22.11.2006 09:46

Doping-Fall Mayrleb schlägt hohe Wellen: Staatssekretär Karl Schweitzer droht ÖFB

  • Harte Konsequenzen: Entzug der Förderungen?
  • ÖFB reagiert: Will Statuten bezüglich Doping ändern

Sport-Staatssekretär Karl Schweitzer hat sich in die Diskussionen um die Doping-Causa Christian Mayrleb eingeschaltet und dem Österreichischen Fußball-Bund (ÖFB) mit drastischen Maßnahmen gedroht. Schweitzer drohte entsprechend den Bestimmungen des Anti-Doping-Gesetzes mit dem Entzug der Bundes-Sportförderung (2006 im zweistelligen Millionen-Bereich), sollte der ÖFB seine Statuten nicht gemäß dem Anti-Doping-Gesetz ändern. Der Fußball-Bund reagierte prompt und kündigte für 27. November die geforderte Statutenänderung an.

Mayrleb, Stürmer von Bundesligist FC Superfund Pasching, war am 6. November im Rahmen einer unangemeldeten Trainingskontrolle der nationalen Anti-Doping-Comites (ÖADC) positiv auf das Diuretikum Codiovan Forte getestet worden. Das Diuretikum wird gegen Bluthochdruck eingesetzt, steht allerdings auf der Doping-Liste, weil es entwässernd ist und damit zur Verschleierung von Doping dienen könnte.

Der Senat I der Bundesliga hat das Verfahren gegen den 34-Jährigen, dem laut FIFA-Reglement, Artikel 62, Absatz 2, eine Sperre zwischen sechs Monaten und zwei Jahren drohte, allerdings am Samstag eingestellt. Begründet wurde dies mit Verweis auf Paragraf 17 der ÖFB-Vorschriften, wonach der Spieler kein Mittel zur Leistungssteigerung eingenommen habe und daher der Tatbestand des Dopings nicht gegeben sei.

Schweitzer schaltet sich ein
Der Vorstand des ÖADC hat den Fall allerdings noch nicht zu den Akten gelegt, nun wurde auch Schweitzer aktiv. Der ÖFB habe die Bestimmungen des Antidopinggesetzes bis dato nicht in seine Statuten aufgenommen, teilte der Sport-Staatssekretär nach einer Rückfrage beim ÖFB mit. "Aufgrund dieser Tatsache bestehe die Gefahr, dass Österreich abermals international als Dopingsünderland apostrophiert werde", hieß es in einer Presseaussendung von Schweitzer.

Er verwies auch auf geplante Sport-Großveranstaltungen wie Fußball-EM 2008 oder die Olympischen Winterspiele 2014, für die sich Österreich bewirbt. Und er stellte harte Konsequenzen in Aussicht. Schweitzer forderte die Verantwortlichen des ÖFB auf, "umgehend die Bestimmungen des geltenden Antidopinggesetzes bis spätestens 30. November in ihre Statuten aufzunehmen. Sollte dieser Aufforderung nicht Folge geleistet werden, so würden die Bestimmungen des Antidopinggesetzes angewandt und die Förderungen an den ÖFB sowohl aus der allgemeinen als auch aus der besonderen Bundes-Sportförderung mit Dezember 2006 eingestellt", so Schweitzer.

Förderung in Höhe von 14,5 Mio. Euro
Die Drohung hatte es in sich. Der ÖFB erhält im Jahr 2006 aus der Besonderen Sportförderung knapp über 14 Millionen Euro und aus der Allgemeinen Sportförderung etwas über 450.000 Euro, zusammen also fast 14,5 Mio. Euro.

Der ÖFB reagierte umgehend und kündigte eine Statuten-Änderung noch im November an. "Der ÖFB bekennt sich vollinhaltlich zu den nationalen und internationalen Anti-Doping-Bestimmungen. Der ÖFB hat bereits im April 2006 alle Vereine per Rundschreiben über die neuen Bestimmungen und die möglichen Konsequenzen bei Nicht-Einhaltung informiert. Die deutlichen Aussagen von Staatssekretär Schweitzer sind verständlich und zu akzeptieren. Schon am 27. November 2006 werden vom Präsidium im Rahmen der zweiten Bundesvorstandssitzung diesen Jahres die Anti-Doping-Statuten des ÖFB wie geplant an die internationalen Bestimmungen angeglichen werden", stellte ÖFB-Präsident Friedrich Stickler fest.

Stickler versprach aber auch weitere Schritte. "Gemeinsam mit dem Bundeskanzleramt und der Bundesliga wird der ÖFB weitere Schritte setzen. So wird eine Anti-Doping-Expertenkommission eingesetzt werden und darüber hinaus werden sämtliche Klubärzte der Bundesligavereine in der Winterpause zu einer umfassenden Informationsveranstaltung zu diesem Thema eingeladen werden", hieß es in einer Presseaussendung.

(apa/red)

22.11.2006 09:46
Seite bookmarken bei: ? Hilfe
Olympia 2010 - Alle Bilder & Videos
zurück zur Startseite