmann durch den britischen Mobilfunkriesen Vodafone an amtierende und frühere Manager geflossen waren. Mit einem Volumen von 180 Mrd. Euro gilt die Transaktion nach wie vor als die größte der Wirtschaftsgeschichte.
Die Freisprüche aus einem ersten Prozess 2004 in Düsseldorf hatte der Bundesgerichtshof im vergangenen Winter aufgehoben. Ackermanns Verteidiger kritisierten dies erneut scharf: "Der BGH lebt in einer Parallelwelt", sagte Volk. Ackermann hatte sich selbst nicht bereichert, die Zahlungen allerdings als Mitglied des Aufsichtsrates mit abgenickt.
Ackermanns Mitangeklagter Jürgen Ladberg äußerte sich ebenfalls erleichtert: "Ich habe mich hier nicht freigekauft, ich hätte aber lieber einen Freispruch gesehen." Er habe aber auch Verständnis für die Menschen, denen es schwer falle, die Einstellung nachzuvollziehen. Esser, der über Jahre hinweg für einen Freispruch gekämpft hatte, wollte sich nicht äußern.
(apa/red)
Syrien-Krise18:14
Obama ein Feigling?Wegschauen oder eingreifen? US-Präsident schweigt zum Massaker von Houla
Nachbeben in Italien20:01
Mehrere TodesopferErneut große Schäden und Tote nach schweren Erdstößen in Norditalien

