Freitag, 24. November 2006

Nigerias Ex-Präsident bestochen: Siemens-Beschäftigter gesteht Schmiergeldzahlungen

  • Millionen sollen auf Konto von Abacha geflossen sein
  • War Konzernspitze von Machenschaften informiert?

In der Schwarzgeld-Affäre bei Siemens hat einer der Beschuldigten einem Zeitungsbericht zufolge Schmiergeldzahlungen zugegeben. Ein langjähriger Angestellter habe bei der Staatsanwaltschaft ausgesagt, Siemens habe den früheren Präsidenten von Nigeria, Sani Abacha, bestochen, berichtete die "Süddeutsche Zeitung". Es soll Schmiergeld aus Österreich geflossen sein.

Der frühere Siemens-Beschäftigte habe ausgesagt, in Afrika und anderen Teilen der Welt sei es oftmals nur mit Sonderzahlungen möglich, Aufträge zu bekommen. Bei diesem Beschuldigten handle es sich um einen der sechs früheren oder aktiven Mitarbeiter, die inzwischen in Untersuchungshaft sitzen.

Der Ex-Angestellte hatte dem Bericht zufolge nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler hohe Beträge aus dem Konzern in schwarze Kassen geleitet und anschließend an Konzern-Manager weitergereicht. Diese verfügten schließlich über Millionensummen, die nicht in den Siemens-Büchern auftauchten und konnten mit diesem Geld operieren.

Der langjährige Angestellte soll ausgesagt haben, dass aus schwarzen Kassen in Österreich Schmiergeld nach Nigeria geflossen sei. Anfang des Jahrzehnts habe aber die Gefahr bestanden, dass die geheimen Konten in Österreich von Staatsanwälten aus der Schweiz entdeckt werden könnten.

Ein Teil dieses Schmiergeldes habe von Siemens gestammt, wurde der Beschuldigte zitiert. Der langjährige Siemens-Mitarbeiter nannte der Staatsanwaltschaft in München dem Bericht zufolge auch Zahlen zu den schwarzen Kassen in Österreich. Allein über Konten in Salzburg seien 75 bis 100 Millionen Euro pro Jahr geflossen, und das über einen längeren Zeitraum in den 90er Jahren.

Aufsichtsratschef will "aufräumen"
Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer sieht durch die Korruptionsaffäre die Grundlagen des Unternehmens gefährdet und hat ein kompromissloses Aufräumen angekündigt. Zusammen mit Vorstandschef Klaus Kleinfeld schrieb Pierer in einem Brief an die Mitarbeiter: "Kein Mitarbeiter, kein Manager kann sich darauf berufen, er habe nicht gewusst, was in unserem Hause in Sachen Verhaltensethik erwartet wird."

Konzernspitze informiert?
Über die mutmaßlichen Schmiergeldzahlungen von Siemens soll laut "Süddeutscher Zeitung" auch die Konzernspitze informiert gewesen sein. Nach Aussage eines langjährigen Mitarbeiters, der in Untersuchungshaft sitze, kannte ein früherer Vorstand schwarze Kassen und Korruptionspraktiken des Konzerns.

Der damalige Mitarbeiter, der bei der Staatsanwaltschaft als zentrale Figur in dem Skandal gelte, legte nach Informationen der Zeitung ein umfassendes Geständnis ab und habe den Ex-Vorstand "schwer bealstet". Dieser habe über Schwarzgelder und weltweite Korruption Bescheid gewusst.

Der Beschuldigte arbeite mittlerweile nicht mehr bei Siemens. Er wechselte an die Spitze eines anderen Unternehmens, schreibt die "SZ".

(apa)

24.11.2006 21:15